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#1 Am 30.10.2021 um 14.42 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
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Nachrichten: 608

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Die Vampirin griff nach einem Glas Sekt, das einer der Bediensteten ihr anbot, während die Musik des Streichorchesters im Hintergrund spielte.
Das war die erste Veranstaltung die Lis seit zwei Monaten besuchte. Auch wenn sie solche Anlässe liebte, weil sie ihren Schmuck zur Schau stellen konnte, so war sie doch immer achtsam. Große gesellschaftliche Ereignisse bedeuteten in der Regel auch immer Venatoren… Dieser Ball war etwas kleiner gehalten, wenn auch nicht weniger unterhaltsam. Und da ihr Ehemann nun einmal nicht an derartigen Anlässen teilnehmen konnte, musste sie es von Zeit zu Zeit, um einen guten Eindruck in der Öffentlichkeit Londons zu wahren. …außerdem lag dieses Anwesen nicht allzu weit entfernt, von ein paar Immobilien, die sich die Vampirin später in der Nacht noch ansehen wollte. Der Verkaufspreis war niedrig, der Gewinn dafür umso vielversprechender.
Lis nippte an ihrem Glas und hörte dabei aufmerksam ihrem Gesprächspartner zu. Es war ein älterer Herr, der Inhaber eines Transportunternehmens war, welches Güter aus Schottland nach Südengland transportierte. Viel Auf seine Erzählungen schien er sich jedoch nicht zu konzentrieren, sondern stattdessen viel mehr auf ihren Busen vor ihm. Vermutlich lag es an der Goldkette, deren Anhänger ihr Dekolté perfekt betonte und die sie erst vor einer Nacht bei ihrem Lieblingsjuwelier erworben hatte. Einer der wenigen, von dem die Vampirin wusste, dass er nicht menschlich war… Leider war er heute Abend nicht da, sonst hätte sie eine interessantere Unterhaltung führen können…
Ihr Blick durch den großen Saal ließ viele vertraute aber auch viele fremde Gesichter zu Tage kommen. Einer der Nachteile ihres Wesens war es, dass sie selten wusste, wem sie vertrauen konnte und wem nicht …wer war Mensch und wer nicht?
Höflich verabschiedete sich Lis einmal von ihrem Gesprächspartner der immer noch über schottischen Alkohol sprach, sein Blick dabei auf ihrer Oberweite statt ihrem Gesicht, und machte sich durch die Menge mit ihrem Glas auf den Weg zum Buffet. Sie nahm sich ein paar der Schokopralinen, die sie auch jetzt noch liebte und machte sich damit und ihrem Sekt auf den Weg nach draußen in den kleinen Garten. Etwas weg von der Musik und dem Kerzenlicht. Ihre Augen begannen langsam zu schmerzen und brauchten etwas Erholung
Die Vampirin lief ein paar Schritte, bevor sie sich auf eine kleine steinerne Bank setze, die Augen schloss und lausche. Sie war alleine, keine Schritte. Gut. Sie nahm eine der Pralinen auf ihrem kleinen Teller und begann sie zu essen.





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John stellte gerade eine neue Schale Snacks auf einen der Tische. Zusammen mit Adalrik und Penelope hatte er sich als Servicekräfte für diesen Abend engagieren lassen. …nun, eigentlich hatte er nur Glück gehabt. Sein Dienstplan hatte ihn ursprünglich für die Jagd im Ostbezirk Londons vorgesehen – dem schlimmsten und verdrecktesten Ort der ganzen Stadt. Dank einer Wette mit seinem Vater, die er gewonnen hatte, hatte er tauschen können und nun war er hier im warmen und hellen Saal, der Oberschicht Londons Häppchen und Sekt servieren zusammen mit Aldarik und Penelope, während sein Vater durch die tristen Gassen Ostlondons laufen musste.
Außerdem war Adalrik bereits solange fertig mit seiner Ausbildung zum Venator, dass er durch aus als Erfahren galt und die Verantwortung, die ursprünglich sein Vater heute übernehmen sollte, meistern würde. Zumindest wusste John nicht, warum Adalrik es nicht können sollte. So ziemlich jeder hielt hohe Stück auf den Venator.
John sah zu Penelope und Adalrik, als sie einen ruhigen Moment hatten.
„Habt ihr schon was ausfindig gemacht?“ Das Vampire und Dämonen hier waren, war keine Frage, das sagte ihm das Kribbeln im Nacken schon den ganzen Abend. Er kratzte sich einmal unauffällig, aber es ging nicht weg. Wenn einem dieses Jucken nur auch die Anzahl der Vampire sagen würde! Bei gewöhnlichen Jagden war es in der Regel nie ein Problem, da Vampire ohnehin eher Einzelgänger waren …aber bei solchen Anlässen.
„Dieses Jucken macht mich noch verrückt!“ zischte er leise.
„Warum wollte ich nochmal mit meinem Vater tauschen?“ seufzte er.
„Für mich sind es zu viele. Ich kann sie nicht orten…“ Abwartend sah er zu Penelope, ob die Venatorin als Späherin vielleicht etwas entdeckt hatte.

Letzte Änderung durch Luce (Am 31.10.2021 um 20.37 Uhr)



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#2 Am 08.11.2021 um 13.55 Uhr

Absynthgarde
Panthea
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Panthea
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Wenn Eireann eines nicht leiden konnte, dann war es Arroganz. Und die versprühte der Mann vor ihr mehr als für ihn gut war.
Er war nur hier, um einen Termin bei James zu ergattern. Eireanns bester Freund und Besitzer der Golden Times war immer ein begehrtes Ziel all derer, die nach der Aufmerksamkeit des Volkes gierten.
Und dieser Mann gierte ganz besonders danach.
„Hören Sie Miss. Ich bin mir ja sicher, dass Sie gute Arbeit leisten. Aber ich denke, dass eine solche Entscheidung nur von Sir Percy selbst getroffen werden kann.“ Die rothaarige Dämonin seufzte. „Da muss ich Sie leider vertrösten. Sir Percy ist längst gegangen und auf dem Weg zu einem wichtigen Treffen. Versuchen Sie es am besten nächste Woche wieder.“
Der Mann setzte erneut an, aber sie schnitt ihm gleich das Wort ab.
„Jetzt hören Sie mal. Die Zeitung hat geschlossen. Ich bin im Inbegriff zu gehen, denn ich habe heute noch etwas anderes vor, als mir von Ihnen sagen zu lassen, dass sie unbedingt mit Sir Percy sprechen müssen, obwohl er nicht da ist. Und wenn Sie es nicht endlich aufgeben, mich zu belästigen, dann werde ich Sie höchstpersönlich hier rauswerfen, haben Sie mich verstanden?“
Verblüfft zuckte der Mann zusammen. Er schien endlich zu begreifen, dass er heute keinen Erfolg mehr mit seinem Anliegen haben würde. Er rümpfte die Nase, drehte sich auf dem Absatz um und ohne ein Wort des Abschieds, verschwand er.

Wenn die Dämonin nicht falsch lag, war der Mann ein Angestellter der Kirche und was immer er zu sagen hatte, dürfte wohl kaum von Interesse sein. Erleichtert endlich gehen zu können, sammelte Eireann ihre letzten Sachen zusammen und schickte den Boten aus, der die letzten Artikel für die morgige Ausgabe in den Druck bringen würde.
Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass sie nicht mehr viel Zeit haben würde, um mich für die Feier zurecht zu machen. Und wie sie James kannte, konnte sie ihn ebenfalls zur Eile antreiben.
In letzter Zeit war er irgendwie mit den Gedanken woanders.
Aber aus irgendeinem Grund wollte er nicht mit ihr darüber reden.
Während sie in die Kutsche stieg, die sie nach Hause fuhr, grübelte sie weiter darüber nach, wann das Ganze begonnen hatte und was der Auslöser gewesen sein mochte.
Als sie vor ihrem Anwesen ankam, war sie zu dem Schluss gelangt, dass James‘ sonderbares Verhalten begonnen hatte, seit er vor zwei Wochen mit Onyx ausgeritten war.

„Miss Bolding, soll ich die Kutsche vor der Tür stehen lassen.“
Die Stimme des Kutschers riss sie aus ihren Gedanken.
„Ich bitte darum, Geoffrey. Sir Percy und ich werden heute noch einer Abendgesellschaft beiwohnen und werden in Kürze die Kutsche wieder benötigen“, entgegnete Eireann freundlich und stieg aus der Kutsche aus, nachdem Geoffrey ihr die Hand hinhielt.
Im Innern des Gebäudes war es ausgesprochen ruhig.
Die Bediensteten waren mit Ausnahme von Geoffrey längst zuhause und James lag wahrscheinlich noch in seinem Zimmer.
Kopfschüttelnd entzündete sie eine der Öllampen und nahm sie mit nach oben. Doch zu ihrer Überraschung war der Vampir längst wach und las grinsend einen Brief.
Hinter ihm fielen die letzten Sonnenstrahlen ins Zimmer, während er an seinem Schreibtisch geschützt im Schatten saß.
„Sag bloß, du bist schon auf?“, fragte sie neckend und stellte die Lampe auf einen Tisch vor James‘ Zimmer.
„Julia hat mir noch einen Brief gebracht, bevor sie gegangen ist und da habe ich beschlossen, dass ich gleich aufstehe.“ „Wer hat dir denn geschrieben?“ „Ein alter Freund“, antwortete James geheimnisvoll und stand auf.
„Fahren wir?“ „Heute hast du es wohl etwas eilig, kann das sein?“
„Heute ist einfach eine gute Nacht.“ „Das freut mich für dich, aber ich muss mich noch fertig machen. Übrigens, im Büro war ein gewisser Michael Norrington. Ich glaube er kommt von der Kirche und wollte unbedingt mit dir sprechen. Ich habe ihm gesagt, er soll es nächste Woche wieder versuchen, weil er mir gehörig auf die Nerven ging. Vielleicht solltest du mal wieder ein paar Tage im Büro verbringen, die Journalisten wundern sich auch schon, weil du dich so lange nicht hast blicken lassen.“
James sah kurz wieder zum Brief und nickte dann.
„Dann treffen wir uns gleich unten“, meinte Eireann, schnappte sich die Öllampe und ging in ihre eigenen Gemächer.

Vorausschauend hatte sie sich bereits ihre Garderobe für die Gesellschaft am Mittag zurechtgelegt und wechselte schnell ihr Tageskleid gegen ein extravagantes, dunkelgrünes Abendkleid.
Mit geübten Griffen frisierte sich die Dämonin schnell die Haare neu und ging frisch parfümiert nach unten. 
James stand unten an der Treppe und sah lächelnd nach oben.
„Du siehst fantastisch aus wie immer, meine Liebe“, schmeichelte James und bot seiner Freundin seinen Arm an. Grinsend hakte sich Eireann bei ihm unter. „Jahrelange Übung, mein Lieber. Danke für das Kompliment. Aber du siehst selbst nicht schlecht aus. Möchtest du heute jemanden beeindrucken?“
„Dich natürlich, wen denn sonst?“ James grinste Eireann zwinkernd an und sie musste herzhaft lachen.
Während der Kutschfahrt informierte Eireann James über alles, was in der Golden Times abgelaufen war, damit er Bescheid wusste und plante mit ihm ein paar grundlegende Dinge für die nächsten Ausgaben.
Mit gut Glück würde sich auf der Gesellschaft auch noch die eine oder andere Geschichte auftun.




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„Sir Percy, darf ich eintreten?“
Julias Stimme riss James aus seinem unruhigen Schlaf.
Julia war eines seiner Londoner Dienstmädchen und war bereits seit fünf Jahren im Dienst „seiner Familie“.
„Kommen Sie nur herein, Julia“, sagte er und setzte sich auf.
An seine… ungewöhnlichen Schlafgewohnheiten hatten sich die Angestellten längst gewöhnt, weshalb Julia nicht verwundert war, dass ihr Arbeitgeber noch im Bett lag, als sie die Tür öffnete.
„Guten Abend, Julia“, grüßte er das Dienstmädchen lächelnd. „Guten Abend, Sir. Es ist soeben ein Bote eingetroffen mit einem Brief für Sie, mit der Bitte ihn möglichst sofort an Sie zu überreichen. Es ist wohl eine dringende Angelegenheit, Sir Percy.“
„Vielen Dank, Julia. Sie können den Brief gerne auf meinen Schreibtisch legen. Seien Sie bitte so freundlich und öffnen Sie noch den Vorhang für mich. Danach können Sie gerne mit den anderen Bediensteten Feierabend machen.“ „Essen Sie heute nicht im Hause, Mylord?“ „Meine Cousine und ich werden heute auswärts sein, also zögern Sie nicht, früher zu gehen“, meinte James zwinkernd und Julia nickte erfreut. „Vielen Dank, Sir Percy“, entgegnete sie höflich und tat, worum er sie gebeten hatte.
Kurz darauf fielen die Sonnenstrahlen der bereits untergehenden Sonne in das Zimmer. Sehnsüchtig sah James auf das Licht, das er so sehr vermisste.
Wie sehr hatte er es früher geliebt, bei seinen Ausritten die warme Sonne im Gesicht zu spüren. Heute käme das einem Todesurteil gleich, sodass er nicht mehr tun konnte, als ihr Farbenspiel in der Dämmerung zu beobachten, wenn auch nur für wenige Augenblicke.

James beobachtete noch einige Minuten den hellen Schatten auf seinem Boden, ehe er aufstand und sich umzog. Seinen Pyjama tauschte er gegen ein einfaches Hemd und eine seiner feineren Hosen, dann schnappte er sich den Umschlag und öffnete ihn.
Beim Überfliegen der Zeilen musste er grinsen.
Er hat also tatsächlich angebissen, dachte er und schüttelte den Kopf.
Sicher war er sich nicht gewesen, dass sein Freund Wood ihn unterstützen würde. Noch weniger hätte er gedacht, dass er sogar direkt nach London aufbrechen würde. Da wird sich Eireann sicherlich freuen.
Und als hätte er sie heraufbeschworen stand plötzlich die Dämonin im Türrahmen und fragte grinsend, wie es sein konnte, dass er schon wach war.
„Julia hat mir noch einen Brief gebracht, bevor sie gegangen ist und da habe ich beschlossen, dass ich gleich aufstehe“, erklärte der Vampir.
„Wer hat dir denn geschrieben?“, erkundigte sich Eireann neugierig, doch James verriet nicht, um wen es sich genau handelte. Vielmehr wollte er sie überraschen, sobald Wood in London eintraf.
Also lenkte er schnell vom Thema ab und fragte, ob sie schon losfahren wollten.
„Heute hast du es wohl etwas eilig, kann das sein?“
„Heute ist einfach eine gute Nacht“, meinte James zwinkernd.
„Das freut mich für dich, aber ich muss mich noch fertig machen“, meinte Eireann und erzählte von einem Mann der Kirche, der in der Golden Times gewesen war.
Er war sich nicht sicher, ob das etwas Gutes bedeute, aber James würde wirklich eine Zeit lang wieder ins Büro zurückkommen müssen.
Normalerweise regelte er alles von seinem Anwesen aus und ließ sich nur ab und an mal blicken. Auch die Artikel, die er verfasste, schrieb er meist zuhause und selten im Büro, da er nicht in die normalen Büros der Journalisten konnte. Schließlich gab es in diesen genügend Fenster, die das Sonnenlicht hereinließen und damit eine Bedrohung für ihn darstellten.
„Dann treffen wir uns gleich unten“, schloss Eireann, nahm wieder die die Öllampe an sich, die sie vorhin vor dem Raum abgestellt hatte und ließ den Vampir allein zurück.

James legte den Brief in eine seiner Schreibtischschubladen und legte sicherheitshalber noch ein paar alte Artikel darüber, falls Eireann etwas aus seinem Schreibtisch brauchen sollte.
Anschließend suchte er sich ein dunkelblaues Seiden-Jabot aus und zog dieses mit einem dunkelblauen, fast schwarzen Gehrock an.
Während er unten auf Eireann wartete und die Sonne gänzlich unterging, dachte er über den Besuch von Wood nach.
Mit seiner Hilfe würde er sicherlich einiges bewegen können.
Als Eireann die Treppe herunterkam schob er sämtliche Gedanken an den Brief beiseite und lächelte sie an.
Sie sah wirklich atemberaubend aus.
„Du siehst fantastisch aus wie immer, meine Liebe“, begrüßte er sie und hielt ihr seinen Arm hin.
„Jahrelange Übung, mein Lieber“, erwiderte sie grinsend und bedankte sich. „Aber du siehst selbst nicht schlecht aus. Möchtest du heute jemanden beeindrucken?“ „Dich natürlich, wen denn sonst?“, antwortete der Vampir James und versuchte den Stich, den diese Aussage verursachte, dahinter zu verstecken.
Jedoch kreisten seine Gedanken immer wieder darum. Um das, was er mit seinem Tod verloren hatte. Trotzdem musste er sich immer wieder während der Kutschfahrt dazu ermahnen, den Berichten seiner Freundin zuzuhören.
Dabei fiel ihm auf, dass er wirklich schon lange nicht mehr im Büro gewesen war. Die „Entdeckung“, die er gemacht hatte, hatte einiges seiner Zeit gekostet und die Zeitung war dabei auf der Strecke geblieben.
Allerdings würde er ohnehin nicht mehr viel tun können, ehe Wood eintraf.
Und er konnte seine eigentliche Arbeit nicht so lange schleifen lassen.
Dieser Abend bot vielleicht die Gelegenheit, einen größeren Artikel zu schreiben und wieder zurück ins Spiel zu kommen.

Auf der Abendgesellschaft waren auch viele bekannte Gesichter und hohe Persönlichkeiten, welche sicher einige Neuigkeiten parat hielten.
Zu Eireanns und James‘ Pech wurden sie von Lord und Lady Donnegal sofort unter Beschlag genommen.
Lord Donnegal war Fabrikbesitzer und hatte sich eine goldene Nase mit der Kokerei verdient. Sein Herz hatte er aber wie viele Adlige gleich mit vergolden lassen. Ein Herz aus Gold – so kalt und so hart.
Und seine Frau war ganz genauso. Und zu allem Übel waren beide besonders geschwätzig und angeberisch.
Äußerst unangenehme Zeitgenossen.

„Wissen Sie, die Kokerei ist ein ausgesprochen interessantes Gebiet, Sir Percy“, begann Sir Donnegal wieder eine seiner ausschweifenden Erzählungen und seine Frau rollte schon genervt mit den Augen.
Beide hörten sich zwar selbst gerne reden, das traf jedoch nicht auf ihren Ehepartner zu.
„Ich denke es wird Sie interessieren, dass wir dabei sind, einige Neuerungen durchzuführen. Koks ist natürlich ein wichtiges Produkt, allerdings haben wir festgestellt, dass es möglich ist, die Abfallprodukte, die während der Produktion entstehen, weiter zu verwerten. Einige Substanzen können in der chemischen Industrie weiterverarbeitet werden, was natürlich von großem Vorteil ist. Sie ahnen nicht, wie viel Geld ich allein mit den Abfällen machen werde“, lachte Sir Donnegal und genehmigte sich noch ein tiefen Schluck aus seinem Weinglas.
„Ungeheuer interessant, Sir Donnegal“, gab James höflich zurück.
Vielleicht sollte er das genau so in einem Artikel veröffentlichen. Donnegal fabrications – aus Müll wird Geld.
„Wie ich Sie kenne, werden sie sicherlich einen interessanten Artikel darüber schreiben, darum werde ich Ihnen das genaue Verfahren nicht verraten. Schließlich möchte ich nicht, dass meine Konkurrenz leichtes Spiel hat. Wissen Sie, der interessante Aspekt ist ja eigentlich auch ein ganz anderer“, führte er fort und setzte zu einem Monolog an, der James seine eher pazifistische Art vergessen ließ.
„Oh entschuldigen Sie uns“, unterbrach Eireann ihn plötzlich und James atmete erleichtert auf. „Ich sehe dort hinten gerade jemanden, den ich unbedingt begrüßen muss, Sie entschuldigen uns.“ Freundlich lächelte Eireann das Ehepaar an, doch James kannte sie mehr als gut genug, um zu wissen, dass sie hochgradig geladen war.
Ohne auf die Reaktion der Donnegals abzuwarten, zog Eireann James von den Beiden weg und tauchte mit ihm in der Menge unter.
„Ich glaube er würde noch Jahre weiterreden“, meinte die Dämonin genervt und seufzte.
„Und wenn er mal ne Pause braucht, übernimmt seine Frau ein paar Monate“, ergänzte James lachend.
„Ich hoffe wirklich, dass wir die Beiden nie mehr zu Gesicht bekommen. Möchtest du vielleicht eine Runde tanzen?“ „Ich denke, in unseren jetzigen Rollen wäre das kaum angebracht, Cousinchen.“ Beleidigt schob Eireann ihre Unterlippe vor. „Du verdirbst einem aber auch wirklich jede Freude, James.“
„Von mir aus kannst du dir gerne einen Tanzpartner suchen. Ich glaube, nach dem Gespräch brauche ich ohnehin etwas frische Luft.“
Eireann grinste verständnisvoll und löste sich wieder von James.
„Dann erhol dich mal gut“, meinte sie zwinkernd.

Die kühle Nachtluft fühlte sich gut auf seiner Haut an.
Manchmal hatte er Phasen, in denen er der Gesellschaft überdrüssig war.
Zumindest seit er gestorben war.
Und er hatte das Gefühl, er war wieder auf dem besten Wege in eine solche.
Langsam ging durch den Garten und genoss die Stille, als er plötzlich um eine Hecke ging und vor einer jungen Frau stand, die wohl einen ähnlichen Gedanken gehabt hatte wie er und auf einer Bank saß.
„Verzeiht die Störung, Mylady. Ich hatte nicht erwartet hier draußen jemanden anzutreffen“, grüßte er freundlich und verneigte sich.




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Unglücklich sah Penelope auf das Kleid vor sich.
Der Schnitt war höchst unglücklich, der Stoff für eine Bedienstete ungeheuer billig und von der Verarbeitung wollte sie gar nicht erst reden.
Kurzum: sie hätte das ganze mit geschlossenen Augen besser hinbekommen als der Schneider, der diese Abscheulichkeit produziert hatte.
Wenn Mrs. Harris eine solche Arbeit von Penelope oder einer ihrer Kolleginnen sehen würde, könnte diese sich augenblicklich eine neue Arbeitsstelle suchen.
Aber leider gehörte es zu ihrer Arbeit als Venatorin dazu, dass sie dieses scheußliche Kleid anzog und sich als Dienerin ausgab.
Seufzend rang sie ihren Unwillen nieder und zog sich um.
Jeden Tag liefen Menschen in diesen Sachen herum, da würde sie sich auch für einige Stunden damit begnügen können.
Penelope fragte sich, ob alle Adligen ihre Diener derart schlecht kleideten oder ob diese Herren schlicht und einfach jedwede Kosten und Mühen scheuen wollten.
Schnell warf sie sich eine einfache Pelisse über, die zumindest auf ihrem Weg das Kleid verbergen würde. Dann stellte sie Eny und Net noch ihr Essen hin, ehe sie sich von den beiden verabschiedete und die kleine Dachkammer verließ, in der sie wohnte.
Leise, um nicht einen der anderen Hausbewohner zu wecken, ging sie die Treppe herunter, übersprang die knarzenden Stufen und eilte dann schnellen Schrittes zu dem Anwesen, auf dem sie heute Abend aushelfen würde.

Nachdem sie durch den Dienstboteneingang das Anwesen betreten hatte, wurde sie auch sofort schon mit Arbeit überhäuft. Man sollte meinen, dass bei einer solchen Festlichkeit die Vorbereitungen bereits zuvor alle getroffen wurden. Dennoch mussten Penelope und unzählige andere Bediensteten Geschirr hin- und hertragen, Möbelstücke arrangieren und schlussendlich Speisen und Getränke auftragen.
Irgendwann begann das Orchester zu spielen und schließlich trafen nach und nach Gäste ein, die Penelope mit den anderen Dienstmädchen und Dienern bediente.
Natürlich dauerte es auch nicht lange, bis ihr Nacken anfing zu kribbeln. Leider kamen viel zu schnell, viel zu viele Personen auf einmal in den Saal als dass Penelope hätte ausmachen können, welcher der Adligen ein Vampir war und welcher nicht. Und das Kribbeln war derart intensiv, dass es sicherlich einige vor Ort waren.
Ihre zwei Kollegen Alarik und John machten auch nicht unbedingt den Eindruck als hätten sie mehr Glück bei ihrer Suche.

Als die drei zusammenstießen erkundigte sich John, ob sie oder Alarik einen Vampir hatten finden können, und flüsterte irgendetwas, das klang als würde ihn das Kribbeln verrückt machen.
Eine Empfindung, die Penelope nur allzu gut nachempfinden konnte.
„Für mich sind es zu viele. Ich kann sie nicht orten…“, meinte John und sah zu Penelope.
Diese schüttelte nur den Kopf.
„Hier sind einfach viel zu viele Menschen. Und zu viele von ihnen. Es sind definitiv mehr als zwanzig. Ihre Präsenz kommt aus allen Richtungen, völlig unmöglich zu sagen, wer dazugehört und wer nicht. Ich bezweifle, dass wir eine Chance haben, einen zu identifizieren, solange er nicht allein ist. Oder zumindest in einer deutlich kleineren Gruppe. Ich befürchte sogar, dass wir es nicht einmal bemerken würden, wenn wir direkt neben einem stünden. Wahrscheinlich bleibt uns keine andere Wahl, als die Türen im Auge zu halten und diejenigen zu verfolgen, die den Saal verlassen.“


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#3 Am 11.11.2021 um 16.53 Uhr

Obsidiangarde
Luce
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Die Vampirin wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie plötzlich Schritte hörte und einen Augenblick später einen Mann vor sich stehen sah, der sie ebenso überrascht ansah wie sie ihn. Lis war noch am überlegen gewesen, ob diese Schritte einem Venator gehörten, da sie so leise waren, verglichen zu den üblichen menschlichen Schritten, aber wenn sie in das überraschte Gesicht ihres Gegenübers sah, konnte sie das definitiv ausschließen. Jener wirkte nicht, als wäre er auf der Jagd nach jemandem.
„Verzeiht die Störung, Mylady. Ich hatte nicht erwartet hier draußen jemanden anzutreffen“, grüßte er nach einem Augenblick freundlich und verneigte sich. Lis stellte den Teller mit ihren Pralinen ab, stand auf und tat es ihm gleich. Das allein gebot schon die Höflichkeit.
„Guten Abend, Sir. Nun, ich hatte auch nicht damit gerechnet, hier draußen anderen Gästen zu begegnen.“ Sprach sie höflich und setzte sich wieder. Sie nahm ihren Pralinenteller in die Hand und rutschte etwas zur Seite, dass ihr Gegenüber sich hinsetzen konnte. Immerhin wäre es zutiefst unhöflich, wenn er hätte stehen müssen, während sie saß.
Die Schwarzhaarige wusste nicht wieso, aber irgendwoher kam ihr dieser Mann bekannt vor… Nur woher…? Nun, ein Venator konnte er somit schon mal nicht sein. Bekannte Venatoren lebten nicht lange.
Gerade als die Vampirin ihr Gegenüber fragen wollte, wie dessen Name war, kam jener ihr zu vor.
„Elisabeth Smith. Sehr erfreut.“ Sprach sie höflich.
„Mit wem habe ich das Vergnügen, wenn ich fragen darf?“ stellte sie nun ihrerseits eine Frage und als sie seinen Namen hörte, wusste sie, woher sie diesen Mann ‚kannte‘.
„Wenn ich mich recht entsinne, seid ihr der Besitzer der Times nicht wahr?“ fragte sie höflich und wurde sogleich berichtet.
„Ich bitte um Entschuldigung. Ich meinte natürlich die Golden Times.“ Im Grunde war es Lis vollkommen egal, welche Zeitung ihm gehörte. Journalisten brachten immer eine Menge Probleme mit sich, wenn sie wollten. Genau deswegen mied sie jene auch. Wenn auch zugegeben wegen ihrer ‚Künstlerrolle‘. Umso weniger erfreut war sie, als er sie – oder besser gesagt ihren ‚Mann‘ scheinbar kannte.
„Ja, genau, Sir Alastor.“ Lächelte sie höflich.
„Wenn Sie allerdings hoffen, über mich an ein Interview mit meinem Gatten heranzukommen, muss ich Sie enttäuschen. Seine Haltung diesbezüglich ist unverändert und auch ich kann daran nichts ändern.“ Sprach Lis zwar höflich, aber auch deutlich, um ihm unmissverständlich klar zu machen, dass weder er noch irgendeine der anderen Zeitungen ein Interview bekommen würden. Mittlerweile ließ sie schon seit Jahren derartige Anfragen allerlei Zeitungen unbeantwortet.
„Aber wie ich höre, läuft Ihre Zeitung sehr gut. Viele meiner Bekannter lesen sie und auch ihre Verkaufszahlen sollen seht gut sein.“ Sprach die Schwarzhaarige und war froh, dass ihr Gesprächspartner ihre Haltung bzw. die ihres Mannes in Bezug auf Interviews akzeptierte. Jener antwortete höflich und erzählte von den Erfolgen und Inhalten seiner Zeitung bevor er erneut subtil nach dem Geschäft ihres Ehemannes fragte. Die Journalistische Ader kam durchaus zum Vorschein…
"Ja, die Sachlichkeit ihrer Artikel ist etwas, das stehts sehr gelobt wird." stimmte sie zu.
"Und soweit ich weiß, tut es das. Ich kenne mich mit dem Geschäft meines Mannes allerdings nicht sonderlich aus, als Frau." log sie und spielte die unwissende und unbedarfte Ehefrau. Die wenigsten Männer glaubten, dass es eine Frau in der Wirtschaft mit einem eigenen Unternehmen zu etwas bringen konnte. Die meisten Männer waren überzeugt, dass sich Frauen nicht mal für die Geschäfte ihrer Männer interessierten – oder sie gar verstanden, so war es immer leicht, diese Rolle zu spielen für sie. Der blonde Mann vor ihr schien es ihr ohne zu zögern zu glauben – Männer waren so einfach gestrickt – fragte stattdessen nach ihren Interessen, wobei Lis nicht absehen konnte, on diese Frage der Höflichkeit geschuldet war, tatsächlichem Interesse entsprach oder einfach ein Trick war um etwas zu bezwecken, von dem sie noch nicht wusste, was es war.
"Wohl wahr, ich interessiere mich eher für Schmuck und Geschmeide. Für die schönen Künste wie hochwertige Kleidung, gute Speisen wie diese Pralinen..." sie deutete auf ihren kleinen Teller "...Inneneinrichtung und Theater." Sprach sie höflich und naschte sogleich eine der Schokopralinen. Egal wie lange sie schon kein Mensch mehr war, auf Naschereien konnte die Vampirin nie verzichten…
"Welche Interessen verfolgt Ihr, nebst dem Journalismus?" stellte sie die Gegenfrage und jener erzählte sogleich von diesen, wobei das Reiten eine besondere Stellung einzunehmen schien. Gleichzeitig nutze der den Moment sofort um zu fragen, ob Lis ihrem Mann dann nicht unter die Arme griff, wenn sich ihre Interessen mit seinem Geschäft deckten? …Daher wehte also der Wind nach ihren Interessen.
"Nein, ich habe mit dem Geschäft meines Gatten nichts zutun. Er hat dafür seine Leute." Blockte Lis sofort ab. Dieser Mann war wirklich hartnäckig. Gewollt oder ungewollt. Aber das letzte was sie wollte, war ein skandalöser Artikel über ihr Geschäft in der Zeitung oder eine Flut an Interviewanfragen.
"Und ich bin erstaunt. Ich nahm nicht an, dass Ihr ein großer Freund des Reitens wärt. Ich selbst kann es nicht beurteilen, ich bin noch nie geritten." Lenkte die Vampirin das Gesprächsthema zurück auf ihn. Seine scheinbare Liebe zu Pferden und zum Reiten würde ihren Gesprächspartner vielleicht für eine Weile ablenken und darüber erzählen lassen. Männer hörten sich so gerne reden. …Leider funktionierte der Trick nur nicht sonderlich länger als für einen Satz, bevor er wieder beim Geschäft ihres Ehemannes war und seine Unverständlichkeit über ihr fehlendes zuhandgehen ansprach…
"Nun, wer weiß was seine Gründe sind. Eine arbeitende Frau der Oberschicht, würde wohl kaum ein gutes Licht auf ihn werfen." Zuckte sie mit den Schultern. Sie kannte eine Menge Frauen ihrer Gesellschaftlichen Klasse die sich dafür schämen würden. Geschweige denn überhaupt das Interesse hatten einen Finger zu krümmen.
"Sagt, seit wie vielen Jahren reitet Ihr bereits?“ versuchte Lis es erneut mit diesmal mehr Erfolg. So sprach er über seine lange Zeit im Sattel, die durchaus bemerkenswert war für einen Menschen.
"Nun, dann reitet Ihr bereits einige Jahrzehnte. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr dann gewiss Euer eigenes Pferd und Stallungen habt? Besonders wenn man bedenkt, wie gut Euer Geschäft floriert." Fragte sie interessiert. Immerhin wusste man nie wo man irgendwo einmal Geschäfte machen würde oder ob diese Info mal wichtig wäre …auch wenn die Chance doch recht gering war.
Aufmerksam hörte Lis zu, als er von seinem Pferd und den Stallungen sprach.
„Ich nehme an, mit Familienanwesen meint Ihr gewiss Euer Elternhaus. Ihr kommt wohl nicht aus London?“ fragte sie neugierig. Sein Londoner Akzent war perfekt. Nichts daran deutete darauf hin, dass dieser Mensch vor ihr aus einem anderen Teil Englands stammen könnte. Wenn die Vampirin stattdessen daran zurück dachte, wie lange es gedauert hatte, bis sie ihren Nordenglischen Akzent hatte verschwinden lassen können…



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#4 Am 16.11.2021 um 16.18 Uhr

Absynthgarde
MitsukiMizu
Recrute
MitsukiMizu
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Auf dem Fest | Alleine → Eireann


Heute war wieder einer dieser glücklichen Tage. Eines dieser Tage, denen man Lieder widmen oder Bücher drüber verfassen konnte. Eines dieser Tage, wo alles, wirklich alles nahezu perfekt ablief und zu jeglicher Zufriedenheit beisteuerte.
Glückselig sah ich auf mein Glas Rum hinab und seufzte einmal zufrieden auf.
Nicht nur, dass ich gerade frisch von einer Reise mit einem meiner Handelsschiffe zurückgekehrt war und -mit Verlaub- eine ganz schön große Summe an Geld mitgebracht hatte, nein, ich war auch noch zu einem wundervollen Fest mit viel Alkohol eingeladen worden, um alles noch einmal bestens abzurunden.
Nun ja.
Wenn ich ganz ehrlich war, hatte man mich ursprünglich gar nicht eingeladen. Zumindest nicht aus freien Stücken heraus. Was sollte ich sagen? Ich hatte mich quasi selbst eingeladen, als ich dem Gastgeber beim Anlegen am Hafen über den Weg gelaufen bin und der sich gerade mit einem der Gäste unterhielt. Dabei hatte ich es zunächst gar nicht darauf angelegt. Wirklich nicht. Aber wie das nun einmal so war, man kommt von einem Thema aufs andere, erinnert den einen oder anderen daran, dass man mir noch etwas schuldig war und prompt kommt einem die stetige Herzlichkeit nur zu Gute.
Ich musste schmunzeln, während ich dem Gesöff dabei zu sah, wie es im Glas hin und her schwappte, als ich dieses zu schwenken begann. Für einen guten Rum tat ich fast alles. Und auf solchen Feten gab es so viel Rum, wie ich nur trinken konnte.
Schließlich ließ ich meinen Blick schweifen.
Trotz dessen, dass die Feier eher kleiner ausgelegt worden war, schien trotzdem jeder anwesend zu sein, der in London Rang und Namen hatte. Selbst die Presse war zugegen!
Ich legte kurz den Kopf schief, wodurch ein Schwall meiner Locken sich über meine Schulter ergoss, als ich den Inhaber der Golden Times erblickte. James Henry Percy. Es war nicht so, dass ich mich besonders gut mit diesem Gesellen verstand -irgendwie schien er immer ein Stock im Arsch zu haben-, aber es war auch nicht so, dass wir uns nicht ausstehen konnten -ich verdankte ihm auch ein paar gute Worte in seiner Zeitung über meine Handelsschiffe. Neben ihm stand seine treue Assistentin Eireann Bolding. Eine sehr hübsche Frau, nur verlor sie leider jegliche Attraktivität, wenn man bedachte, wie alt sie wohl als Dämonin sein musste, barg es dennoch eine Gefahr von Verwesung und Verfall, nur eben auf eine ganz andere Art und Weise.
Ich nahm einen großen Schluck von meinem Rum, während ich die beiden nicht aus den Augen ließ. Als sie sich schließlich von Mr. Und Mrs Donnegal losreißen konnten, drückte ich mich ebenfalls von der Wand ab, an der ich mich die ganze Zeit galant gelehnt hatte, und bahnte mir einen Weg zu den beiden hinüber.
Ich war eine ganze Zeit lang nicht in London gewesen, sicherlich gab es ein bisschen Klatsch und Tratsch, der selbst mich interessieren konnte. Informationen waren ein kostbares Gut in dieser Zeit. Man tat gut daran, welche zu besitzen.
Als ich schließlich beinahe in Rufweite war, löste sich James von seiner Begleitung und verschwand nach draußen. Nun, wenn ich mich zwischen Pech und Schwefel als Gesprächspartner hätte entscheiden müssen, wäre meine Wahl vermutlich sowieso bei Eireann gelandet.
Immerhin. Hübsch anzusehen war sie ja trotz alle dem.
Ich setzte ein galantes Lächeln auf die Lippen, was kurz meinen Goldzahn in Erscheinung treten ließ und deutete eine Verbeugung an, als ich vor der Dämonin zum Stehen kam.
Als dann noch ein Diener mit einem Tablett an uns vorbei ging, fischte ich ihr ein Sektglas von diesem und reichte es ihr.
„Einen wunderschönen guten Abend, Miss Bolding. Ich hoffe, Sie konnten ihn bisher gut genießen.“ Mein Blick schweifte einmal kurz über ihren Körper, bevor ich diesen wieder fest in ihre Augen richtete. „Sie sehen fabelhaft aus, wenn ich das so sagen darf.“


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Auf dem Fest | Alleine | Auf der Suche nach seinem Vertragspartner


Es war mir ein Rätsel, wieso mich meine Geschäftspartner immer an den unmöglichsten Orten treffen wollten. Man könnte meinen, dass ein Gang in meine Bank durchaus angemessen und ausreichend sein sollte, zumal ich auch extra für die Nachtschwärmer unter meinen Kunden bis 0 Uhr Nachts geöffnet hielt.
Nein, immer luden sie mich zu ihnen nach Hause ein, auf irgendwelche Feten, einmal hatte mich sogar jemand in die Gästetoilette verschleppt, um dort einen Vertrag zu unterzeichnen. Allein bei dem Gedanken schauderte es mich immer noch. Seltsamer Weise passierte mir dies ausschließlich nur mit diesen Vampiren. Als würden sie sich für etwas besseres halten, was sie definitiv nicht waren.
Mein Blick glitt zunächst an meine rechte Seite, wo ich den Aktenkoffer abgestellt hatte, da er mir auf Dauer zu schwer geworden war, und ich auch nicht das Interesse hatte, diesen die ganze Zeit des Wartens über in der Hand zu behalten, als würde ich hier wie bestellt und nicht abgeholt stehen. In diesem, so wusste ich, befand sich mein Vertrag. Ich schloss nie irgendwelche Kredite ab ohne diesem. Egal, wie sehr die Vampire darauf bestanden, dass sie doch einen Vertrauensbonus verdient hätten, da man doch der gleichen Sache diene. Nein. Vertrauen mag zwar gut sein, Kontrolle war meines Erachtens jedoch weitaus besser.
Vor allem für mich. Denn auch in den Verträgen der Vampire hatte ich die eine oder andere Anekdote versehen, falls mein Gegenüber nicht in der Lage sein sollte, mir das Geld wie vereinbart zurückzuzahlen. Und ich konnte weiß Gott alles in diese Verträge schreiben, was ich wollte, da die Vampire tendenziell eher nicht gewillt waren, sich die Seiten zu Gemüte zu führen.
Zu meinem Bedauern kam es bis zum jetzigen Tage nicht dazu, dass diese Klausel griff.
Nun glitt mein Blick an meine linke Seite, wo mein treuer Höllenhund neben mir saß und aufmerksam die Feiergesellschaft beobachtete. Mein Höllenhund sah aus wie ein Dobermann und war dementsprechend beeindruckend für manche der Gäste, weswegen ich bisher meine Ruhe genießen und von niemanden unnötig belästigt worden bin.
Ein energisches Seufzen ging über meine Lippen, während ich mir zum gefühlt tausenden Mal alle Gesichter der Gäste einzeln ansah. Sollte mich mein Vertragspartner etwa versetzen? Würde er gar nicht auftauchen? War er womöglich gar nicht eingeladen?
Meine Laune sank mit jeder Sekunde, die ich weiter mit Warten verbringen musste. Eine Tätigkeit, die ich zutiefst verabscheute. Was ich noch mehr hasste als Warten, war Unzuverlässigkeit.
Und gerade traf mich beides gleichermaßen und raubte mir den letzten Nerv.
Mein Blick glitt zu der Uhr an einer der Wände und notierte mir innerlich, dass ich spätestens in 10 Minuten die Feier wieder verlassen würde. Mein Kunde konnte sich wünschen, sich besser nicht mehr mit mir in Verbindung zu setzen, wenn er in dieser Zeit nicht auftauchte.


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Auf dem Fest | Alleine → mit John und Penelope


Was tat man nicht als Venator. In meinem Leben hatte ich schon viele Dinge über mich ergehen lassen müssen, um an wichtige Informationen zu kommen oder um gar eine gute Jagd vollbringen zu können. Viele grausame Dinge, viele nervige Dinge.
Aber nichts toppte das hier. Ich war schon öfter mal als angeblicher Angestellter auf eine Feier gegangen und hatte den Gästen Getränke und Essen serviert. Aber diese Feier war so schlecht organisiert, dass es wirklich alles in den Schatten stellte, was ich zuvor erlebt hatte. Ich war doch kein Lakai! Ich war als Kellner hier und nicht als Packesel.
Ich schloss kurz die Augen, als ich an den restlichen Tag zurückdachte. Es war wirklich nichts fertig gewesen. Alles wurde auf unsere Schultern abgeladen, dass wir die Dinge an die richtigen Plätze räumten, das Essen kochten -und ich konnte nicht behaupten, dass ich da wirklich bewandert drin war- und sowieso alles erledigten, was der gute Veranstalter dieser Feier nicht anders in Auftrag hatte geben können… oder wollen, in diesem Punkt war ich mir noch nicht so sicher.
Allein der Gedanke daran, dass wir hier einem Nest voller Vampire begegnen konnten, hielt meine Laune und meine Kräfte aufrecht. Und wie es schien, sollten wir nicht enttäuscht werden.
Mein Blick glitt zu John und Penelope hinüber, als wir einen kurzen Moment für uns nutzen konnten, in dem gerade alle Gäste zufrieden und versorgt waren.
„Dieses Jucken macht mich noch verrückt!“
Ich verkniff mir ein Augenrollen, wandte meinen Blick lieber wieder auf die Menge und versuchte irgendwelche Auffälligkeiten zu bemerken. Irgendetwas musste die Vampire doch verraten. Immerhin sollten diese doch ziemlich Leichtfüßig sein. Leider war es mir noch nicht vergönnt gewesen, einen Vampir lange genug zu studieren, um Verhaltensmuster reproduzieren zu können, um Übereinstimmungen bei dieser Gesellschaft zu bemerken.
Aber ich stimmte Penelope innerlich zu. Es waren viele. Und sie waren im ganzen Raum verteilt.
„Das ist eine gute Idee“, sagte ich schließlich und stimmte ihrem Plan zu. „Wir haben mehrere Türen, die aus diesem Saal führen. Einer führt direkt zu den Gärten…“
Ich nickte zu den verglasten Flügeltüren hinüber, die sich uns gerade direkt gegenüber befanden. „Dann noch Eine, der für die Bediensteten gedacht ist. Ich denke, die können wir zunächst außer Acht lassen, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass einer der Gäste diese Tür durchqueren wird.“
Mein Blick auf die letzte Tür. „Und wir haben eine, die in das Foyer führt, wo die Gäste zu den Toiletten gelangen können.“
Ich sah wieder zu meinen Venatoren-Kollegen. „Zwei Türen, wir sind zu dritt. Wie möchtet ihr vorgehen? Ich würde mir gerne die Tür zu den Gärten vornehmen.“
Vielleicht hatte ich so die Chance ein wenig meine Fliege zu lockern. Ich hatte das Gefühl, dass derjenige, der sie mir gebunden hatte, mich am Liebsten erdrosselt hätte, als mich fein hinaus zu putzen. Mein Anzug war auch nicht der Beste, wies sogar an einigen Stellen flicken auf. Davon abgesehen war er mir eigentlich eine Nummer zu klein, weswegen er mir vor allem am Brustkorb und an den Armen unfassbar spannte. Ehrlich gesagt hatte ich Sorge, dass die Nahte diesen Druck nicht lange standhalten würden. Aber dieser Anzug war der Einzige, den ich mir als Ausleihe hatte leisten können.
„Wenn wir etwas auffälliges bemerken, sollten wir uns gegenseitig Bescheid geben, deswegen ist es sehr wichtig, dass wir uns genau sagen, wo wir uns aufhalten werden. Falls wir nichts weiter herausfinden können, sollten wir uns in ungefähr 2 Stunden wieder hier treffen.“ Ich nickte kurz zu der Uhr an der Wand hinüber, die gerade 22 Uhr schlug.
Erwartungsvoll sah ich danach erst zu John und Penelope, wie sie weiter vorgehen wollten.


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#5 Am 02.01.2022 um 02.57 Uhr

Absynthgarde
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Panthea
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„Guten Abend, Sir. Nun, ich hatte auch nicht damit gerechnet, hier draußen anderen Gästen zu begegnen“, erwiderte sie James‘ Begrüßung und erhob sich kurz, ehe sie dem Adligen einen Platz anbot.
„Elisabeth Smith, sehr erfreut. Mit wem habe ich das Vergnügen, wenn ich fragen darf?“ „James Percy, es ist mir ebenfalls eine Freude Sie kennenzulernen.“
Ihr Name war James vertraut.
Sie schien ihn ebenfalls zu kennen, denn Mrs. Smith sprach ihn sogleich auf seine Zeitung an. „Wenn ich mich recht entsinne, seid ihr der Besitzer der Times, nicht wahr?“ „Nicht ganz, Werteste. Mir gehört die Golden Times. Wenn auch nichts dagegen hätte, wenn ich die Einnahmen der Times hätte“, antwortete James lachend und die Adlige entschuldigte sich sogleich.

„Allerdings ist mir auch Ihr Name geläufig. Ihr Mann ist doch bekannt dafür, ein recht großer Gigant im Immobiliengeschäft zu sein, oder irre ich mich?“
„Ja genau, Sir Alastor“, antwortete sie reserviert und lächelte höflich.
Sie dachte wohl, dass der Adlige nun um ein Interview bitten würde, da er sich bislang jedem Reporter verweigert hatte.
Sicherlich würde der erste Artikel über ein Interview mit Sir Smith für horrendes Aufsehen sorgen und enorm die Verkäufe ankurbeln. Aber James war der Letzte, der andere zu etwas zwingen würde. Besonders wenn es um deren Privatsphäre ging. Er selbst schätzte seine Privatsphäre sehr, was nicht zuletzt auch daran lag, dass er als Vampir einiges zu verbergen hatte.
Weshalb also sollte er anderen die Rechte verweigern, die er selbst für sich beanspruchen wollte.

Darum versicherte der Adlige auch sogleich, dass sie sich deswegen keine Sorgen zu machen brauchte.
„Dennoch läuft das Geschäft in der Tat sehr gut. Sehr zum Missfallen meiner Konkurrenz. Ich lege eben noch Wert auf Qualität, Klatsch und Tratsch haben bei mir keinen besonders hohen Stellenwert.
Auch ihr Geschäft floriert recht gut, wenn ich recht informiert bin, nicht wahr Gnädigste?“
Die Bekanntheit ihres Mannes sprach da Bände und auch vom Hörensagen hatte er nur gutes über die Qualität seiner Immobilien gehört.

„Ja, die Sachlichkeit ihrer Artikel ist etwas, das stets sehr gelobt wird. Und soweit ich weiß, tut es das. Ich kenne mich mit dem Geschäft meines Mannes allerdings nicht sonderlich aus als Frau“, antwortete sie.
James nickte. Die wenigsten Frauen waren wie Eireann oder seine Mutter.
„Ihr habt sicherlich andere Interessen, nehme ich an.“
„Wohl wahr, ich interessiere mich eher für Schmuck und Geschmeide. Für die schönen Künste wie hochwertige Kleidung, gute Speisen wie diese Pralinen, Inneneinrichtung und Theater“, gab Lady Smith zur Antwort und erkundigte sich nach James Interessen.
Kleidung würde James nicht zwingend für Kunst halten.
Allerdings wunderte es James, dass Sir Alastor seine Frau nicht zurate zog, wenn sie ein Faible für Inneneinrichtung hatte.
Da bot es sich doch regelrecht an, wenn sie gemeinsam an eine seiner Immobilien arbeiten würden.

„Ihrer Liebe für gutes Essen kann ich hingegen nur beipflichten. Es bereitet mir ungemein Freude, neue Gerichte zu probieren. Das Einzige, das mir mehr Freude bereitet ist meine Liebe zu Pferden. Das Reiten ist eine unausgesprochen befreiende Tätigkeit, finden Sie nicht? Über weite Felder zu galoppieren - so muss es sich anfühlen, zu fliegen.“
„Nein, ich habe mit dem Geschäft meines Gatten nichts zu tun. Er hat dafür seine Leute.“
Erstaunt sah James die Frau an.
Er konnte sich ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie es war, wenn man regelrecht aneinander vorbeilebte.
Sein Vater hatte immer auf den guten Rat seiner Frau gehört und soweit James wusste, nie ein Geschäft abgeschlossen, ohne ihre Meinung dazu gehört zu haben. Allerdings musste James‘ Mutter auch ein rechtes Talent dafür besessen haben und sie beide waren glücklich miteinander verheiratet gewesen. Kaum eine Ehe wurde je aus eigenen Stücken geschlossen Mrs. Smith und ihr Mann hatten wahrscheinlich einfach nicht so viel Glück gehabt wie James Eltern.

„Und ich bin erstaunt“, sprach Mrs. Smith weiter. „Ich nahm nicht an, dass Ihr ein großer Freund des Reitens wärt. Ich selbst kann es nicht beurteilen, ich bin noch nie geritten.“
„Dann ist Ihnen etwas entgangen, Lady Smith. Ich kann Ihnen nur empfehlen, es einmal zu versuchen.“
Dass sie noch nie geritten war, verblüffte James. Allerdings war er immer noch mehr verwundert, dass Sir Alastor nicht die Interessen seiner Frau mit in sein Geschäft einband, selbst wenn die Beiden sich nicht liebten.

Dass er diesen Gedanken laut ausgesprochen hatte, bemerkte er jedoch erst, als seine Gesprächspartnerin darauf einging und gestand, dass sie nicht wusste, was seine Gründe waren und mutmaßte, dass er um seinen Ruf besorgt war, wenn seine Gattin arbeitete.
„Ein Gedankengang, den ich nicht nachvollziehen kann.“
Er wusste genau, dass Frauen einiges besser hinbekamen als Männer.
Allerdings hatte er ja versprochen, ihre Privatsphäre zu respektieren und er hatte das Gefühl, dass er sich etwas zu weit gewagt hatte.

„Ich reite seit ich zwei Jahre alt bin“, entgegnete er darum auf ihre Frage und ließ das Thema Ehe lieber fallen.
„Nun, dann reitet Ihr bereits einige Jahrzehnte.“.
Deutlich mehr als ihr ahnt, dachte James und grinste innerlich.
„Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr dann gewiss Euer eigenes Pferd und Stallungen habt? Besonders wenn man bedenkt, wie gut Euer Geschäft floriert.“
„Einen schwarzen Traber. Ein wunderschöner Rappe, den ich habe, seit er ein Füllen war. Auf meinem Familienanwesen habe ich in der Tat eine Stallung, aber hier in der Stadt beziehungsweise in der Nähe habe ich keine größeren Anlagen.“
Neugierig hakte die Adlige nach, ob er mit er mit seinem Familienanwesen sein Elternhaus meinte und ob dies nicht in London lag.

„In der Tat stamme ich aus Alnwick. Die Percys haben schon seit vielen Generationen ihren Sitz auf Alnwick Castle. Mein Großvater hat allerdings vor einigen Jahren die Golden Times hier in London gegründet. Ich wollte in seine Fußstapfen treten und bin daher nach London gekommen. Ich fand es schade, dass die Zeitung der Familie nicht von einem Percy geleitet wird.“
„Euer Vater schien demnach kein Interesse am Geschäft Eures Großvaters zu haben?“, erkundigte sich Mrs. Smith interessiert.
„Er…“, begann James und stockte. Sein Vater  hatte nicht wirklich die Option besessen, seine Zeit in der Stadt zu verbringen.
„Mein Vater lebt eher zurückgezogen“, log James und erklärte, dass sein Vater einem Leben in der Großstadt einfach nichts abgewinnen konnte.
„Nun die Gewohnheiten alter Menschen kann man nicht mehr ändern. Eurer Ehefrau oder Verlobten graut es wohl auch vor dem Leben Londons?“, fragte die Adlige neugierig.
„Da ich völlig ungebunden bin, habe ich keinerlei Verpflichtung jemandem gegenüber“, gestand James. Nicht, dass es wirklich seine Entscheidung wäre.
Als Vampir würde er nur mehr als schwierig eine Frau finden, die ihr Leben mit ihm teilen wollen würde. Und selbst wenn, würde er es kaum ertragen, zusehen zu müssen, wie sie alt wurde und starb, während er sich nicht veränderte. Wie sollte er wieder und wieder miterleben, wie jemand, den er liebte vor seinen Augen starb. Der Schmerz von damals saß immer noch tief in ihm und bis heute hatte er ihn nicht überwinden können.
Er wollte und konnte das nicht erneut erleben.

„Allerdings kümmere ich mich um meine Cousine, die mir auch bei der Zeitung zur Hand geht“, führte James fort und musste innerlich über diese Lüge fast grinsen. Seine vermeintliche Cousine kümmerte sich eigentlich mehr um ihn als andersherum.
„Ich verstehe. Nun, zumindest habt Ihr auf diese Weise einen Teil Eurer Familie hier“, sagte Mrs. Smith verständnisvoll nickend.
Damit hatte sie allerdings Recht. Eireann war in all den Jahren wirklich zu seiner Familie geworden. Die einzige Familie, die ihm geblieben war.
„Das ist wahr, ich möchte sie nicht missen müssen.“

„Wenn Ihr diese unverblümte Frage gestattet: wie kommt es, dass Ihr bisher ungebunden geblieben seid? London ist groß, es gibt viele, edle Damen und an finanziellen Mitteln und Erfolg scheint es Euch nicht zu mangeln.“
Einen Mangel hatte James nun wirklich nicht in derlei Hinsicht. Doch diese Art, sein Leben an ein anderes zu knüpfen hatte ihm noch nie sonderlich gefallen. Seine Eltern hatten ihm früh beigebracht, dass es im Leben mehr gab als Macht und Geld.
„Das mag stimmen. Allerdings liegt es mir nicht besonders, mich um der Prestige, der Macht oder des Geldes wegen an jemanden zu binden. Die Frau, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen möchte, soll keine Trophäe in meinem Schrank ein. Und bislang habe ich noch niemanden getroffen mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollen würde.“
Zumindest war das seine Einstellung vor etwa 150 Jahren gewesen.
„Ihr werdet sicher irgendwann die Richtige finden“, meinte James Gegenüber.
„Wer weiß“, entgegnete er trocken und sah wehmütig zum Boden.
Selbst wenn dem so wäre, würde er einen großen Bogen um sie machen müssen.

„Nun, wenn nicht in London, dann vielleicht in Eurer Heimat.“
„Alnwick ist nicht sonderlich groß, ich bezweifle, dass dort jemand lebt, den ich noch nicht kenne“, entgegnete James lachend.
Genauso wie er deren Großeltern schon gekannt hatte.
„Seid ihr eigentlich gebürtige Londonerin?“, versuchte James das Gespräch von seinem mehr als unglücklich laufendem Liebesleben abzulenken.
„Wenn es mir erlaubt ist zu fragen.“
Mrs. Smith verneinte. „Ich stamme aus dem Norden Englands, nahe der schottischen Grenze.“
Überrascht zog James die Augenbrauen hoch.
„Wirklich? Aus welcher Gegend?“, fragte er neugierig und hoffte, dass sie nicht aus der Nähe von Alnwick stammte und seine Familie kannte.
„Aus der Grafschaft Cumbria. Carlisle ist aber keine sonderlich große Stadt, verglichen zu London. Ich nehme an, sie wird Euch nichts sagen.“
Dunkel meinte er sich an einen Mann zu erinnern, der seinen Vater öfters besucht hatte als James noch klein war.
„Ich glaube, ein Freund meines Vaters stammte aus Carlisle, wenn ich es recht bedenke. Es liegt irgendwo an der Ostküste, wenn ich mich nicht irre, nicht wahr?“
„Ja, es befindet sich im Westen, aber die Küste ist ein ganzes Stück entfernt“, antwortete die Adlige.

James war erleichtert, dass sie noch ein gutes Stück von seinem Familiensitz entfernt war. Sicherlich brauchte es ein, zwei Tagesritte bis zu ihrem Heimatort. Genug Abstand, dass sie wirklich nichts über die Percys wusste.
„Gewiss ist die Landschaft dort so schön wie in Alnwick. Ich muss gestehen, dass ich die Wiesen und Berge des Nordens am meisten vermisse, wenn ich in der Stadt bin.“
„Soweit mir die Geografie vertraut ist, sollte es kaum einen Unterschied geben“, stimmte sie James zu und führte fort, dass die Landschaft durchaus ihren Reiz bot, ebenso aber auch das Leben in der Stadt.

„Wenn es Zerstreuungen betrifft, auf jeden Fall“, grinste James.
„Würdet ihr jederzeit die Gesellschaft Londons der Natur des Nordens vorziehen? Oder vermisst ihr manchmal eure Heimat?“
„Das würde ich“, gestand die Adlige und meinte, dass sie das Leben in London genoss. Ihre Heimat mochte ihren Charme haben, es wäre aber sehr kleingeistig.
„Von Zeit zu Zeit plagt mich durchaus das Heimweh, doch ich bin bereits lange genug in London, um diese Stadt als mein Zuhause zu betrachten. Wie steht es um Euch?“
„Ich muss gestehen, so sehr ich auch die Annehmlichkeiten der Stadt genieße, so oft zieht es mich zurück in meine Heimat.“
Nicht zuletzt, weil es auffallen würde, wenn er niemals alterte.

„Dann reist Ihr oft in Eure Heimatstadt? Und dennoch gab es keine Frau, weder hier noch dort, die Euch interessiert?“
Die Adlige wollte ihm eindeutig näher auf den Zahn fühlen. Vermutlich die Retourkutsche dafür, dass er vorhin sich nicht hatte zurückhalten können und sie über ihre Beziehung zu ihrem Mann gefragt hatte.
„Öfters in der Tat. Ich brauche einfach ab und an die frische Luft der Berge“, entgegnete James lachend.
„Ich würde nicht sagen, dass ich nie einer Frau begegnet wäre, die mich interessieren würde. Aber ich hatte noch nie ernsthafte Gefühle für jemanden“, antwortete er ehrlich und hoffte, dass Mrs. Smith es nun dabei belassen würde.
Doch sie hatte offensichtlich anderes im Sinn.

„Nun, wenn Ihr gerne den Reitsport pflegt, ist es wohl nicht überraschend, dass es Euch in die Natur zieht.“ Leider beließ sie es nicht bei dieser Entgegnung, sondern versicherte ihm erneut, dass er gewiss jemanden finden würde, da es in London mehr als genug, geeignete Kandidatinnen gab und James auch sicherlich an genug Veranstaltungen teilnahm, um ebensolche kennenzulernen.
„Das stimmt wohl. Allerdings bieten solche Orte selten die Gelegenheit, sich wirklich näher kennenzulernen, meint ihr nicht? In der Regel führt man hier eher oberflächliche Gespräche über Wetter und derlei Dinge.“
Selten ergab sich die Möglichkeit, seinem Gegenüber zu gestehen, dass er ein Vampir war. James bezweifelte stark, dass diese Information sonderlich gut ankommen würde.

„Nun, welche Gesprächsthemen Ihr anschneidet, liegt ganz bei Euch. Es gibt durchaus mehr als das Wetter Londons. Beispielsweise Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Tanz. Ihr müsst diese Themen nur anschneiden. Bisher ging es in diesem Gespräch, das wir führen, schließlich auch nicht um das Wetter“, entgegnete sie lächelnd.
Dennoch stimmte sie zu, dass aus solchen Veranstaltungen keine starke Bindungen entstanden, aber immerhin ein erster Eindruck vermittelt werden konnte, der im Nachhinein zu mehr führen konnte. Und dass man bei Gesprächen in den Salons Londons in einem ungezwungenerem Rahmen sich besser unterhalten konnte.
„Die wenigsten Damen, bei denen es mir vergönnt war, die Bekanntschaft mit ihnen zu machen, hatten sonderlich Interesse daran, ernsthaftere Gespräche zu führen. Wenn ich ehrlich sein muss, habe ich seit langem kein Gespräch mehr wie dieses geführt, wenn es nicht meine Cousine war.“
James gab zu, dass es stimmen mochte, dass man einen ersten Eindruck gewinnen konnte, aber bisher hatte sich daraus eben nie mehr ergeben.

„Verstehen Sie mich nicht falsch, aber auch wenn ich gerne eine Partnerin hätte, bin ich nicht gewillt nach ihr zu jagen als wäre sie ein Reh im Wald. Aus Respekt zu ihr nicht, aber auch nicht zuletzt, weil es sämtliche Bekanntschaften, die ich bislang machen durfte, zu zwecksdienlichen Werkzeugen machen würde und das fände ich äußerst bedauerlich. Ich würde Sie ungern als eine von vielen Möglichkeiten betrachten, mit denen sich leider nichts ergeben hat, sondern eher als eine junge Dame, mit der ich das Vergnügen hatte, ein anregendes Gespräch zu führen."
„Wenn Ihr mir einen Rat gestattet: ich maße mir nicht an, mich in Eure zwischenmenschlichen Beziehungen einzumischen, aber ohne nach einer Dame Ausschau zu halten und die Initiative zu ergreifen, fürchte ich, wird sich an Eurem gegenwertigen Zustand nichts ändern.“
Wenn es wirklich zwischenmenschliche Beziehungen wären, hätte James deutlich weniger Probleme, dessen war er sich sicher.
Doch das konnte er nur schlecht entgegnen.

„Ich bezweifle, dass Euch Gott plötzlich Eure zukünftige Ehefrau in Euer Büro laufen lässt, zumal ein Mann der keinerlei Bemühungen zeigt, in den Augen einer Frau stets sehr desinteressiert wirkt“, sagte sie ernsthaft.
James konnte sich denken, dass sein fehlendes Engagement in dieser Beziehung, in der Gesellschaft nicht sonderlich gut ankam.
Und angesichts dieses Gespräches wäre es wohl besser gewesen, James und Eireann hätten sich erneut als Ehepaar ausgegeben anstelle von Cousin und Cousine.
Sobald sie wieder in ihrem Anwesen wären, würde er mit ihr darüber sprechen.

„Eure Einstellung scheint sehr negativ zu sein. Vielleicht solltet Ihr diese Dinge nicht als zweckdienliche Werkzeuge, sondern glückliche Begebenheiten betrachten, wenn sich durch Eure Anwesenheit auf Festen neue Kontakte knüpfen und Tore öffnen. Sonst müsstet Ihr folglich auch jede Begegnung mit einem zukünftigen Freund nur als zweckdienliches Werkzeug betrachten. Ein sehr einsames Leben, findet Ihr nicht?“
Letzterem konnte er nur zustimmen.
Und was seine negative Einstellung betraf konnte er ebenfalls nur schlecht etwas einwenden. Als Vampir fiel es ihm aber äußerst schwer, positiv zu bleiben.
„Vielleicht ist es negativ. Vielleicht bin ich auch einfach zu idealistisch“, versuchte er sich an einer Antwort. „Und natürlich bin ich über die meisten Bekanntschaften glücklich, die ich hier in London machen durfte.“ Wenn es nicht gerade jemand wie die Donnegals war.
„Nichtsdestotrotz kämen sie mir wie Werkzeuge vor, wenn ich sie einzig und allein getroffen hätte, um meinem Ziel einen Schritt näher zu kommen.
Und mag sein, dass es mich auf eine Art einsam macht, dass ich mein Leben nicht auf diese Weise mit jemandem teilen kann. Doch ich habe Freunde, die mein Leben deutlich weniger einsam machen.“

Kurz war James versucht, sie zu fragen, wie es um sie bestellt war. Wenn sie derart entfremdet mit ihrem Mann war, musste auch sie sich einsam fühlen.
Eine Einsamkeit, die sie vielleicht genauso wie ihn hierher in den Garten geführt hatte.
Doch er hatte das Gefühl, dass es ihr ebenso unangenehm sein würde, wie ihm, darüber zu sprechen. Und so wollte er es lieber dabei belassen.
„Aber da die adligen Bindungen scheinbar sehr Euer Interesse wecken, dürfte es euch ebenfalls interessieren, dass Sir Leopold Ascot morgen seine Verlobung mit Elisabeth Beaufort bekanntgibt.“


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#6 Am 03.01.2022 um 14.50 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
...
Nachrichten: 608

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Auf dem Fest, im Garten.

Ihr Gegenüber bestätigte, dass er nicht aus London kam. Tatsächlich lag der Sitz seiner Familie recht weit weg. Wenn sich die Vampirin recht entsann, befand sich Alnwick in der Nähe von NewCastle. Ebenfalls im Norden englands. Lis hatte nur einmal für kurze Zeit in NewCastle gelebt, als sie ihren zweiten ehemann geheiratet hatte. Also etwa 6 Monate. Das ganze war bereits so viele Jahrzehnte her, dass sie sich kaum noch an die Stadt erinnerte…
Ihr Gegenüber riss sie aus ihren Überlegungen, als er erwähnte, was ihn nach London verschlagen hatte.
"Euer Vater schien demnach kein Interesse am Geschäft Eures Großvaters zu haben?" fragte sie interessiert. Es war nicht gerade üblich, dass bei der Geschäftsübernahme eine Generation übersprungen wurde… Aber wie es schien, mochte jener das Leben im Norden lieber, als das in London.
"Nun, die Gewohnheiten alter Menschen kann man nicht mehr ändern." Sprach sie schlicht. Menschen waren unglaublich sturköpfig. Und waren sie erst einmal in einer Gewohnheit festgefahren, war es im Grunde unmöglich sie wieder abzulegen…
"Eurer Ehefrau oder Verlobten graut es wohl auch vor dem Leben Londons?" fragte sie neugierig. Immerhin konnte sie sich nicht vorstellen, dass ein Mann mit seinen finanziellen Mitteln unverheiratet war. Es gäbe sicher allein in London viele menschliche Frauen, die ihn sofort nehmen würden.
"Da ich völlig ungebunden bin, habe ich keinerlei Verpflichtung jemanden gegenüber. Allerdings kümmere ich mich um meine Cousine, die mir auch bei der Zeitung zur Hand geht." Widerlegte er jedoch und die Vampirin sah ihn einen Moment erstaunt an, bevor sie an ihrem Sekt nippte.
"Ich verstehe. Nun, zumindest habt Ihr auf diese Weise einen Teil Eurer Familie hier." Nickte Lis. Sie selbst hatte ihre Familie sehr vermisst zu Beginn ihres Vampirwesens. Allerdings stellte sich ihr eine Frage:
"Wenn Ihr diese unverblümte Frage gestattet: wie kommt es, dass Ihr bisher ungebunden geblieben seid? London ist groß, es gibt viele edle Damen und an finanziellen Mitteln und Erfolg scheint es  mangelt Euch nicht zu mangeln." Ruhig sah sie ihr Gegenüber an.
Scheinbar schien jener jedoch sehr wählerisch zu sein, wenn sie seinen Ausführungen zuhörte… Ein häufigeres Problem, bei Männern, die sich viel auf sich einbilden…
"Ihr werdet sicher irgendwann die richtige finden" sprach sie deswegen nur schlicht, ihr Gesprächspartner schien jedoch weniger optimistisch.
"Nun, wenn nicht in London, dann vielleicht in Eurer Heimat." Versuchte sie es auf diesem Weg, was er jedoch ebenfalls bezweifelte, bevor er sich nach ihrer Herkunft erkundigte.
"Nein, ich stamme aus dem Norden Englands, nahe der schottischen Grenze." Gab sie zu. Sie war bereits zu lange in London und hatte zu oft ihren Nachnamen gewechselt, als dass er sie so hätte finden können.
"Wirklich? Aus welcher Gegend?", fragte er neugierig. Die Vampirin zögerte einen Moment, bevor sie antwortete.
"Aus der Grafschaft Cumbria. Carlisle ist aber keine sonderlich große Stadt, verglichen zu London. Ich nehme an, sie wird Euch nichts sagen" antwortete sie freundlich und wurde innerlich leicht panisch, als er meinte, dass ein Freund seines Vaters aus ihrer Stadt stammte, bevor er begann über die Schönheit des Nordens zu schwärmen.
"Und stimmt, die Landschaft des Nordens bietet ihren Reiz, aber auch das Leben in London hat viele Reize." Stimmte sie zu. Bevor jener sie nach ihrer Präferenz fragte, ob sie London vorziehen würde.
"Das würde ich. Ich genieße das pulsierende Leben Londons. Carlisle hat seinen Scharm, doch es ist doch sehr kleingeistlich" Sprach Sie ehrlich. Das hate sie schon damals gemerkt, als sie noch als Mensch dort gelebt hatte und auch jedes Weihnachten, wenn sie ihre jüngere Schwester und ihren Schwager in Carlisle besucht hatte, bis zu ihrem Tod. War man anders, gehörte man nicht dazu. Bunte Vögel waren nur in London willkommen.
"Von Zeit zu Zeit plagt mich durchaus das Heimweh, doch ich bin bereits lange genug in London, um diese Stadt als mein Zuhause zu betrachten." Sprach sie ehrlich. Immerhin lebte sie seit 30 Jahren in dieser Stadt.
"Wie steht es um Euch?" stellte sie ihm die selbe Frage und anders als sie selbst mochte er das Leben in Norden wohl ein Stückweit mehr.
"Dann reist Ihr oft in Eure Heimatstadt? Und dennoch gab es keine Frau weder hier noch dort, die Euch interessiert?" fragte sie. Wenn er sie zuvor, über ihren Ehemann ausgefragt hatte, konnte die Vampirin den Spieß durchaus ein wenig rumdrehen.
Scheinbar gab es aber tatsächlich keine Dame, die den Ansprüchen des Zeitungsbesitzers vor ihr gerecht wurde.
"Nun, sicher werdet Ihr irgendwann jemanden finden. London verfügt über viele edle Damen und ich nehme an, dass Ihr oft Veranstaltungen wie diesen bewohnt?“ Allein des Klatsch und Trasches wegen oder anderer interessanter Infos für die Golden Times, sollte er doch sicher öfters auf Veranstaltungen sein.
"Das stimmt wohl. Allerdings bieten solche Orte selten die Gelegenheit, sich wirklich näher kennenzulernen, meint ihr nicht? In der Regel führt man hier eher oberflächliche Gespräche über Wetter und derlei Dinge." Sprach er schlicht.
"Nun, welche Gesprächsthemen Ihr anschneidet, liegt ganz bei Euch. Es gibt durchaus mehr als das Wetter Londons. Beispielsweise Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Tanz. Ihr müsst diese Themen nur anschneiden. Bisher ging es in diesem Gespräch, das wir führen, schließlich auch nicht um das Wetter." Lächelte sie. Er musste nur die Initiative ergreifen.
„Wenn Ihr mich bitte für einen Moment entschuldigen würdet. Ich würde mir gerne noch etwas zutrinken holen.“ Damit stand die Vampirin höflich auf, bevor sie wieder kurz nach drinnen ging und das Licht ihre Augen leicht schmerzen ließ. Scheinbar war die Vampirin noch nicht lange genug draußen gewesen. Sie nah sich ein Sektglas und ein paar Pralinen und wollte bereits wieder nach draußen gehen, als sie Keiko erblickte. Den Schützling von Eric. In der Regel sah sie das Mädchen nicht auf solchen Veranstaltungen. Lächelnd lief sie zu ihr hin. Alleine weil sie ihren Ziehvater kannte und das Mädchen, seid sie klein war.
„Keiko, wie schön dich hier zu sehen, was führt dich hier her?“ fragte sie freundlich. Sie hatte keine tiefe Bindung zu der Asiatin. Sie hatte ihr öfters mal ein paar Süßigkeiten mitgebracht als Kind, wenn sie ihren Vater für ein paar Stunden besuchte, oder ihr ein Spielzeug zu ihrem Geburtstag geschenkt, aber außer das, und dass jene wusste, was sie war, hatte sie keine tiefere Bindung zu ihr.
Das Mädchen sprach, dass sie nur ihren Vater entschuldigen wollte beim Gastgeber und gleich wieder gehen, als Lis ihr eine Hand auf die Schulter legte.
„Bleib ruhig hier. Du solltest auch Zeit mit anderen Menschen in solchen Kreisen verbringen und dich etwas amüsieren.“ Lächelte sie.
„Sag einfach, du bist stellvertretend für deinen Vater hier, aus Höflichkeit dem Gastgeber gegenüber, dann wird schon keiner etwas sagen. Und sollte es doch Probleme geben, dann komm einfach zu mir und ich lege ein gutes Wort für dich ein, Keiko.“ Zwinkerte die Vampirin, bevor sie der jungen Frau ihr Glas in die Hand drückte und sich wieder in den Garten begab. An der Tür nahm sie ein Glas von einem der Bediensteten, der dort stand und einen ziemlich schlechten Anzug trug, bevor wieder nach draußen ging um ihr Gespräch fortzusetzen.
„Verzeiht bitte, es hat etwas länger gedauert.“ Entschuldigte sie sich und setzte sich wieder hin.
"Ich stimme zu, dass Veranstaltungen wie diese keine innigen Bindungen entstehen lassen, aber sind sinnvoll für einen ersten Eindruck, um später zu Nachmittagsgesprächen in den Salons Londons eingeladen zu werden. Und von diesen gibt es schließlich nicht gerade wenige." Lächelte die Vampirin. Sie schob beispielhaft eine Praline auf die andere Seite ihres Tellers.
"Dort in ungezwungenerem Rahmen lernt man wieder neue Damen kennen und kann sich unterhalten." Sie schob eine weitere auf die Seite.
Bisher schien jedoch kein Gespräch ihn überzeugt zu haben, zumindest empfand er dieses als eines der angenehmsten seit langer Zeit.
"Wenn Ihr mir einen Rat gestattet: ich maße mir nicht an, mich in Eure zwischenmenschlichen Beziehungen einzumischen, aber ohne nach einer Dame ausschau zu halten und Initiative zu ergreifen, fürchte ich, wird sich an Eurem gegenwertigen Zustand nichts ändern. Ich bezweifle, dass Euch Gott plötzlich Eure zukünftige Ehefrau in Euer Büro laufen lässt ...zumal ein Mann der keinerlei Bemühungen zeigt, in den Augen einer Frau stets sehr desinteressiert wirkt." Sprach sie ehrlich aber sehr höflich. Immerhin würde keine perfekte Frau plötzlich vor ihm aus dem Himmel fallen.
"Eure Einstellung scheint sehr negativ zu sein. Vielleicht solltet Ihr diese Dinge nicht als zweckdienliche Werkzeuge sondern Glückliche Begebenheiten betrachten, wenn sich durch Eure Anwesenheit auf Festen neue Kontakte knüpfen und Tore öffnen." Lächelte sie. Sie betrachtete zumindest die meisten Begegnungen als solche glücklichen Momente, wenn auch meist eher geschäftlich.
"Sonst müsstet Ihr folglich auch jede Begegnung mit einem zukünftigen Freund nur als zweckdienliches Werkzeug betrachten. Ein sehr einsames Leben, findet Ihr nicht?" fragte sie lächelnd.
Ihr Gegenüber versuchte das Gespräch dann auch schnell in eine andere Richtung zu lenken.
„Aber da die adligen Bindungen scheinbar sehr Euer Interesse wecken, dürfte es euch ebenfalls interessieren, dass Sir Leopold Ascot morgen seine Verlobung mit Elisabeth Beaufort bekanntgibt.“ Sprach er freundlich.
„Ja, ich habe davon gehört und wünsche den beiden alles Gute. Allerdings werde ich morgen Nachmittag nicht daran teilnehmen können.“ Stimmte sie zu.
„Sicher werdet ihr dort sein als Besitzer der Golden Times?“



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Im Ballsaal mit Aldarik und Penelope.

Adalrik und Penelope schien es nicht anders zu gehen als ihm. Auch die zwei konnten keine Vampire ausfindig machen. Penelope meinte sogar, dass man sie wohl kaum ausfindig machen konnte, wenn sie nicht alleine waren oder in einer kleineren Gruppe. Ganz toll! Warum sich die Mühe dieses Kellnerjobs machen, wenn nichts dabei raus kam? Seufzte er innlich.
adalrik schlug vor, dass sie sich am besten aufteilen sollten auf die Türen und nahm sich bereits die Gartentür vor.
„Dann bleib ich bei Penelope und kümmere mich mit um die große Ballsaaltür.“ Der Venator würde die Tür zum Garten auch alleine schaffen.
In zwei Stunden würden sie sich wieder treffen. John positionierte sich an seiner Seite der Tür mit einem Tablett Sekt während er die Gäste beobachtete.
„Sag mal, Penelope… warum arbeitest du eigentlich nur Teilzeit? Die Bezahlung deiner Arbeit kann es ja schlecht sein…“ fragte er sie. Innerlich bewunderte er sie dafür, dass ihr Körper diesen Ständigen Wechselrhytmus mitmachte.
Er nickte einmal freundlich und reichte einem Gast ein Glas. Schade, kein Vampir…
Es war furchtbar, wenn man sie spürte, aber nicht orten konnte!
Nach einer Weile tauchte allerdings ein ihm sehr bekanntes Gesicht auf: Der Dämonische Bänker, mit dem er ein Abkommen hatte… Das ganze war er zufällig entstanden, aber bisher profitierten beide davon. Seine Arbeitskollegen wussten, zwar, dass er einen Informanten hatte, aber nicht mehr. Nur sein Vater und sein Chef wussten es, sollte er plötzlich eines Tages im Dienst versterben.
Der Dämon warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu, bevor er scheinbar auf jemanden wartete. Sein Hund neben ihm.
„Verzeihen Sie, Sir …aber Hunde sind auf dieser Veranstaltung nicht gestattet.“ Sprach er den Dämon an.
Am Ende verfiel er in eine halbe Diskussion über diesen Hund …warum waren Hundebesitzer immer so vernarrt in ihre Vierbeiner?
Bevor eine junge Asiatin den Raum betrat und sich dem Dämon zuwandte. Scheinbar, verstimmte das, was das Mädchen ihm sagte, den Dämon deutlich.
Johns Interesse blieb aber eher bei der jungen Frau. Es war äußerst selten, dass man so exotische Menschen sah, aber ihr englisch war perfekt. Vermutlich stammte sie aus einer der Kolonien.
Sein Blick glitt wieder zurück in den Raum, sich weiteren Gästen zuwenden, während die Frau an ihnen vorbei lief. Auch kein Vampir…
Fragend sah er zu Penelope, ob jene schon was entdeckte hatte. Seine Ausbeute war bisher ziemlich mau…



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#7 Am 12.01.2022 um 23.09 Uhr

Absynthgarde
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im Ballsaal mit Henry

Die Donnegals waren natürlich wie immer unermüdlich, wenn es darum ging, einem den letzten Nerv zu rauben.
Und mit ihrer herablassenden Art hatten sie schnell den Punkt erreicht, der Eireanns Höflichkeit überschritt.
Darum hatte sie keinerlei Problem damit, eine einfache Ausrede zu benutzen, um James und sich aus dieser Situation herauszubugsieren.
„Ich glaube, er würde noch Jahre weiterreden“, seufzte Eireann genervt, als sie außerhalb der Hör- und Sichtweite der Donnegals waren.
„Und wenn er mal eine Pause braucht, übernimmt seine Frau ein paar Monate“, stimmte James lachend zu.
Wenigstens konnte er noch lachen.
„Möchtest du vielleicht eine Runde tanzen?“, schlug sie vor, doch James wehrte sogleich ab und meinte, dass es durch ihre vorgebliche Vetternschaft etwas ungewöhnlich wäre.
Leider hatte er da nicht ganz unrecht. Das nächste Mal sollten sie sich besser eine andere Tarnung ausdenken.

„Du verdirbst einem aber auch wirklich jede Freude, James“, sagte Eireann und schob schmollend die Unterlippe vor. Grinsend meinte der Vampir, dass sie sich gerne einen Tanzpartner suchen könnte, während er sich erst einmal von dem Gespräch erholen würde.
„Dann erhol dich mal gut“, meinte die Dämonin zwinkernd und sah zu, wie ihr Freund nach draußen verschwand.

Sonderlich lange blieb sie jedoch nicht allein, denn kurz nach James‘ verschwinden, gesellte sich der Vampir Henry Morris zu ihr und wünschte ihr einen schönen Abend.
„Ich hoffe, Sie konnten ihn bisher gut genießen.“
Bislang war sie nicht wirklich dazu gekommen. Und die Alkoholfahne, die der Händler verströmte, sollte es nicht sonderlich besser werden, wie es aussah.
Seine Augen glitten über ihren Körper und sie war dankbar über jede Lage Stoff, die sie von seinem Blick trennte. Dennoch setzte sie ein höfliches Lächeln auf
„Sie sehen fabelhaft aus, wenn ich das so sagen darf.“
„Vielen Dank für das Kompliment, Mr. Morris. Ich hatte nicht erwartet, Sie heute hier anzutreffen. Ich nahm an, sie seien noch unterwegs mit ihrem Handelsschiff.“ „Die Winde waren mir wohl hold, Verehrteste“, antwortete er  breit lächelnd. „und haben meine Schiffe und mich schnell in den sicheren Hafen von London getragen. Und mit mir auch ein paar interessante Geschichten, oh ja.“

Wenngleich ihr der Mann nicht sonderlich sympathisch war, so musste Eireann zugeben, dass er von seinen Reisen allerhand zu berichten hatte.
Das war wiederum ein Gewinn für die Golden Times. Und für ihn gleich noch ein perfektes Aushängeschild, um Werbung für sein Geschäft zu machen.
„Nun, ich bin gespannt sie zu hören“, entgegnete Eireann, doch der Vampir schnalzte nur mit der Zunge und schüttelte den Kopf.
„Nun, nicht hier, Liebes. Zu viele Ohren, für die diese Geschichten nicht bestimmt sind. Und wir wollen doch, dass sie bei euch in der Zeitung landen, aye? Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn Sie sich mit mir zurückziehen möchten, versteht sich“, meinte Mr. Morris zwinkernd und grinste sie an.

Eireann lächelte zurück, auch wenn sie am liebsten auf dem Absatz kehrtmachen würde. Wenn er sich jedoch mehr erhoffte als ein geschäftliches Gespräch, dann würde er sich allerdings auf etwas gefasst machen können.
„Selbstverständlich ist hier wohl kaum der geeignete Ort, für ein derartiges Gespräch. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass der Herr des Hauses ein guter Freund von Lord Percy ist. Wenn Sie mir folgen wollen, dann zeige ich Ihnen einen Raum, in dem wir ungestört reden können.“
Ohne auf seine Reaktion zu warten, steuerte Eireann auf eine der Treppen zu, die nach oben führte.

Bei einigen Gesellschaften hatte James stets ein Zimmer zur Verfügung gestellt bekommen, damit er oder Eireann bei einer interessanten Story direkt ein persönliches Gespräch führen konnten. Heute Abend war es nicht anders.
Im ersten Stockwerk war der Gastgeber so freundlich gewesen, eines der Kaminzimmer vorzubereiten, in welches Eireann nun den vampirischen Händler führte.
Nachdem der Vampir das Zimmer betreten hatte, schloss Eireann hinter ihm die Tür und bat ihn Platz zu nehmen.
Bevor er jedoch auf falsche Gedanken kommen konnte, setzte sich die Dämonin auf den einzigen Sessel im Raum und überließ dem Vampir das Sofa gegenüber, der sich bei ihr erkundigte, ob sie auch genügend Zeit mitgebracht hatte, da es eine etwas längere Geschichte werden würde.
„Wenn ein Dämon eines hat, dann ist da wohl Zeit, würde ich sagen“, erwiderte Eireann grinsend.
Mr. Morris lachte kurz auf stimmte ihr zu.

Dann begann er von seiner Reise aus Übersee zu erzählen.
Seine Reise hatte ihn nach Mexiko geführt, ein Land in der neuen Welt, das seit neuestem seine Unabhängigkeit von Spanien erfolgreich erkämpft hatte. Erst vor wenigen Monaten hatten die Kriege scheinbar dort ein Ende gefunden und die Einheimischen begannen nun damit, eine neue Ordnung zu etablieren.
Das waren wirklich wichtige Neuigkeiten, die die Leser der Golden Times sicher brennend interessieren würden.
Diese Nachricht sollten sie so schnell wie möglich herausbringen.
Am besten schon in der Mittagsausgabe am nächsten Tag.
Diese Geschichte war es definitiv Wert, sich den zweideutigen Andeutungen von Mr. Morris auszusetzen.
Sobald sie nach Hause kam, würde sich Eireann sogleich an den Artikel setzen, bevor diese Nachricht jemand herausbringen konnte.




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Im Ballsaal mit John

Die Venatoren beschlossen, an den Türen Posten zu beziehen, um die Vampire besser ausfindig machen zu können.
Während Alarik an einer Tür aufpasste, die zum Garten hinaus führte,
blieben John und Penelope zusammen an der großen Eingangstür.
Der Venator nutzte die Gelegenheit, nicht mehr permanent auf Achse zu sein und erkundigte sich bei seiner Kollegin, weshalb sie nicht nur als Venatorin arbeiten würde, sondern auch tagsüber mit Menschen zusammenarbeitete.

„Nein, über die Bezahlung mache ich mir keine Gedanken“, bestätigte Penelope und verstummte kurz, als ein Gast an ihr vorbei ging.
Freundlich lächelnd reichte sie ihm ein Glas mit Sekt und führte ihre Erklärung fort, als der Adlige wieder außer Hörweite war.
„Ich möchte einfach selbstständig sein. Ich wollte mir einfach ein eigenes Leben aufbauen, das - wie soll ich sagen – normal – ist. Nicht nur Kampf und Tod. Außerdem macht mir meine andere Arbeit Spaß, deswegen würde ich sie auf keinen Fall missen wollen“, gestand die Venatorin und konzentrierte sich kurz, um zwei weitere Adlige, die gerade durch die Tür gingen, genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber eindeutig ausmachen konnte sie nichts.

John schien ebenfalls abgelenkt, denn er hatte eine Unterhaltung mit einem der Gäste begonnen.
Penelope indes behielt weiter die Gäste im Auge, allerdings, solange keiner den Saal betrat oder verließ, war es ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen. Und selbst dann, war es noch fraglich, ob sie etwas bei ihren überreizten Sinnen spüren würde.
Kurz rang sie mit sich, ob sie es wagen konnte, für einen Moment die Augen zu schließen.
Mit geschlossenen Augen konnte sich die Venatorin deutlich besser auf das Kribbeln in ihrem Nacken konzentrieren. Wenn sie ihre Konzentration darauf richtete, spürte sie in der Regel, in welche Richtung das Kribbeln zog.
Momentan war es natürlich in alle Richtungen, was es ihr unmöglich machte, einen einzelnen Vampir auszumachen.

Ehe sie sich versah, hatte Penelope die Augen geschlossen. Durch ihren Fokus auf die Empfindung, war das Kribbeln deutlich unangenehmer als wenige Sekunden zuvor, doch dafür stellte sie etwas anderes fest.
Sie hatte geglaubt, dass das Kribbeln in alle Richtungen führen würde. Doch nun, war sie sich sicher, dass hinter ihr mit Sicherheit kein Vampir war.
Zumindest in keiner Entfernung, in der sie einen ausmachen konnte.

„Glaubst du, man bezahlt dich hier zum Schlafen?“, riss eine hochnäsige Stimme Penelope aus ihrer Trance.
„Verzeihung“, stammelte sie sofort und machte einen Knicks vor der Adligen, die sich empört Luft mit ihrem Fächer zufächelte.
„Ich werde deinem Herren Bericht erstatten“, warnte sie die Venatorin vor und sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Wie ist dein Name?“
„Janette, Mylady“, log Penelope und versank erneut in einer Referenz.
„Du wirst dir noch wünschen, deine Arbeit besser gemacht zu haben Janetta“, versprach die Adlige und ergriff energisch eines der Sektgläser ehe sie zur Saaltür hinausspazierte.

Seufzend schloss Penelope die Augen. Mit Adligen war wirklich nicht gut Kirschen essen.
Allerdings mit dieser war es das umso weniger.
Penelopes Blick kreuzte sich mit Johns, welcher sie fragend ansah.
Wortlos stellte Penelope das Tablett auf einen Sims in der Wand.
„Es gibt Arbeit“, eröffnete sie und folgte sofort der Adligen, die sie angesprochen hatte.
Denn als sie den Saal verließ, hatte ihr Kribbeln, sie eindeutig sacht nach hinten gezogen.



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bei sich zuhause mit ihrer Tante

Müde rieb sich Róisín den Nacken. „Du warst heute echt lange unterwegs, Róisín“, empfing Fionúir ihre Tante, während sie den Tisch deckte.
„Du sollst mich doch nicht mehr so nennen“, entgegnete Róisín vorwurfsvoll und sah ihre Nichte ernst an. „Entschuldigung. Tante Rose“, antwortete Fionúir und betonte jedes Wort.
„Es gefällt mir nicht, dass wir uns nicht mit unseren richtigen Namen ansprechen dürfen. Auf der Straße mag es ja noch seinen Sinn haben, aber hier…“
„Man kann nie wissen, ob jemand mithört, Fiona. Wir müssen vorsichtig sein. Es sind schon lange keine guten Zeiten mehr für unsere Art. Wir müssen aufpassen, wem wir vertrauen und was wir tun. Die Menschen mögen uns vergessen haben und unsere Bräuche für Unterhaltung und Humbug abtun, aber da draußen sind immer noch Menschen, die um uns wissen und uns tot sehen wollen. Sie könnten überall sein und alles, was uns mit unserer Vergangenheit verbindet ist gefährlich.“
„Ich weiß“, murmelte Fiona niedergeschlagen.
Trotz allem wollte sie sich nicht verstellen müssen.
Sie war Fionúir. Nicht Fiona. Nicht Burgel, nicht Franziska.
Sie hasste es, dass sie sich verstellen musste. Sie hasste es jeden Tag.

„Vielleicht sollten wir wieder die Zeit befragen“, schlug Rose vor und setzte sich an den Tisch. „Wir müssen im Auge behalten, ob sie wieder auf unsere Spur kommen.“
„Ich dachte, wir sollen uns auch hier drin versteckt halten?“
Rose sah Fiona streng an.
„Hören kann man uns wohlmöglich. Sehen jedoch nicht. Außerdem ist das Wissen, das wir dadurch gewinnen wichtig.“
Fiona nickte und stellte alles, was sie aufgedeckt hatte, auf das Regal hinter ihr. Dann hob sie das lose Brett im Fußboden hoch und zog daraus ihre Utensilien hervor.
Zum einen ihre Tarotkarten, die sie selbst gefertigt hatte, zum anderen die vier Elemente höchstselbst.

Für Hexen gab es viele Arten, die Zukunft zu sehen. Das Kartenlegen war nur eine Möglichkeit und auch dort gab es unzählige Variationen, das Schicksal zu befragen.
Angefangen mit besonders gewirkten Karten, hinweg über verschiedene Legetechniken bis hin zu elementarem Tarot.
Verknüpfte man all diese Variablen miteinander, konnte man genauere Voraussagen treffen.
Für ihr alltägliches Geschäft auf der Straße war jedoch nichts davon möglich. Ernsthafte Magie würde die Aufmerksamkeit der Jäger auf sie ziehen.
Darum waren ihre Taschenspielereien auf der Straße, die sie hin und wieder mit ihrer Tante betrieb, nicht sonderlich viel mehr als das Tarot, das bei den  Menschen neuerdings in Mode kam.

Aufmerksam sah Rose ihrer Nichte zu, wie sie die fünf kleinen Schalen aus Kupfer auf dem Tisch ausrichtete. Vier davon platzierte sie an den Ecken des Tisches, während die fünfte in der Mitte ihren Platz fand.
Nacheinander füllte sie nun die vier Schalen an den Ecken mit Erde, mit Wasser und einem Blatt, welches sie flüsternd mit dem magischen Befehl dóigh aighre uile* in Brand setzte.
In das letzte der vier Gefäße blies sie hinein, ehe sie sich der Schale in der Mitte widmete. Mit einem kurzen Messer stach sie sich in den Finger und ließ ein paar Tropfen in die Mitte der Schale fallen. Dann reichte sie das Messer ihrer Tante, die es ihr gleichtat und ihr eigenes Blut dazugab.
Nachdem sie das Messer weggelegt hatte, beobachtete Rose nun stumm, wie ihre Nichte die Karten aus dem Beutel zog, in dem Fiona sie verwahrte und mischte.

Schließlich legte sie die Karten in einer doppelten Pyramidenformation auf dem Tisch ab.
Eine zwischen Feuer und Erde, gefolgt von zwei Karten, dann von dreien. Eine weitere Karte legte sie über und eine zweite unter die Schale mit dem Blut.
Und auf der anderen Seite folgten dann wieder drei, zwei und eine Karte zwischen Luft und Wasser.
Dann begann sie, eine nach der anderen von links nach rechts aufzudecken.

Die erste Karte war der Dolch.
Darüber lagen das Schwert und der Mond.
Diese Konstellation hatte sich Fiona schon fest in die Augen gebrannt. Es gab keine Voraussagung, die sie für ihre Tante oder sich selbst gelegt hatte, die nicht mit diesen drei Karten begann.
Auch die nächsten drei Karten waren keine Seltenheit.
Der Tod. Das Spinnennetz. Und das umgekehrte Gesicht.
Jede Karte, ein schmerzhafter Stich aus ihrer Vergangenheit.
Nichts, das ihnen selbst fremd war.

Die beiden Karten über und unter der mittleren Schale waren deutlich interessanter.
Die Sanduhr und die Sterne.
Sterne standen im Allgemeinen für Hoffnung, während die Sanduhr die Zeit oder auch Geduld repräsentierte. Sonderlich schwer war dies eigentlich nicht zu deuten, denn die Karten sprachen für sich.
Auch wenn sie wie so oft recht vage waren.

Erwartungsvoll wand sich Fiona den letzten Karten zu.
Zunächst deckte sie die Feder, die Ringe und den Wegweiser auf.
Danach kamen die Hand und das Seil und zum Schluss das linke Auge.
Unschlüssig sah Rose auf die Karten.
„Was glaubst du, hat das zu bedeuten?“
Fiona studierte genau die Konstellation vor ihr.
„Bald wird sich etwas ereignen. Vielleicht wird jemand verletzt werden. Es wäre möglich, dass es einer von uns beiden ist, wenn man die Ringkarte in Betracht zieht. Auf jeden Fall wird der Verletzte Hilfe erhalten, da bin ich mir sicher. Entweder von einer Person, mit der er in Verbindung steht oder mit der derjenige dadurch in Verbindung tritt. Und dadurch werden wir irgendetwas finden. Vage, aber immerhin sieht es so aus, als wären sie uns nicht auf der Spur.“
Zweifelnd nagte Rose an ihrer Unterlippe.
„Ich habe dennoch ein ungutes Gefühl. Vielleicht wäre es doch besser, wenn wir in die neue Welt gehen.“ „Und dann was? Wahrscheinlich sind längst welche von ihnen dort, denn mit Sicherheit werden sich einige unserer Schwestern bereits dorthin geflüchtet haben.“
„Aber es heißt, dass das Land viel größer ist, mit unendlichen Ebenen, die man in einem Monat bereisen könnte, ohne auch nur auf eine Menschenseele zu stoßen. In dieser Abgeschiedenheit könnten sie uns überhaupt nicht finden."
Fiona sah auf die Mitte des Tisches.
„Sie würden uns überall finden. Es ist nur eine Frage der Zeit.“


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#8 Am 22.01.2022 um 20.46 Uhr

Absynthgarde
MitsukiMizu
Recrute
MitsukiMizu
...
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im Ballsaal mit Eireann → Büro mit Eireann


„Vielen Dank für das Kompliment, Mr. Morris. Ich hatte nicht erwartet, Sie heute hier anzutreffen. Ich nahm an, sie seien noch unterwegs mit ihrem Handelsschiff.“
Auch wenn die Dämonin vor mir sich aus Höflichkeit für das Kompliment von mir bedankte, so hatte ich doch ihren kurzen abwertenden Blick gesehen, den sie mir geschenkt hatte. Vermutlich war dieser für die menschlichen Augen kaum zu bemerken gewesen, jedoch hatte ich mit den Jahren als Vampir einige Ausdrücke gesehen, seien sie doch so flüchtig und kurz, wie dieser hier gewesen war.
Jedoch ließ ich mich nicht davon irritieren. Mir war schon klar, dass Miss Bolding nichts von mir hielt. Genauso klar war mir, dass sie wusste, dass unser Geschäft miteinander für uns beide von großen Wert war.
„Die Winde waren mir wohl hold, Verehrteste“, antwortete ich schließlich breit lächelnd. „...und haben meine Schiffe und mich schnell in den sicheren Hafen von London getragen. Und mit mir auch ein paar interessante Geschichten, oh ja.“
Während mein Grinsen breiter wurde, so wusste ich, konnte man einen meiner goldenen Zähne sehen. Normalerweise waren das bei Piraten üblich einer der Eckzähne. Den goldenen Zahn hatte ich tatsächlich schon vor meiner Zeit als Vampir erhalten. Manchmal sah ich mir in einem Spiegel dabei zu, wenn ich meine Fänge ausfahren ließ. Ohne, dass es besonders eingebildet klingen sollte, es sah schon verdammt cool aus… so ein goldener Fangzahn kam nun auch nicht alle Tage vor.
„Nun, ich bin gespannt sie zu hören“, entgegnete die Dämonin und holte mich damit aus meiner Gedankenwelt in den Balsaal zurück. Doch ich schnalzte nur missbilligend mit der Zunge und schüttelte den Kopf.
„Nun, nicht hier, Liebes. Zu viele Ohren, für die diese Geschichten nicht bestimmt sind. Und wir wollen doch, dass sie bei euch in der Zeitung landen, aye? Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn Sie sich mit mir zurückziehen möchten, versteht sich.“ Es ließ sich einfach nicht vermeiden, ich musste ihr dabei einfach keck zuzwinkern.
Natürlich hatte ich gewisse Abneigungen bezüglich der Vorstellung einer Dämonin. Aber… in der Not fraß der Teufel fliegen. Und immerhin war die Herausforderung das spannenste, nicht unbedingt immer das Ziel. Miss Bolding war definitiv ein Ziel, dass ich nie erreichen würde… vielleicht auch nicht unbedingt erreichen wollte. Aber dennoch konnte man sich doch den einen oder anderen Spaß erlauben. Außerdem machte selbst das Flirten mit einer verwesenden Seele Spaß, selbst wenn dies nicht auf Gegenseitigkeit beruhte.
Miss Bolding lächelte zurück, auch wenn dieses leicht verkrampft auf mich wirkte. Hatte ich etwa einen wunden Nerv getroffen?
„Selbstverständlich ist hier wohl kaum der geeignete Ort, für ein derartiges Gespräch. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass der Herr des Hauses ein guter Freund von Lord Percy ist. Wenn Sie mir folgen wollen, dann zeige ich Ihnen einen Raum, in dem wir ungestört reden können.“
Bevor ich ihr darauf eine Antwort geben konnte, machte die Dämonin auf den Absatz kehrt und steuerte auf eine der Treppen zu, die nach oben führte.
Auf dem Weg fischte ich mir noch ein Glas Wein von einen der Tablettes, die einer der Kellner bereit hielt. Bei seinem suchenden Blick zog ich kurz argwöhnisch die Augenbrauen hoch, beließ es aber dabei und wollte meinem kurzen komischen Gefühl nicht nachgehen.
Schließlich erreichten wir zusammen im ersten Stockwerk ein Kaminzimmer, dass neben einem Sofa auch mit einem Sessel ausgestattet war. Ich hätte mich gerne auf den Sessel gesetzt, dieser sah durchaus gemütlicher aus, als das Sofa, jedoch hatte sich die Dämonin bereits dort nieder gelassen und bat mich im Gegenzug ebenfalls Platz zu nehmen.
Ich zögerte kurz… sollte ich mir diesen Spaß gönnen? Mein Blick glitt zu Miss Boldings Schoß, entschied mich jedoch anders und steuerte lieber das Sofa an. Ein wenig Trietzen und Ärgern war das eine… Mich in Lebensgefahr zu bringen, eine ganz andere.
„Nun…“ Ich klopfte kurz auf den Stoff herum, jedoch stiegen zu meiner Enttäuschung keine Staubwolken davon auf. „Ich hoffe, Sie haben Zeit mitgebracht, Miss Bolding, ich befürchte, dass es sich um eine längere Geschichte handelt.“ Schließlich setzte ich mich. Ja. Es war genauso schlimm, wie ich es geahnt hatte.
Kurz rutschte ich ein wenig auf dem Sofa hin und her, hoffte dadurch eine bequemere Sitzposition zu finden, ließ es dann jedoch enttäuscht über das Ergebnis wieder bleiben.
„Wenn ein Dämon eines hat, dann ist da wohl Zeit, würde ich sagen“, erwiderte sie grinsend, was mir zugegebener Maßen ein ehrliches Lachen entlockte.
Wie töricht von mir. Natürlich hatte Sie das. Ich meinte zwar begrenzt auf diesen Abend hier gesehen, aber ihr Kontor war durchaus eine Anerkennung wert.
Schließlich begann ich von meiner Reise aus Übersee zu erzählen. Mexiko. Ein Land des Aufbrauches. Ein Land der Aufruhr. Und wie es aussah, würde diese Unruhen nun endlich zum Erfolg und zu der heiß ersehnten Unabhängigkeit führen. Was das für viele Investoren und Händler in London bedeuten würde, konnte man unvorhergesehen nur erahnen. Nun, aber wenn alle vorgewarnt waren, konnte man immerhin viel besser planen.
Ich konnte es mir nicht verkneifen, dass ich meiner Gesprächspartnerin hin und wieder ein paar anzügliche Blicke zuwarf oder aber den einen oder anderen frechen und zweitdeutigen Spruch vom Stapel ließ.
Wie ich schon sagte. Manchmal war die Herausforderung das Spannende und manchmal war diese Herausforderung auch als Genugtuung ausreichend.
„Nun, wie ich bemerkt habe, hangen ihre süßen Ohren an meinen Lippen“, grinste ich sie an und zwinkerte ihr zu. „Ich hoffe, es hat sich für sie gelohnt, dass sie all ihre Geduld aufgebracht haben, um sich mit mir abzugeben, aye?“
Mein Blick wurde leicht ernst, als ich mich erhob und ihr kurz zunickte.
„Guten Abend, Miss Bolding.“
Damit ließ ich die Dämonin allein im Kaminzimmer zurück.


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im Ballsaal mit John → mit Keiko

Mein Blick blieb weiterhin auf die Uhr an der Wand gerichtet.
2 Minuten.
Mehr Zeit hatte mein Geschäftspartner nicht mehr, um sich mit mir in Verbindung zu setzen. Mit jedem Tick des Sekundenzeigers, begann meine Halsader mehr zu pochen und deutlich hervorzutreten. Langsam war ich nicht mehr nur verärgert. Nein, langsam war ich richtig sauer.
Langsam verschränkte ich die Arme vor der Brust, während ich bemerkte, dass mein Höllenhund sich erhob und langsam anfing zu knurren.
„Verzeihen Sie, Sir… aber Hunde sind auf dieser Veranstaltung nicht gestattet.“
Mein Blick glitt zu der Person hinüber, die mich soeben angesprochen hatte. John Taylor. Nun, es wunderte mich nicht, dass er auf dieser Party zugegen war, hatte ich ihm doch den Tipp zugesteckt, dass sich auf dieser wieder einige Vampire herumtreiben würden. Jedoch hatte ihm mehrmals gesagt, dass ich nicht wollte, dass man uns unnötig zusammen sah und nachher in Verbindung brachte. Meine Laune verbesserte sich dadurch also überhaupt gar nicht.
„Nun, Bursche. Sag das ihm.“ Ich nickte zu meinem Dobermann hinüber, der nun sich zu seiner vollen Größe aufgerichtet hatte. Seine Muskeln waren zum bersten gespannt und seine Nackenhaare standen weit nach oben. „Er kann diese Veranstaltungen genauso wenig ausstehen, wie ich es tue. Also lässt er mich nicht allein hier hin.“
Ich warf dem jungen Venatoren einen kurzen eindringlichen Blick zu. „Außerdem gibt es hier einige unerfreuliche Gesellen. Ich muss doch schließlich auf mich achten, nicht wahr. Selbst die adligste Dame kann eine Furie werden, wenn sie möchte. Und vor allem Miss Beatrice davorne…“ Ich nickte zu der Adligen hinüber, die gerade eine der Bediensteten anpöbelte. „Ist von der ganz schlimmen Sorte.“
Schließlich richtete ich meinen Blick wieder auf die Uhr. Für mich war dieses Gespräch beendet und der Junge hatte noch einen Tipp von mir erhalten, wer zu den Vampiren gehörte, die die Venatoren immer so begehrt suchten. Vielleicht ließ er mich dann endlich in Ruhe.
Nur noch ein paar Sekunden…
„Sir?“
Langsam mehr als entnervt, entwich mir ein tiefes Seufzen. Mein Blick glitt wieder von der Uhr zu dem Objekt der Störung, um festzustellen, dass eine asiatische Dame vor mir stand. Sie trug ganz unpassend für ihr Äußeres ein traditionelles englisches Kleid, hatte ihre Haare zu einem festen Dutt zusammengebunden und war dezent geschminkt. Man hätte fast meinen können, dass sie zu einem adligen Stand gehörte, wenn die Qualität ihres Kleides sie nicht verraten hätte. Man sah dem Stoff an, dass es schon mehrere Male getragen worden war, als besäße die Frau vor mir nur dieses eine.
„Sind Sie Mr. Pearce?“
Ich nickte kurz und zog eine Augenbraue hoch, während ich beobachtete, wie die Dame vor mir einen leichten Knicks machte.
„Ich komme im Auftrag von Mr. Rehn. Er bat mich, ihn zu entschuldigen. Mr. Rehn geht es heute Abend nicht besonders gut, weswegen er das Bett hütet. Ich entschuldige mich ebenfalls für mein verspätetes Auftreten. Vorne am Empfang wollten Sie mich zunächst nicht passieren lassen, verstehen Sie?“
Zu meiner Verwunderung sprach sie auch noch akzentfreies Englisch. Eine Rarität durchaus. Eine, die ich im Auge behalten sollte. Immerhin gab es neben der Begründung, dass Sie hier geboren war, ebenso die Möglichkeit, dass sie noch so ein elender Vampir war. Oder aber von meines Gleichen. Beides keine Optionen, die ich unbemerkt verfliegen lassen wollte.
Ich nickte ihr schließlich zu. Auch wenn ich dieser Ausrede keinen Glauben schenkte, blieb mir wohl gerade nichts anderes übrig, als diese hinzunehmen. Außerdem konnte ich so endlich diesen verdammten Balsaal verlassen und mich wichtigeren Dingen zuwenden.
„Nun gut. Richten Sie Mr. Rehn aus, dass er sich sobald es ihm besser geht, bei mir melden soll. Und Miss?“
„Keiko.“
„Miss Keiko, richten Sie Mr. Rehn aus, dass ich noch so eine Versetzung nicht dulden werde.“
Erneut verbeugte sich die asiatische Dame vor mir, bevor ich meinen Aktenkoffer schnappte, meinem Höllenhund einen kurzen Blick zu warf und mir schließlich meinen Weg in die Freiheit bahnte.
Auf dem Weg dorthin bemerkte ich, wie der junge Venator mit einer ebenfalls jungen Dame in eine bestimmte Richtung verschwand. Anscheinend hatte er meinen Tipp verstanden, denn Miss Beatrice  konnte ich in dem Balsaal ebenfalls nicht mehr entdecken. Hoffentlich stellten Sie sich nicht ganz zu dämlich an. Dann konnte ich eine weitere Vampirin von meiner Liste streichen.



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im Ballsaal mit Elisabeth -> mit Belial → allein


„Hören Sie, ich muss wirklich nur zu Mr. Pearce, dann bin ich sofort wieder weg.“
Genervt versuchte ich den Türstehern vor mir zum x-ten Mal zu erklären, dass ich nicht zu den Gästen gehören könnte, da eigentlich mein Ziehvater Eric auf der Liste stand und nicht ich. Dieser jedoch hatte aufgeschnappt, dass sich an dem heutigen Abend einige Venatoren herumtreiben sollten und hatte es deswegen lieber vorgezogen, die Veranstaltung zu meiden. Blöder Weise hatte er eigentlich einen Termin mit besagten Mr. Pearce, einen Bänker, der uns hoffentlich einen Kredit gab, damit Eric seine Bar seiner Mieterin abkaufen konnte. Dieser war jedoch nicht dafür bekannt, wirklich nachsichtig mit Verspätungen umzugehen, weswegen ich innerlich immer nervöser wurde.
„Miss, sie stehen nicht auf der Liste.“
Innerlich bekam ich einen Schreikrampf, während ich nach außen hin versuchte vollkommene Coolness zu spielen.
„Sir… ich weiß. Mr. Rehn steht auf der Liste. Ich bin Mr. Rehns Dienerin. Ich soll Mr. Pearce, der dort auf der Liste steht…“ Ich beugte mich vor und nahm mir die Erlaubnis heraus meinen Finger knapp über den Namen des genannten zu legen, währen der Türsteher vor mir diese fest umklammert hielt. „… Bescheid sagen, dass Mr. Rehn nicht zugegen sein wird, da es ihm heute nicht so gut geht. Die beiden wollten einen Vertrag zusammen abschließen.“
Einer der beiden sprechenden Schränke fing an zu lachen und schüttelte den Kopf. „Miss, wieso sollte man auf einer Feier einen Kredit bei Mr. Pearce abschließen? Es gibt doch wahrlich bessere Orte, finden Sie nicht?“
Der andere stimmte in dem Lachen mit ein und wischte meinen Finger grob von der Gästeliste. „Genau, ich finde auch, das hört sich viel zu weit hergeholt an. Versuchen Sie bitte demnächst eine bessere Ausrede, um sich auf eine Party mit den angesagtesten Leuten Londons zu schleichen.“
Langsam ballte ich eine meiner Hände zur Faust, während sich meine Kiefer unangenehm aufeinander pressten. Wenn diese beiden Volldeppen mich nicht langsam hineinließen, würde ich ihnen noch an die Gurgel gehen.
Schließlich versuchte ich mich wieder zu beruhigen. Es brachte mir gar nichts, nun voller Wut auszurasten. Näher ans Ziel würde ich dadurch wirklich nicht kommen, auch wenn es mir gerade eine unfassbare Genugtuung verschaffen würde.
„Außerdem sollten Sie sich dann auch ein besseres Kleid besorgen, wenn Sie nicht auffallen möchten“, prustete wieder der ohne Liste los und schmunzelte, während sein Blick zum x-ten Mal über meinen Körper fuhr.
Ich zwang mich nicht instinktiv einen Schritt zurück zu machen, um mir diese Blöße nicht zu geben, während ich mir ein zuckersüßes Lächeln auf die Lippen zwang. Dabei war ich mir sehr sicher, dass es alles andere als liebreizend aussah, sondern eher Richtung durchgeknallte Serienmörderin ging.
„Gentleman“, begann ich und legte dabei behutsam meine Handflächen einander. „ich würde Sie nicht darum bitten, wenn es mir nicht Ernst wäre. Diese Zeit könnte ich mir wahrlich sparen. Mr. Pearce erwartet Mr. Rehn. Ich muss ihm Bescheid sagen, dass dieser nicht kommen wird.“
Gerade wollte einer der Türsteher mir sicherlich wieder die selben Floskeln entgegenwerfen, als ich eine etwas tattrige Stimme an meiner Seite vernahm.
Mein Blick glitt zur Seite. Es war wohl gerade ebenfalls noch einer der Gäste angekommen. Ein älterer Herr mit einem stylisch aussehenden Zylinder und einen sehr ordentlichen Pinguin-Smoking hatte sich nun zu mir gesellt.
„Lassen Sie die arme Dame doch herein und hören Sie auf sie zu schikanieren! Sie beiden sollten sich wirklich etwas schämen. Ich glaube, ich muss mit dem Gastgeber ein ernstes Wörtchen sprechen, er sollte sich noch einmal gründlich überlegen, wen er seinen Diensten unterstellt hat.“
Der ältere Herr sah mich an, lächelte verschmitzt und zwinkerte mir zu, während die Türsteher vor uns nun in eine vollkommene Panik verfielen.
„Mr. Tie, wir haben uns nur einen kleinen Spaß erlaubt.“
„Genau, Mr. Tie, wir wollten die Dame gerade hinein bitten.“
„Schön sehen Sie aus, Madam, verzeihen Sie meine Bemerkung, ich habe doch gar keine Ahnung von Mode.“
„Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.“
Beide Männer vor mir begannen immer durcheinander zu sprechen, sodass man kaum das eine Wort vom anderen unterscheiden konnte.
Schmunzelnd beobachtete ich dieses Szenario kurz, bevor ich den dargebotenen Arm von, wie ich nun wusste, Mr. Tie annahm und mit ihm die Stufen zu dem Gebäude antrat. Mehrmals bedankte ich mich bei ihm, während er sich immer wieder über diese Unhöflichkeit echauffierte.
Schließlich, nachdem wir den Balsaal betraten, trennten sich unsere Wege.
Ich brauchte nicht lange zu suchen, Mr. Pearce stach förmlich aus der Menge heraus. Sei es wegen seinem auffälligen Dobermann, oder aber weil förmlich eine Kluft um ihn zu herrschen schien, konnte ich nicht richtig sagen.
Ich wollte mich gerade auf dem Weg zu ihm machen, als eine mir sehr bekannte Stimme meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Lächelnd stand Mrs. Smith vor mir, die Mieterin meines Ziehvaters. Sie hatte ein warmes Lächeln aufgelegt und schien sich scheinbar zu freuen, dass sie mich sah. Kein Wunder. Normalerweise mied ich solche Veranstaltungen. Meistens fand man mich eher in dem Außenbereich vor, wenn Eric mal auf einem Ball eingeladen wurde. Aber auch das kam nur selten vor.
„Keiko, wie schön dich hier zu sehen, was führt dich hier her?“ fragte sie mich freundlich.
Ich erklärte ihr kurz mein Anliegen und, dass ich danach wohl direkt wieder nach Hause fahren würde, weil Eric es so wollte. Daraufhin legte mir die Vampirin vor mir eine Hand auf die Schulter, die ich ein wenig erstaunt beäugte.
Mein Blick glitt wieder in die Augen meines Gegenübers, als diese wieder zu sprechen begann.
„Bleib ruhig hier. Du solltest auch Zeit mit anderen Menschen in solchen Kreisen verbringen und dich etwas amüsieren. Sag einfach, du bist stellvertretend für deinen Vater hier, aus Höflichkeit dem Gastgeber gegenüber, dann wird schon keiner etwas sagen. Und sollte es doch Probleme geben, dann komm einfach zu mir und ich lege ein gutes Wort für dich ein, Keiko.“ Sie zwinkerte mir daraufhin zu. Ob ich das Angebot wirklich noch annehmen würde, wusste ich nicht, aber ich speicherte es unter mögliche Optionen des weiteren Abends ab.
Ich zögerte kurz, als mir auffiel, dass Mrs. Smith womöglich nichts von möglichen Venatoren auf dieser Veranstaltung wusste. Während ich begann mir auf der Unterlippe herumzukauen, drückte sie mir ein Glas in die Hand. Bevor sich die Vampirin umwenden konnte, fasste ich ihr instinktiv ans Handgelenk.
"Mrs. Smith... Sie sollten wissen..." Ich sah mich kurz unsicher um, beugte mich so nah an ihre Ohren, wie es die Höflichkeit zuließ und flüsterte. "Mr. Rehn vermied diese Veransltatung, da er befürchtet, dass hier Venatoren sind. Achten Sie auf sich."
Dann entließ ich sie wieder aus meinem Griff und beobachtete kurz, wie sie sich auf den Weg nach draußen machte. Ich nickte zufrieden. Gut, sie würde also direkt das Weite suchen. Alles andere hätte mich nun auch gewundert.
Ich sah mir das Glas in meiner Hand an und stellte es kurzerhand wieder auf einem bestmöglichen Platz hin. Alkohol benebelte nur die Sinne und diese würde ich heute Abend wohl noch brauchen.
Schließlich bahnte ich mir einen Weg durch die Menge zu ihm hinüber, während dieser sich gerade mit einem Kellner unterhielt. Dabei schnappte ich die letzten Worte des Bänkers auf, die mich kurz meine Augenbraue hochheben ließen. Mein Blick glitt durch die Menge, folgte dem Nicken des Bänkers, bis dieser bei einer Dame hängen blieb, die einen Fächer bei sich trug und gerade eine andere Kellnerin anschnauzte. Was diese Worte wohl zu bedeuten hatten?
Argwöhnisch beobachtete ich, wie sich der Kellner schließlich hastig entfernte, beschloss jedoch zunächst erst meine Aufgabe zu erledigen, bevor ich eventuell in Erwägung zog, der Sache nachzugehen.
Nachdem ich Eric bei Mr. Pearce abgemeldet hatte und dieser hastig den Balsaal verlassen hatte, suchte ich mit meinem Blick die Menge nach der sogenannten Miss Beatrice ab. Jedoch konnte ich diese nicht ausmachen. Lediglich der Kellner und die Kellnerin fielen mir ins Auge, die tuschelnd die Köpfe zusammen steckten und schließlich beide den Saal verließen.
Erneut packte mich mein Argwohn. Irgendetwas ging hier nicht mit Rechten Dingen zu. Und wenn ich bedachte, dass Eric Sorge wegen Venatoren hatte, ließ mich der Verdacht nicht los, dass mir gerade zwei auf den Silbertablett serviert worden waren.
Eigentlich hatte ich Eric versprochen, mich sofort wieder auf den Weg nach Hause zu machen und kurz war ich auch hin und her gerissen, dieser Bitte zu folgen.
Doch schließlich packte mich die Neugierde und ich versuchte den beiden jungen Kellnern unauffällig zu folgen.



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im Ballsaal, allein → im Garten in der Nähe von Elisabeth und James


Ich positionierte mich also in der Nähe des glasigen Türflügels, der raus in den Garten führte. Als ich dort ankam, konnte ich die Dame, die den Raum zuvor verlassen hatte, nicht mehr sehen, entschloss mich aber dagegen, ihr zu folgen. Dieser Saal hier war voller Vampire. Irgendwie würde ich schon den einen oder anderen herauspicken können, wenn ich mich nur stark genug auf das Kribbeln im Nacken konzentrierte.
Ich stellte mich also direkt neben die Tür mit einem Tablett mit Getränken in der Hand.
Lange Zeit passierte nichts außergewöhnliches, und auch wenn ich zu John und Penelope rüber sah, schien bei den beiden es auch nicht besser zu laufen.
Dann jedoch eine Erlösung von dieser Frustration! Mein Kribbeln in Nacken intensivierte sich plötzlich, schien mich nach draußen in den Garten zu ziehen. Kurz darauf wurden die Glastüren geöffnet und die Frau, die ich beim Hinausgehen beobachtet hatte, trat an mir vorbei. Mein Kribbeln schien ihr nahezu zu folgen, bis es wieder leicht abnahm und sich wie noch kurz zuvor anfühlte.
Kein Zweifel, diese Frau war eine Vampirin.
Meine Augenbrauen zogen sich angestrengt zusammen, versuchte den Blick nicht von der Dame vor mir zu nehmen. Diese bahnte sich einen Weg durch die Menge, lief direkt auf ein junges Mädchen zu. Kurz unterhielten sich die beiden. Wenn ich mich nicht täuschte, wurden dort gerade irgendwelche Informationen ausgetauscht. So wie die Asiatin sich umsah, schien sie irgendetwas im Schilde zu führen. Noch eine Vampirin? Oder ein Lakai, der sich an den Bissen eines Vampires aufgeilte? Eine für mich abstoßende Vorstellung, aber solche Menschen sollte es wahrhaftig geben.
Schließlich wurde meine Geduld ein zweites Mal belohnt. Erneut trat die Vampirin an mir vorbei in den Garten. Erneut hatte ich wieder dieses Kribbeln im Nacken, das sich verstärkte.
Nun blieb wirklich kein Zweifel mehr.
Ich sah mich kurz um, pickte mir einen x-beliebigen Herrn aus und drückte ihm das Tablett in die Hand. Überrumpelt sah dieser mich an und wollte gerade mit seinen Schimpftriaden beginnen, da erstickte ich diese Wut im Keim. „Entschuldigen Sie, Sir, können Sie das kurz für mich halten? Ein Notfall im Garten. Eine Dame ist wohl ohnmächtig geworden.“
Daraufhin wandte ich mich um und trat hinaus ins Freie.
Die Kälte der Nacht war eine erfreuliche Abwechslung im Vergleich zu der stickigen Luft im Ballsaal, sodass ich kurz die frische Luft stark in meine Lungen einsog. Dann sah ich mich um. Wäre ich wohl ein paar Sekunden später nach Draußen getreten, hätte ich die Dame wieder verloren. So konnte ich gerade noch beobachten, wie sie um ein Hecke bog und hinter dem starken Dickicht verschwand.
Ich bewegte mich so leise es mir möglich war vorwärts, lugte vorsichtig um die Ecke und erblickte schließlich die Vampirin. Vor ihr stand ein Herr. Sie schienen sich intensiv und gut miteinander zu unterhalten.
Meine Muskeln waren zum bersten gespannt. Versuchte sie da gerade ein Opfer zu bezirzen? Leider war ich nicht nah genug dran, um das Gespräch mit anhören zu können. Noch näher konnte ich nicht gehen, sonst würde meine Tarnung auffliegen. Davon abgesehen, dass ich mich sowieso lieber nach einem anderen Versteck umsehen wollte. Hier lief ich Gefahr sowohl von den Gästen, als auch von der Vampirin gesehen zu werden. Immerhin konnte diese sicherlich viel besser als ich im Dunkeln sehen.
Ich sah mich also um, entdeckte dann eine etwas breitere Statue, die mich sowohl vom Sichtfeld des Gebäudes, als auch vom Sichtfeld der Vampirin größtenteils abschirmen würde. Also schlich ich mich dort hinüber und hoffte inständig, dass ich leise genug war.

Letzte Änderung durch MitsukiMizu (Am 23.01.2022 um 11.43 Uhr)


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#9 Am 23.01.2022 um 13.59 Uhr

Obsidiangarde
Luce
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Luce
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Im Garten mit James (und Alarik)

Die Vampirin hatte sich wieder auf die kleine Bank gesetzt und hörte ihrem Gegenüber aufmerksam zu, wie er von der Verlobungsfeier von Sir Ascot erzählte.
„Nun, ich bin gespannt, welche Zeitung den besseren Artikel über die Verlobung schreiben wird. Die Times oder die golden Times.“ Lächelte sie freundlich und nahm eine ihrer Pralinen in den Mund.
Während Sir Piercy erzählte, lauschte die Vampirin immer mal wieder. Sie hatte Keikos Warnung nicht vergessen. Nun, sie es war nichts, das sie von vorherein ausgeschlossen hätte. Nicht ohne Grund trug die Vampirin immer ihr eisernes Korsett, dass ihren Oberkörper schützte, wenn sie auf derartigen Veranstaltungen war. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass sich ein Geruch verstärkte, konnte ihn aber nicht zu ordnen. Nur dass er nicht von Keiko war. Das Mädchen konnte sie aus zwei Kilometern Entfernung erriechen, solange wie sie sie schon kannte.
Lis hob den Kopf etwas, als sie ein leises Knacken hörte und lauschte, als sie die Frage von Sir Piercy hörte, wollte sie gerade freundlich antworten, als sich ihnen um die Ecke zwei Personen nährten. Nun, das war dann wohl das Knacken gewesen.
„Oh, Sir Piercy! Guten Abend Ms. Smith. Was für ein Zufall Sie beide hier zu treffen!“ begrüßten die beiden sie sofort und begannen ein Gespräch zu Beginnen,
„Sir Piercy, es wäre für Ihre Zeitung sicherlich ein enormer Gewinn über mein Unternehmen zu schreiben! Wir arbeiten an neuwertigen Baustoffen und Verarbeitungstechniken! Mein Unternehmen betreibt wahrlich Pionierarbeit!“ Begann der Ehemann zu schwärmen und seine Frau nickte immer eifrig. Es war offensichtlich, dass sie sich nicht auskannte.
„Auch für Ihren Mann wäre eine Zusammenarbeit sicher sehr lokrativ, Miss Smith! Wir haben Bautechniken und Rohstoffe aus der neuen Welt erstmals hier in London angewendet.“ Sprach er stolz. Es war offensichtlich, dass sie darauf aus waren, kostenlose Werbung durch die golden Times zu bekommen, und ihren Umsatz durch Bauprojekte mit ihrer Firma anzukurbeln.
„Oh, meinen Sie jene Bautechniken, die hier in London bereits einzelne Gebäude zum einstürzen gebracht haben?“ fragte sie freundlich und man hörte einen leichten sarkastischen Unterton.
„Vielen Dank, aber daran, wird mein Mann nicht interessiert sein. Er bevorzugt Gebäude, die länger als drei Monate stehen und ihre Bewohner nicht im Schlaf erschlagen.“ Lehnte sie ab und auch, wenn ihre Stimme höflich war, zeigte sie deutlich, dass sie absolut rein gar nichts von dieser Firma und deren Methoden hielt.
Sofort wurde der Mann vor ihr rot.
„Das lag selbst verständlich nicht an unseren Materialen…!“ versicherte er Sir Piercy sofort. Offensichtlich wollte er diese Art von Werbung nicht in der Zeitung stehen haben. Lis nippte einmal leicht amüsiert an ihrem Sektglas.
„…Wissen Sie, es lag einzig und allein an…“ das würde ein langes Gespräch werden…
Die nächste halbe Stunde war sie gezwungen, den ellenlangen Ausschweifungen über Bausubstanzen zuzuhören. Jedes Mal wenn er endlich stoppte und sich für Lis oder Sir Piercy – der genauso innerlich gequält aussah – eine Gelegenheit für einen höflichen Abschied ergab, begann seine Frau zu sprechen und lobte die Arbeit ihres Mannes in den höchsten Tönen, bevor er weiter fortfuhr.
Als Lis Sektglas erneut leer war, nutzte sie dies, um endlich flüchten zu können.
„…und durch die besondere Bodenbeschaffenheit der neuen Welt…“
„Bitte verzeihen Sie, aber ich würde kurz noch einmal reingehen und mir etwas Sekt holen.“ Lächelte sie höflich, stand auf und wollte gehen.
Sie sah den leicht entsetzten Blick von Sir Piercy, dass sie ihn tatsächlich allein diese Qual ertragen lassen wollte, denn der Herr vor ihnen erzählte bereits weiter, Sir Piercy fest im Blick. Offensichtlich wollte er sichergehen, dass auch ja nur positiv in der Zeitung stehen würde. Für einen Menschen war sein Blick scheinbar nicht zu erkennen gewesen und nur Lis Vampirfähigkeiten hatte sie es zu verdanken, dass sie es gesehen hatte.
Schnell verschwand sie mit ihrem Glas in Richtung Ballsaal.
„Diese Lebenszeit bekomme ich nie wieder zurück…!“ murmelte sie und nippte förmlich instinktiv an ihrem leeren Glas, in der Hoffnung, dadurch dieses langweilige Erlebnis etwas besser zu machen.
Sie blieb stehen, als sie den Geruch von vorhin wieder stärker wahrnahm.
Irgendwo hatte sie ihn davor schon mal gerochen heute Abend …aber wo? Es roch nicht nach Blut oder Verwesung. Es war also eindeutig kein Toter.
Sie lauschte angestrengt und sah sie wachsam in dem Garten um, doch konnte sie nichts auffälliges finden.
Dennoch machte sie auf der Stelle kehrt und ging mit ihrem leeren Glas zurück.
„Ich habe es mir doch anders überlegt. Ich denke, ich werde erst einmal eine Pause vom Sekt machen.“ Lächelte sie höflich und setzte sich wieder zu Mr. Piercy und dem Ehepaar.
Lis wusste, dass Venatoren nicht aktiv wurden, solange Menschen zugegen waren. Solange sie also einfach nur hierblieb und die Ausschweifungen des Ehepaars über sich ergehen ließ, war sie in einem geschützten Umfeld. Sir Piercy allein hätte man zu leicht trennen können.
„Ja, Frauen und Alkohol! Selbst ein Glas Sekt kann für den zierlichen Körper einer Frau schon zu viel sein!“ lachte ihr Gegenüber. Sie unterdrückte ihren spitzen Kommentar sondern lächelte stattdessen.
„Bitte erzählen Sie weiter. Ihre Ausführungen über die Bautechniken der neuen Welt sind wirklich ungeheuer spannend.“ Ihr Gegenüber strahlte förmlich, als sie dies sagte und Lis stellte sich auf einen grauenhaften restlichen Abend ein.
Sollte hier ein Venator sein, würde sie ihn genauso leiden lassen, wie sie es selbst gerade musste!



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Ballsaal mit Penelope und Belial -> mit Penelope

Interessiert hörte der Venator seiner Kollegin zu, als sie erzählte, warum sie sich diese Doppelbelastung antat. Er konnte sie verstehen. Ihren Wunsch nach Normalität, aber gleichzeitig, fragte er sich, ob es sie wirklich erfüllen konnte, ein „normales“ Leben zu führen, wenn sie über Dinge wusste, die 99% der Bevölkerung verborgen blieben.
Die Venatorin konzentrierte sich auch direkt danach wieder auf ihren Spürsinn, während er sein Gespräch mit dem Dämon hatte.
„Selbst die adligste Dame kann eine Furie werden, wenn sie möchte. Und vor allem Miss Beatrice davorne… Ist von der ganz schlimmen Sorte.“ Erzählte jener. John folgte seinem Blick und sah wie, eine der adligen Damen sich über einen Fleck auf einem der Anzüge der Bediensteten aufregte und danach ging. Solange diese Frau nur sie beide in Ruhe…
„Glaubst du, man bezahlt dich hier zum Schlafen?“ blaffte sie kurz darauf bereits Penelope an und John seufzte innerlich. In seiner aktuellen Position konnte er nicht einmal was sagen, um seiner Kollegin zu helfen. Weswegen jene es einfach erduldete.
Der Dämon war bereits gegangen. John war zwar immer Dankbar für Informationen, nahm sie allerdings nur mit Vorsicht an. War diese Furie wirklich ein Vampir? Oder wollte der Dämon einfach nur eine unschuldige Frau loswerden, weil er schlechte Erfahrungen mit ihr gemacht hatte?
Erst als sie mit erhobenen Kinn ging und Penelope ein: „Es gibt Arbeit“ zu ihm sagte, wusste er, dass der Dämon nicht gelogen hatte.
John nickte einmal und folgte seiner Kollegin.
Auf dem Weg nach draußen löste er seine Krawatte.
„Was denn? Wie sollte ich bitte erklären, dass meine Krawatte auf einmal ganz zerfetzt ist? Du wirst immerhin wohl kaum ne Nähmaschine unter deinem Sakko dabei haben.“ Zuckte er nur mit den Schultern.
Eilig folgten sie der Frau in eines der oberen Stockwerke und sahen, wie sie in einem Raum verschwand.
John runzelte die Stirn. Es gab nicht viele Gründe, warum sie während einer Feier einen abgeschiedenen Ort wie diesen aufsuchte. Entweder eine Affäre… oder ein Opfer. Vielleicht kamen sie gerade noch rechtzeitig.
Als sie die Tür zum Zimmer aufstießen, war John jedoch im ersten Moment ziemlich erstaunt.
Ms. Beatrice bediente sich gerade an einer Schublade voll kostbarem Schmuck. …mit einer Kleptomanin, hatte der Venator als allerletztes gerechnet.
Jene versteckte schnell den teuren Schmuck hinter ihrem Rücken, während er und Penelope das Gesicht eines Bediensteten machten.
„Sie faules Ding schon wieder?!“ blaffte sie die Venatorin an.
John verneigte sie einmal höflich …er konnte ihre Vampiraura deutlich spüren.
„Bitte verzeihen Sie, Miss. Wir waren besorgt, dass Sie sich verlaufen haben und wollten Ihnen den Weg zurück zeigen.“ Lächelte er höflich und der Blick der Vampirin wurde deutlich schmaler und ihr Tonfall noch bissiger, als Penelope die Tür hinter ihnen schloss.
Offensichtlich war die Zeit für Höflichkeiten vorbei.
„Gut, dann wollen wir mal…“ John zog einen Silberdolch aus seinem Ärmel hervor. Die Frau vor ihm knurrte drohend und entblößte ihre langen Fangzähne, bevor sich die zwei auch bereits in einem Kampf wiederfanden.
„Penelope, gib mir Rückendeckung!“

Letzte Änderung durch Luce (Am 23.01.2022 um 14.00 Uhr)



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#10 Am 01.02.2022 um 13.44 Uhr

Absynthgarde
Panthea
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Panthea
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im Garten | mit Elisabeth
„Ich werde anwesend sein“, gestand James der Adligen und sah zum Nachthimmel hoch. „Allerdings nicht als Besitzer der Golden Times, sondern als Freund der Familie. Nicht, dass dieses Ereignis nicht auch in meiner Zeitung einen Platz finden wird, jedoch werde ich mit Sicherheit nicht derjenige sein, der den Artikel verfassen wird. Man sollte nicht arbeiten, während man eigentlich einen Freund an einem solch wichtigen Tag unterstützen sollte. Und trotzdem schafft es Ascot gleichzeitig auch mir damit zu helfen. Allerdings ist es mehr Miss Beaufort, die auf einen Artikel bestanden hat.“

„Nun, ich bin gespannt, welche Zeitung den besseren Artikel über die Verlobung schreiben wird. Die Times oder die Golden Times“, meinte Mrs. Smith lächelnd und James konnte nicht umhin, verschwörerisch zu grinsen.
„Da lediglich die Golden Times vor Ort sein wird, dürfte die Antwort recht einfach fallen.“ Er lehnte sich ein Stück zurück. „Nicht, dass es anders nicht ebenfalls einen klaren Sieger gegeben hätte. Werdet Ihr ebenfalls der Veranstaltung beiwohnen?“
Noch während er den letzten Satz sprach, hörte der Vampir ein Knacken hinter einer Hecke und spannte alarmiert die Muskeln an.
Doch zu seinem Missfallen näherten sich dort Lord und Lady Crawford. Der nicht minder anstrengende Cousin von Sir Donnegal und seine nicht minder nervige Gattin.
James war sich nicht sicher, ob er nicht doch eher ein paar Venatoren diesen beiden Gestalten vorgezogen hätte.
Sicherlich hätten diese bessere Manieren als das Ehepaar besessen.
Und etwas mehr Zurückhaltung.

„Oh, Sir Percy! Guten Abend Mrs. Smith. Was für ein Zufall Sie beide hier zu treffen!“, grüßte Sir Crawford überschwänglich. Von Zufall konnte schlecht die Rede sein. Manchmal hatte er das Gefühl, dass der gesamte Stammbaum der Donnegals ihn verfolgte, um ihm den letzten Nerv zu rauben.
Kurz ging James Blick zu seiner Gesprächspartnerin.
Er konnte nur hoffen, dass der Lord und die Lady wieder einmal zu beschäftigt damit sein würden, ihm irgendeinen Artikel aufzuschwatzen, der nicht das Papier Wert war, auf dem er gedruckt war.
Auf Gerüchte, dass Mrs. Smith einen Liebhaber hatte, konnte der Adlige getrost verzichten. Auch wenn sein Konkurrent diese Geschichte sicherlich nur allzu gern ausschlachten würde.

Natürlich fing Sir Crawford sofort an, sein Unternehmen anzupreisen, ohne auch nur einmal Luft zu holen. Das Ganze begleitet von dem permanenten Nicken seiner Gattin und ein paar zustimmenden, überflüssigen Bemerkungen, die deutlich machten, dass sie nicht den blassesten Hauch hatte, worüber ihr Gemahl gerade sprach.
Kurz war James versucht, dem Adligen auf die Nase zu binden, dass bereits ein Journalist von ihm als Arbeiter getarnt in seinem Unternehmen war und untersuchte, wie es zu den plötzlichen Zusammenstürzen einiger seiner Gebäude kommen konnte.
Das hätte das Gespräch sicherlich kürzer gehalten. Wenn auch immer noch länger als James lieb war.

„Oh, meinen Sie jene Bautechniken, die hier in London bereits einzelne Gebäude zum Einstürzen gebracht haben?“, erkundigte sich Mrs. Smith und der sarkastische Unterton ihrer Bemerkung war nicht zu überhören.
James unterdrückte ein Grinsen.
Und es fiel ihm nicht leicht, wenn er so hörte, wie geradlinig sie dem Lord in die Parade fuhr.
Diesem war seine Wut deutlich anzusehen und sofort begann er mit flüchtigen Ausreden sich vor James zu rechtfertigen. Am liebsten hätte James ihm gesagt, dass er dies besser Mrs. Smith sagen würde und nicht ihm, da er ja keinerlei Bedenken geäußert hatte.
Das hatte er auch nicht nötig, denn der Artikel, der spätestens in ein paar Wochen in der Golden Times erscheinen würde, sollte für sich selbst sprechen.

Mrs. Smith schien ebenfalls sehr amüsiert über ihren Konter zu sein und nippte an ihrem Sektglas.
Einen Nachteil hatte ihre Entgegnung allerdings. Denn nun versuchte der Lord alles Mögliche, um seine hochmodernen Bautechniken den Beiden Sitzenden schmackhaft zu machen.
Auch hier half seine Frau immer wieder aus, sodass es weder Mrs. Smith noch Sir Percy vergönnt war, das Weite zu suchen.
Ein Seufzen unterdrückend fragte sich James womit er das verdient hatte.
Eigentlich war er vor solchen Gesprächen in den Garten geflüchtet und das Ganze artete nun wirklich aus.

„Bitte verzeihen Sie, aber ich würde kurz noch einmal reingehen und mir etwas Sekt holen“, unterbrach Mrs. Smith den Lord kurz. Fassungslos fiel James‘ Blick auf das leere Glas in den Händen seiner Leidensgenossin.
Sie wollte ihn doch nicht wirklich mit ausgerechnet diesen Beiden hier zurücklassen?
Wo war ein Venator, wenn man einen brauchte.
Schnell fasste sich James wieder.
Das war der Nachteil, den diese Arbeit nun mal mit sich brachte.
Leider war er, auch wenn er ernsthaften Journalismus betreiben wollte, auf den Einfluss solcher Leute angewiesen. Und in diesem besonderen Fall durfte er nicht die Ermittlung seines Journalisten gefährden, indem er den Lord dazu veranlassen würde, irgendetwas an seiner bisherigen Arbeitsweise zu verändern.
Mrs. Smith hatte damit natürlich nichts zu tun und im Prinzip hatte er auch nicht wirklich etwas davon, wenn sie sich das Geschwafel genauso anhören musste. Dennoch war es irgendwie tröstlich zu wissen gewesen, dass man nicht der Einzige war, dem gleich die Ohren bluten würden.

Doch zu James‘ großer Überraschung kehrte die Adlige wieder zurück. Und das schneller als man hätte erwarten können und noch dazu mit einem leeren Glas. Einen Whisky würde James jetzt auch gut vertragen. Damit wäre das einseitige Gespräch sicherlich besser zu ertragen.
Während sich Mrs. Smith setzte und verkündete, dass sie lieber eine Pause vom Sekt einlegen wollte, sah der Vampir sie überrascht an.
Niemand – und wirklich niemand – verbrachte freiwillig Zeit mit den Crawfords. Und das auch noch nüchtern. Und für dieses Ehepaar war man immer zu nüchtern, soviel war sicher.
Irgendetwas stimmte nicht.
Nur zu gern hätte der Adlige gewusst, was hinter dem plötzlichen Sinneswandel steckte.
„Ja, Frauen und Alkohol! Selbst ein Glas Sekt kann für den zierlichen Körper einer Frau schon zu viel sein!“, lachte Sir Crawford und James verzog das Gesicht.

Bevor James jedoch dazu kam, darauf etwas zu erwidern, bat Mrs. Smith lächelnd darum, mehr über Lord Crawfords Arbeit zu erfahren.
Entgeistert sah James zu der Adligen.
Das konnte unmöglich ihr Ernst sein.
Jetzt konnte er sich sicher sein, dass etwas im Busch war.
Oder war die junge Frau womöglich durch die permanente Beschallung wahnsinnig geworden?
Anders jedenfalls ließ sich diese Bitte nicht erklären, der der Adlige natürlich freudestrahlend nachkam.

Unauffällig suchten James Augen den Garten ab. Hatte Mrs. Smith womöglich einen Eindringling entdeckt und hatte Angst allein hier draußen zu sein?
Vielleicht war sie auch umgeknickt und ihr war es peinlich durch den Saal zu humpeln. Aber James war sich sicher, dass ihr Gang normal gewirkt hatte, als sie zurückgekehrt war.
Was es auch sein mochte, es war an der Zeit, dass er wie ein Gentlemen reagierte und etwas tat, das er längst hätte tun sollen.
„Sir Crawford, so gern ich auch ihren Ausführungen lausche. Ich fürchte, dass es unseren Begleitungen doch allmählich kalt wird, meinen Sie nicht auch?“

Überrascht sah Sir Crawford zu seiner Frau, die ebenfalls etwas verblüfft war. Vermutlich waren sie es nicht gewohnt, dass man sich aus der Schockstarre erholte, in die sie einen versetzten.
Entschlossen stand Sir Percy auf und reichte Mrs. Smith seinen Arm, um sie zurück zum Ballsaal zu begleiten.
Auf dem Weg ließ es sich Sir Crawford selbstverständlich nicht nehmen, weiter über sein Unternehmen zu reden. Da er jedoch hinter James und Mrs. Smith lief, musste der Vampir jedoch nicht noch Interesse heucheln oder so tun als würde er wirklich zuhören.
Als sie endlich den Ballsaal erreichten war James darum dankbarer wie nie.
Im selben Moment setzten die Musikanten zu einem neuen Lied an.
Die perfekte Gelegenheit.

„Entschuldigen Sie uns bitte, Lord und Lady Crawford, aber Mrs. Smith hatte mir den nächsten Tanz versprochen.“
Normalerweise würde er niemals eine Dame zu einem Tanz oder etwas anderem nötigen. Aber die Crawfords ließen einem einfach keine Wahl.
Als Vampir mochte James zwar in der Lage sein, anderen das Blut aus den Adern zu saugen, doch er schwor, die Crawfords hatten das einmalige Familientalent, anderen das Leben auszusaugen.
Erleichtert genug Abstand zwischen sich und diese Adligen gebracht zu haben, blieb James am Rand der Tanzfläche stehen.

„Verzeihen Sie, dass ich Sie praktisch entführt habe, aber Lord Crawford wirkte mir eine Spur zu enthusiastisch, bis zum Morgengrauen weiterzureden.“
Lächelnd stellte sich James vor Mrs. Smith und hielt ihr die Hand hin. „Selbstverständlich steht es Ihnen frei, ob Sie den nächsten Tanz mit mir teilen wollen. Vielleicht wollen Sie mir dann auch gerade noch verraten, was Sie dazu bewegt hat, zurückzukehren. Ich nehme stark an, dass Sie nicht auf einmal Mitleid mit mir bekommen haben.“
Grinsend und auffordernd sah er Mrs. Smith in die Augen, gespannt darauf, was sie entgegnen würde.




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im Ballsaal | mit einer adligen Dame
Damian fiel es ausgesprochen schwer, den absurd schlechten Wein seiner ausgesprochen redseligen Gesprächspartnerin, sofern von einem Gespräch bei diesem Monolog überhaupt die Rede sein konnte, nicht gleich überzukippen oder noch besser dem nächstbesten Kellner eine Flasche zu entreißen und auf ihr niederzuschmettern.
Mit solch nervtötenden Leuten vermied er in der Regel jeglichen Umgang.
Und das aus gutem Grund.
Allein die Gegenwart solcher Idioten ließ ihn Gefahr laufen, seine Identität auffliegen zu lassen.
Dabei hatte er es sich in London doch wirklich schön eingerichtet.
Wenn auch die Langeweile ihn hin und wieder dennoch übermannte.

Wenn Samuel es jedoch jemals wieder versuchen sollte, ihn zu überreden, in seiner Stimmungslage auf eine solche Feierlichkeit zu gehen, dann würde er sich schneller im Keller wiedersehen als ihm lieb war, soviel war sicher. Samuel konnte nur hoffen, dass diese Schnepfe vor Damian später dumm genug war, um unauffällig und schnell mit diesem mitzukommen.
Denn für ihr Gelaber würde Damian sie auf jeden Fall noch auf die ein oder andere Weise bezahlen lassen. So viel war sicher.
Immerhin dafür hätte es ein Gutes, sich den ganzen Mist, den sie von sich gab, anzuhören.

Die Adlige bemerkte in ihrer selbstgefälligen Blase auch nicht, wie sich ihnen jemand von hinten zügig näherte. Ein Mann, dessen Blick anzuerkennen war, dass er ebenso gerne an diesem Ort war, wie Damian.
Hinter ihm trottete ein großer Hund, der nicht minder begeistert war, wie sein Herrchen. Eine perfekte Gelegenheit, um die Adlige, deren Namen Damian bereits nach den ersten beiden Worten nach ihrer Vorstellung schon wieder vergessen hatte, verstummen zu lassen.
Ihr Name würde ohnehin nicht mehr lange eine Rolle spielen.
Genauso wenig wie sie selbst.

Damian konzentrierte sich auf den Rücken der Frau und stellte sich vor, wie eine dicke, haarige Spinne unter dem Stoff hinunterkrabbelte.
Je detaillierter und realistischer er sich etwas vorstellen konnte, desto realer würde auch die Illusion werden, die er erschuf.
So dauerte es keine zwei Wimpernschläge und die Frau spürte, wie etwas unter ihr Kleid drang. Oder besser gesagt, sie dachte, etwas würde unter ihr Kleid kriechen.
Geschockt sprang sie nach vorne und schlug sich panisch mit ihrem Fächer auf den Rücken, während sie schrill nach Hilfe schrie.
In ihrer Hektik entging ihr vollkommen, dass sie den Hundebesitzer dabei umgestoßen und seine Aktentasche aus der Hand geschlagen hatte.

Gnädigerweise löste Damian die Illusion wieder, auch wenn es sicher ein Heidenspaß gewesen wäre, sie noch ein paar Minuten weiter so tanzen zu sehen. Einen Spaß, den er auf später würde verschieben müssen, wenn er nicht den ganzen Saal auf sich aufmerksam machen wollte.
Die Adlige beruhigte sich wieder und fächelte sich schwer atmend Luft zu, während sie auf dem Boden suchte, was sie derart verschreckt hatte.
Damians Blick hingegen huschte zu dem Mann, den sie angerempelt hatte.
Er wirkte alles andere, als wäre mit ihm gut Kirschen essen und Damian war gespannt, ob der Abend bereits jetzt um einiges spaßiger werden würde.




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auf dem Flur vor dem Ballsaal | mit John
Während John Penelope folgte, band er sich die Krawatte ab und steckte sie in seine Hosentasche. Penelope musste ihn wohl etwas verwirrt angesehen haben, denn er rechtfertigte sich sogleich, dass er eine zerfetzte Krawatte schlecht würde erklären können.
Penelope unterdrückte ein Grinsen, als sie daran dachte, wie er mit zerfetztem Hemd und zerrissener Hose vor dem Butler stand und stolz seine intakte Krawatte präsentierte.

„Du wirst immerhin wohl kaum ne Nähmaschine unter deinem Kleid dabeihaben“, meinte er schulterzuckend.
„Das nicht, aber Nadel und Faden“, murmelte Penelope leise und drückte sich schnell hinter eine Statue als der Vampir sich kurz nach hinten drehte.
Den Rest des Weges in die oberen Stockwerke schwiegen die beiden Venatoren, um nicht doch die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Schließlich ging die Adlige in einen Raum und drückte die Tür hinter sich zu.
Penelope hoffte, dass sie sich dort nicht mit einem Menschen verabredet hatte, um einen abendlichen Snack zu sich zu nehmen.
Sonderlich überrascht hätte es sie jedoch nicht. Ganz im Gegensatz zu dem, was die Vampirin wirklich beabsichtigte. Dass sie gerade im Begriff war, die Hausbesitzer um etwas von ihrem Besitz zu erleichtern, hätte Penelope nämlich nicht erwartet.
Nun, es war wohl nicht ausgeschlossen, dass hin und wieder ein Dieb zum Vampir wurde.

Hastig versuchte die Vampirin ihr Diebesgut hinter ihrem Rücken zu verstecken, während sie mit der anderen Hand auf mich zeigte. „Sie faules Ding schon wieder?!“, keifte sie - wohl in der Hoffnung, John und Penelope so lange ablenken zu können, bis sie die beiden gut angreifen konnte.
John verneigte sich formvollendet und Penelope knickste, wenn auch widerwillig. Solange die Tür offen war und man sie sehen konnte, durften sie nicht auffallen.
„Bitte verzeihen Sie, Miss. Wir waren besorgt, dass Sie sich verlaufen haben und wollten Ihnen den Weg zurück zeigen“, wand sich John höflich and die Adlige, während Penelope kurz auf den Flur sah, der nach allen Seiten hin leer war und zum Glück auch keine Verstecke bot.
Das hieß, in den nächsten Minuten würden sie mit Sicherheit nicht gestört werden.

Wortlos schloss Penelope die Tür, in der glücklicherweise noch der Schlüssel steckte.
Die Vampirin würde es wahrscheinlich weniger zurückhalten, aber falls doch ein Bediensteter in die Nähe kommen und den Lärm hören sollte, würde er nicht gleich mitten in den Kampf platzen und sich und ihre Identitäten damit in Gefahr bringen.

„Gut, dann wollen wir mal…“, verkündete John und zog seine Waffe aus seinem Ärmel. Im selben Moment wuchsen die Fangzähne des Vampirs und sie knurrte wütend.
John bat seine Kollegin noch, ihm Rückendeckung zu geben, ehe er sich auf die Vampirin stürzte.
Die Adlige ließ den Schmuck fallen, den sie eben noch versteckt gehalten hatte und duckte sich unter dem ersten Hieb von John hinweg.
Gleichzeitig holte sie mit ihrer Faust zum Schlag aus und der Venator konnte gerade noch zur Seite ausweichen.

Während Penelope den Kampf vor sich analysierte, um einen Weg zu finden, John aushelfen zu können, lockerte sie die Schürze, die zu ihrer Dienstkleidung gehörte.
Allerdings hatte sie sich erlaubt, ein paar Details abzuändern.
Denn im Gegensatz zu den Schürzen der anderen Dienstmädchen, waren die Bänder, die ihre zusammenhielt, innen hohl. Das bot einer dünnen, aber äußerst stabilen Silberkette Platz, deren Ende mit einer relativ kleinen, aber massigen Kugel beschwert war. Diese zog sie nun aus ihrer Schürze heraus und wickelte zuerst die Schürze und dann das leichte Ende der Kette locker um ihr Handgelenk.

In der Zwischenzeit hatte John es geschafft, die Vampirin an eine Wand des Raumes zu drängen, was allerdings nicht ganz spurlos am Inventar des Raumes vorbeigegangen war.
Die Schublade, an der sich der Vampir eben noch bedient hatte, war aus der Kommode gerissen worden und die hintere und die Seitenwand waren abgebrochen.
Wütend knirschte die Vampirin mit den Zähnen, dann nutzte sie die Wand, um sich davon abzustoßen und sich so mit mehr Schwung auf John zu stürzen.
Durch die Wucht wurde John nach hinten gegen einen Ständer mit einem Ballkleid geworfen, doch er konnte sich zur Seite abrollen, um wieder etwas Raum zwischen sich und die Adlige zu bringen.
Da er allerdings noch immer am Boden war, hatte die Vampirin einen deutlichen Vorteil, den sie sich zu Nutzen machen wollte, indem sie erneut zum Schlag ausholte.
Bevor sie jedoch dazu kommen konnte, hatte Penelope ihre Kette geschwungen und das Gewicht am Ende schlang sich um das Handgelenk des Vampirs. Mit aller Kraft riss Penelope an der Kette, sodass der Arm des Vampirs zur Seite flog.

Die Verblüffung des Vampirs hielt jedoch nur den Bruchteil einer Sekunde an, dann zerrte sie kräftig selbst an der Kette, was Penelope in ihre Richtung zog. Die Venatorin fing den Zug ab und suchte sich einen sicheren Stand, während die Adlige ihre freie Hand nutzte, um die Silberkette wieder loszuwerden. Auf ihrer Haut zeichneten sich schwarze Male ab, dort wo die Kette sich in sie hineingebrannt hatte.
Der Schmerz hatte sie aber lange genug abgelenkt, sodass John wieder aufstehen konnte und dabei seinen Dolch in ihre Seite stieß.
Der Vampir fauchte schmerzerfüllt und schlug nach dem Venator. Der Schlag katapultierte John die Waffe aus der Hand, woraufhin er die nächsten Angriffe mit bloßen Händen abwehren musste.
Penelope stürmte in die Ecke, in die die Waffe geflogen war und wartete kurz, bis die zwei Kämpfenden weit genug auseinander waren.
Sie rief nach ihrem Kollegen und warf ihm dann den Dolch zu, den John geschickt auffing und gleich davon Gebrauch machte.
Da die Vampirin jedoch rechtzeitig nach hinten gesprungen war, brachte ihr das nicht mehr als einen langen Schnitt am Unterarm ein.
Sie machte jedoch den Fehler, ihre Aufmerksamkeit wieder dem Venator zu widmen und Penelope außer Acht zu lassen, weshalb ihr erst zu spät auffiel, dass die Venatorin erneut ihre Waffe schwang und das Silber sich diesmal um ihren Hals wickelte.
Schmerzerfüllt riss die Vampirin ihren Mund auf, doch noch bevor sie dazu kam, aufzuschreien, stach John ein letztes Mal zu und die Vampirin zerfiel zu Staub.

Erleichtert wollte Penelope aufatmen, doch am Rand ihrer Augenwinkel nahm sie eine minimale Bewegung wahr.
Irgendjemand stand vor der Tür und war gerade im Begriff, die Türklinke herunterzudrücken.
Und sollte dieser jemand beschließen, dass es besser wäre,  die Tür aufzubrechen würde das für sie beide ein riesengroßes Problem werden.
Viel Zeit blieb Penelope also nicht zum Überlegen.
Sie schnappte sich das Kleid, das samt Ständer zu Boden gegangen war, legte es schnell über die Überreste der Vampirin und schob dabei ihre Silberkette zwischen die Laken.
Dann drückte Penelope John gegen die Kommode hinter ihm, schlang ihr linkes Bein um ihn herum presste sich so dicht es ging an ihn.
Von hinten musste es aussehen als hätten die beiden gerade den Spaß ihres Lebens. Dabei war Penelopes Herz so tief gerutscht, dass sie befürchtete, dass es jeden Moment zwischen ihnen beiden auf dem Boden liegen würde.

Die rechte Hand auf die Wange ihres Kollegen gelegt, als würde sie ihn zu sich ziehen wollen und nur ihren Daumen, der ihre Lippen voneinander trennte, blieb die Venatorin in der Position verharren. „Da ist jemand an der Tür“, flüsterte sie leise und dachte fieberhaft nach, wer es sein könnte.
Schließlich realisierte Penelope, dass niemand die Tür aufgebrochen hatte und keiner das Zimmer betreten würde.
Sie spürte, wie ihr Gesicht warm wurde.
Gott, sie wollte lieber nicht wissen, was ihr Kollege gerade von ihr dachte.


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#11 Am 08.03.2022 um 12.45 Uhr

Absynthgarde
MitsukiMizu
Recrute
MitsukiMizu
...
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Auf dem Weg zum Ballsaal → Auf dem Weg zurück zu Eireann

Immer noch ärgerte ich mich ein wenig darüber, wie das Gespräch mit der Dämonin von Statten gegangen war. War ich wirklich eine so schlechte Gesellschaft? Ja, ich hatte manchmal einen etwas zu herben Spruch drauf und vielleicht könnte ich mit der einen oder anderen Aussage ziemlich sexistisch herüberkommen. Aber ich liebte die Frauenwelt einfach! Ehrlich! Ich verehrte sie sogar. Frauen waren viel schöner, als wir Männer, und bei vielen traf es sicherlich auch zu, dass sie wesentlich schlauer waren. Bei mir würde ich zwar nicht so weit gehen, aber… ich kannte genug Exemplare, worauf dies zutraf! Man verkannte mich. Aber ich konnte meine Art nun einmal nicht ablegen. So war ich nun einmal.
Schließlich wischte ich die schlechten Gedanken bei Seite. Es nützte nichts, sich über diese Dämonin aufzuregen. Sie würde es schon früh genug bereuen, dem ganzen hier keine Chance zu geben.
Nun schlich sich wieder ein Grinsen auf meine Lippen.
Immerhin war ich der Beste. Offensichtlich. Und dann suchte ich mir eben eine andere schöne Frau, die mir mein Bettchen heute Nacht wärmen würde. Vielleicht konnte ich mir dann auch noch einen köstlichen Snack gönnen. Blut mit Alkoholgeschmack war immer wieder etwas besonderes.
Plötzlich wieder mit guter Laune durchflutet, lief ich die Treppe hinunter.
Sicherlich wären mir als Normalsterblicher die Geräusche nicht aufgefallen und ich wäre ohne zu Zögern weiter zum Ballsaal gegangen. Nun, aber ich war nun einmal Unsterblich. Und meine Sinne waren viel geschärfter.
So entging es mir nicht, dass Kampfgeräusche an mein Ohr drangen. Und es klang alles andere als nach einem kleinen schönen Übungskampf. Ganz im Gegenteil.
Ich konnte nur grob ausmachen aus welcher Richtung die Geräusche kamen und sah einmal an der Treppe vorbei tiefer in das Gebäude hinein. Jedoch entschied ich mich dagegen, genau nachzusehen, wo der Kampf stattfand. Stattdessen packte mich eher der Wunsch, diese Party so schnell es ging zu verlassen. Auf eine Begegnung mit Venatoren konnte ich wahrlich verzichten.
Ich zögerte kurz, sah die Treppe wieder hinauf. Einen Moment lang rang ich mit mir selbst, aber schließlich wandte ich mich um, und eilte fluchend die Treppe wieder hinauf.
Die Tür zum Kaminzimmer riss ich energischer auf, als ich eigentlich gewollt hatte. Ernst sah ich Eireann an. Man hätte meinen können, dass ich durch diesen Sprint aus der Puste war, jedoch auch hier zeichnete sich die Vorteile der Vampire wieder. Ich hätte wohl noch Stunden so weiter rennen können ohne etwas zu merken.
„Venatoren. Such Mr. Percy und haut ab von hier.“


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Vor der Tür hinter dem der Kampf stattfindet → auf der Suche nach Elisabeth


Ich hatte die beiden potentiellen Venatoren so weit verfolgt, dass ich noch sah, wie sie hinter eine Tür verschwanden und diese hinter Ihnen schlossen. Mein Blick huschte kurz durch die angrenzenden Gänge hin und her, jedoch konnte ich keine weitere Menschenseele hier entdecken. Nur um mich zu vergewissern, dass sie wirklich noch da waren, glitt eine Hand kurz unter mein Kleid. Kalter Stahl schmiegte sich an meine Haut und gab mir einen kurzen Moment wieder die Ruhe zurück, die der Aufregung gewichen war. Ich brauchte hier einen kühlen Kopf. Es würde mich nachher nur das Leben kosten, wenn ich wie ein aufgescheuchtes Huhn handelte.
Also schlich ich mich nun in Richtung der Tür, immer darauf bedacht, dass mich niemand dabei sah. Schließlich, als ich vor der Barriere stand, die mich von dem Raum trennte, legte ich mein Ohr auf das Holz.
Lange Zeit war nur eine Art Gemurmel zu hören, zumindest konnte ich die Worte, die gesprochen wurden, nicht wirklich verstehen. Nach einem Fauchen, ertönten schließlich Kampfgeräusche.
Ganz klar! Das hier waren Venatoren! Und sie begingen gerade einen Mord!
Kurz überlegte ich, mein Blick glitt zu dem Türknauf hinunter. Sicherlich hatten sie abgeschlossen, aber einen Versuch war es wert. Auch wenn ich zunächst zögerte. Wenn diese Tür auf war. Was würde ich dann als nächstes Tun? Vielleicht war der Überraschungseffekt auf meiner Seite und die Vampirin konnte mir helfen. Aber woher sollte diese wissen, dass ich zu den Guten gehörte und ihr nur helfen wollte? Nachher lief ich Gefahr selbst angegriffen zu werden. Hilfe zu holen wäre die nächste Option, immerhin wusste ich grob, wo sich Mrs. Smith  befand. Aber das kostete Zeit, die ich eigentlich nicht hatte.
Ich atmete tief durch, meine Hand befand sich nun um den Knauf einer meiner Kurzklingen gelegt, während ich mit der anderen versuchte, die Tür zu öffnen.
Jedoch war abgeschlossen.
Wie ich schon vermutet hatte.
Fluchend rüttelte ich ein wenig daran, jedoch änderte sich nichts an diesem Zustand.
Verdammt, mir lief die Zeit davon!
Ich musste mich beeilen!
Auf dem Absatz machte ich kehrt und begann zu rennen. Das war mit den Schuhen, die ich wegen diesem Anlass anziehen musste, wirklich ein Kunststück! Aber irgendwie gelang es mir, mir nicht alle Hachsen bei dieser Aktion zu brechen.
Im Ballsaal sah ich mich schnell um. Vielleicht war Mrs. Smith kurz wieder hineingekommen?
Kurz bevor ich weiter in den Garten rennen wollte, sah ich, wie die gesuchte Vampirin mit jemanden an ihrer Seite wieder den Saal betrat und sich am Rande der Tanzfläche einfand.
Verdammt. Ich würde also nicht offen mit ihr sprechen können. Immerhin wusste ich nicht, ob dieser Typ neben ihr auch ein Vampir war!
Ich bahnte mir einen Weg durch die Menschenmenge, was erstaunlicherweise mir mehr Mühe bereitete, als erwartet.
Erleichtert amtete ich tief durch, als ich schließlich vor Mrs. Smith zum Stehen kam. Mir entging nicht, dass ich gerade eine Konversation mehr als störte, da der Blick des Mannes gespannt auf der Vampirin zu liegen schien. Aber das war nun wirklich zweitrangig. Flirten konnte Mrs. Smith auch später weiter noch!
„Mrs. Smith, entschludigen Sie die Störung, aber… erinnern Sie sich an das, was ich Ihnen vorhin erzählt habe?“
Ich sah ihr tief in die Augen. „Es ist wahr.“
Mein Blick glitt zu dem Mann neben ihr. Wenn er ein Vampir war, würde er die nächsten Worte sowieso verstehen. Wenn er keiner war, dann wäre ich auf der sicheren Seite.
Ich lehnte mich ganz weit zu Mrs. Smith hinüber und flüsterte ihr so leise ich konnte in ihr Ohr: „Sie versuchen gerade dabei einen Vampir zu töten. Sie haben die Tür verschlossen, deswegen konnte ich nicht helfen.“
Ich stellte mich wieder gerade hin und sah sie auffordernd und ernst an.


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Auf dem Weg nach draußen → mit Damian und der Dame


Anscheinend würde mir an dem heutigen Abend wirklich nichts erspart bleiben. Umso deutlicher fragte ich mich, wieso ich mich erneut darauf eingelassen hatte, mich an so einem gottverdammten Ort wie eine Party mit einem potentiellen Kunden verabredet zu haben. Dieses Mal würde ich jedoch daraus gelernt haben. Solche Orte waren in Zukunft gestrichen und auf alle Fälle Tabu!
Denn hätte ich nicht gedacht, dass meine Laune noch weiter sinken könnte, wurde ich gerade eines besseren belehrt.
Der rettende Ausgang war schon zu sehen, es waren nur noch wenige Schritte, bis ich den mir wohlverdienten Nach-Hause-Weg antreten konnte, als eine mir fremde Frau plötzlich komplett hysterisch wurde. Ich konnte mich kaum zur Seite bewegen, da hatte sie sich schon mit aller Wucht gegen mich geschmissen. Dabei schlug sie zu allem Überdruss mir auch noch meinen Aktenkoffer aus der Hand. Zunächst konnte ich mich nur wenig darüber ärgern, da ich mit Contenance versuchte  mein Gleichgewicht wiederzufinden und nicht wie mein Koffer über den Boden zu schlittern.
Als ich wieder festen Halt verspürte, schloss ich langsam meine Augen und atmete einmal tief durch. Ich spürte, wie meine Pulsader am Hals anfing energisch zu pochen, während sich mein Puls vor Wut verdoppelte.
Genauso langsam öffnete ich die Augen wieder und warf dieser unvorhergesehenen Gefahrenquelle einen bösen Blick zu. Diese schien jedoch gar nicht zu bemerken, was ihr geistiger Ausfall für einen Schaden verursacht hatte, da sie hektisch ihren Blick über den Boden schweifen ließ.
Kurz folgte ich ihren Blick, jedoch mag ich nicht zu sagen, was diese Frau so in Aufruhr gebracht haben könnte, weswegen sich langsam meine Augenbraue hob. Mein Blick wandelte sich von bösartig zu missbilligend.
Die Dame war eindeutig vollkommen übergeschnappt. Durfte so etwas überhaupt frei rumlaufen? Wie man sehen konnte, war sie eine Gefahr der Allgemeinheit!
Das Knurren meines Dobermanns riss mich aus meinen Gedanken, während ich diesem eine Hand auf den Kopf legte.
„Nein.“
Ein Wort genügte und er setzte sich wieder brav neben mich. Wenn auch sein Blick nun mehr als missbilligend mir galt. Ich verstand ihn. Am liebsten hätte ich ihm auch das ok gegeben sich dieser Frau anzunehmen. Aber ein Blutbad konnte man auf einer Party sicherlich schwer verschleiern. Und ich konnte diese Art von Aufmerksamkeit bei meiner Stimmung überhaupt nicht gebrauchen.
Erst jetzt bemerkte ich, dass neben der Frau noch ein Mann stand, der mich sehr interessiert zu mustern schien. In welchem Verhältnis die beiden standen, konnte ich auf dem ersten Blick nicht ausmachen und es war mir auch herzlichst egal.
„Sie braucht Medikamente“, sagte ich zu ihm gewandt. Nun las ich meinen Koffer auf, der zu meiner Zufriedenheit nicht aufgesprungen war. Einen Haufen Zettel zusammen zu suchen hätte mich nun wirklich den letzten Nerv gekostet.
„Und Sie sollten in Erwägung ziehen Sie in eine Geschlossene einzuweisen.“
Ich schüttelte den Kopf, während ich aus dem Augenwinkel bemerkte, wie die Dame nun anscheinend aus ihrer hektischen Suche gerissen wurde und mich mit Bestürzung anstarrte.
Ich begutachtete nun mein Outfit und zog ein paar Falten glatt. Zu meiner Erleichterung war mein Anzug sonst noch in einem guten Zustand. Was für ein Grauen wäre es gewesen, wenn diese Frau auch noch ein Getränk in der Hand gehabt und dieses über mich ergossen hätte!
Ich schüttelte mich kurz bei diesem Gedanken, zog noch einmal an meinem Jackett, bevor ich mich aufmachen wollte, diese manifestierte Hölle zu verlassen.



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im Garten in der Nähe von Elisabeth und James → folgt den beiden


Wie konnte man nur so viel Schwafeln?
Genervt pustete ich die Luft aus meinen Lungen, während ich meine Stirn kurz gegen die Statue vor mir drückte.
So viele leere Worte bereiteten mir wahrlich Kopfschmerzen.
Zu meinem Erstaunen hatte ich an der Position der Statue nicht nur den Vorteil gehabt, dass ich weitestgehend vor ungewollten Blicken geschützt gewesen war, ich hatte sogar das Glück gehabt, dass ich nun dem Gespräch weitestgehend folgen konnte. Im Nachhinein bereute ich dieses Glück wahrlich, entpuppte es sich doch als wahrer Fluch.
Solche Partys mit gehobener Gesellschaft war wirklich nicht meine Tasse Kaffee. Nicht, wenn sie solche Gäste beinhaltete, wie diese beiden. Crawfutts hießen diese, so wie ich verstanden hatte. Auch wenn ich mir diesbezüglich nicht ganz so sicher war.
Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich schließlich von meiner Qual erlöst, als schließlich die Begleitung meiner Vampirin das Gespräch auflöste und sich mit dieser auf den Weg zum Ballsaal machte.
Ich musste nun wirklich vorsichtig sein. Je nachdem, wo sich diese genau hinstellten, würde ich nicht unbemerkt ebenfalls in den Ballsaal kommen, und wenn ich ganz viel Pech hatte, würde ich sie sogar in der Menge verlieren.
Ich musterte die zurückgelassenen Crawfutts, die sich über diese Unhöflichkeit zu beschweren schienen. Scheinbar schienen diese aber nicht vorzuhaben, ihren Weg ebenfalls wieder zurück in die Räumlichkeiten anzutreten, weswegen ich nun beschloss, dass es sicher genug war, der Vampirin wieder zu folgen.
Dies tat ich mit einer gesunden Entfernung. So weit weg, dass sie mich weiterhin nicht bemerken würde, so hoffte ich, aber nah genug, dass ich sie nicht sofort aus den Augen verlieren würde, wenn sie wieder nach Drinnen gegangen waren.
Schließlich beobachtete ich, wie der Herr an ihrer Seite sie an den Rand der Tanzfläche geleitete. Blöder Weise für mich, war dies zu nah an der Tür. Es erschien mir zu gefährlich, einfach durch diese zu schreiten und mich irgendwo in der Nähe zu positionieren. Einfach viel zu auffällig.
Ich blieb also am Rand der Treppe stehen, die zu der Gartentür zum Ballsaal führte. Mir war bewusst, wie auffällig das für andere wirken musste. Wenn ich aber Glück hatte, würden mich blöde Fragen erspart blieben. Innerlich rückte ich jedoch schon ein paar Ausreden zurecht, die mir dann hoffentlich schnell wieder Ruhe verschaffen würden.
Ich verengte die Augen, als sich erneut diese eine junge asiatische Dame zu der Vampirin und dem Mann gesellte und sich dann auch noch zu dieser hinbeugte. So langsam erhärtete sich mein Verdacht, dass sie die Lakaiin von der Vampirin war! Ich würde nie verstehen, wie man sich so etwas freiwillig antun konnte! Ich hatte für solche Menschen nichts anderes als Missbilligung und Abscheu übrig.

Letzte Änderung durch MitsukiMizu (Am 08.03.2022 um 16.05 Uhr)


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#12 Am 09.03.2022 um 17.53 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
...
Nachrichten: 608

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Mit James Percy im Garten/Im Saal -> mit Keiko

Was musste man nicht alles ertragen, wenn man Venatoren aus dem Weg gehen wollte… Gut, bisher war sich die Vampirin nicht einmal sicher, ob dieser Geruch zu einem Venator gehörte oder nicht, aber ihr Glück herausfordern wollte sie auch nicht.
Dafür musste Lis nun den restlichen Abend die Ausschweifungen ihres Gegenübers anhören …und das ohne Unterstützung durch Alkohol. Vielleicht wäre die mögliche Konfrontation mit einem Venator doch die bessere Wahl gewesen dachte sie sich bereits nach fünf Minuten, während ihre Mundwinkel jetzt schon wehtaten von ihrem aufgezwungenen Lächeln.
„…und aufgrund der geologischen Besonderheiten und den Niederschlägen in London.“
„Sir Crawford, so gern ich auch ihren Ausführungen lausche. Ich fürchte, dass es unseren Begleitungen doch allmählich kalt wird, meinen Sie nicht auch?“ Mischte sich nun zum ersten Mal Sir Percy ein und Sir Crawford sowie seine Frau verstummten ganz verblüfft. Für Lis war das eine wahre Erlösung.
Jener stand auf und reichte ihr vornehm seinen Arm bevor er sie zurück in Richtung des Ballsaales führte ohne dass ihre zwei Gesprächspartner etwas dagegen hätten einwenden können. Nun konnte Lis auch endlich ihr aufgesetztes Lächeln fallen lassen, während die beiden es sich nicht nehmen ließen noch weiter zu erzählen. Die Vampirin bekam davon nicht wirklich etwas mit. Sie konzentrierte sich nach wie vor auf ihre Umgebung, als der Geruch von vorhin wieder stärker wurde. Aber gleich wie zu vor, konnte sie nichts entdecken…
Kaum dass sie den Saal wieder betreten hatten, setzten die Musikanten zu einem neuen Stück an.
„Entschuldigen Sie uns bitte, Lord und Lady Crawford, aber Mrs. Smith hatte mir den nächsten Tanz versprochen.“ Sprach Sir Percy höflich. Nun, genau genommen konnte sich Lis nicht entsinnen, ihm jemals so etwas versprochen zu haben, aber wenn Sie die Wahl zwischen einem Tanz mit Sir Percy und einem weiteren Monolog der Crawfords hatte, musste sie nicht lange überlegen. Letztere waren dann auch recht schnell verschwunden.
„Verzeihen Sie, dass ich Sie praktisch entführt habe, aber Lord Crawford wirkte mir eine Spur zu enthusiastisch, bis zum Morgengrauen weiterzureden.“ Sprach der Besitzer der Golden Times vor ihr entschuldigend.
„Nun, diese Befürchte hatte ich auch …und ich bin froh, dass Sie es unterbunden haben, Sir Percy“ sprach sie leicht amüsiert. Lächelnd hielt er ihr eine Hand hin.
„Selbstverständlich steht es Ihnen frei, ob Sie den nächsten Tanz mit mir teilen wollen. Vielleicht wollen Sie mir dann auch gerade noch verraten, was Sie dazu bewegt hat, zurückzukehren. Ich nehme stark an, dass Sie nicht auf einmal Mitleid mit mir bekommen haben.“ Grinste er sie an.
„Nun, ich fürchte, da muss Ihnen zustimmen.“ Gestand sie grinsend.
„Ich habe mich nicht ganz wohl gefühlt das war alles.“ Sprach sie höflich. Wie sollte sie einem Menschen auch etwas über Venatoren erzählen. Dies war eine Welt außerhalb ihres Verständnisses, wenn man nicht zu den wenigen gehörte, die in diese bereits eingedrungen waren.
„Und ich wür…“ Lis wollte Sir Percy gerade ihre Hand reichen als Keiko plötzlich vor ihr erschien und sie in ihrem Satz unterbrach. Das Mädchen sah recht abgehetzt aus. Der fragende Blick der Vampirin ruhte auf ihr, während jene kurz zu Atem kam und sich sammelte.
„Mrs. Smith, entschludigen Sie die Störung, aber… erinnern Sie sich an das, was ich Ihnen vorhin erzählt habe?“ Die junge Asiatin sah ihr tief in die Augen. „Es ist wahr.“
Nun, das war für Lis nicht wirklich überraschend oder etwas neues. Auf derartiges stellte sie sich immer ein, wenn sie größere gesellschaftliche Anlässe besuchte. Außerdem hatte die Vampirin bereits selbst die Vermutung, dass irgendwo in der Nähe sich ein Venator aufhalten musste.
Das Mädchen kam noch ein weiteres gutes Stück näher, bevor sie ihr etwas ins Ohr flüsterte.
„Sie versuchen gerade dabei einen Vampir zu töten. Sie haben die Tür verschlossen, deswegen konnte ich nicht helfen.“ Auffordernd und Ernst sah Keiko sie an, was auch immer sie ihr damit genau sagen wollte.
Die Vampirin wandte sich an ihren Tanzpartner der abzuwarten schien, ob sie nun einwilligte oder nicht.
„Sir, Percy bitte entschuldigen Sie mich für einen Moment. Es gibt erst etwas, um das ich mich kümmern muss. Danach jedoch tanze ich sehr gerne mit Ihnen.“ Sprach Lis höflich. Sie würde sich bis dahin überlegen, welche Erklärung sie ihrem Gegenüber geben würde in Bezug auf Keiko. So vertraut wie das Mädchen mit ihr umging, würde sie Sir Percy nicht glaubhaft machen können, dass es sich dabei lediglich um etwas geschäftliches handelte.
„Komm mit.“ Die Vampirin bahnte sich ihren Weg aus dem Saal mit Erics Schützling hinter ihr. Hier im Saal würden Sie nirgendswo eine Ecke finden, die abgeschottet genug war, dass sie frei sprechen konnten. Sie führte sie durch die Flure hindurch in eine abgelegene Ecke fern ab von den anderen Gästen. Kurz lauschte sie, ob jemand in ihrer Nähe war.
„Gut, wir sind allein. Also, was willst du mir damit sagen, Keiko?“ ruhig sah Lis sie an, während das Mädchen immer noch gehetzt aussah und ihr erklärte, dass sie ihre Hilfe brauchte um die Vampirin zu retten.
„Weißt du, um wen es sich handelt und wie viele Venatoren darin involviert sind?“ fragte Lis nur genauso ruhig wie zuvor. Als sie die Antwort hörte, war sie doch recht erstaunt.
„Ich wusste nicht, dass Miss Beatrix zu unserer Art gehört.“ Sprach sie überrascht, während Keiko nach wie vor versuchte sie zum mitkommen zu bewegen.
„Nein.“ Lehnte die Vampirin ab und konnte in den Augen ihres Gegenübers ganz genau sehen, dass das nicht die Antwort war, die sie sich erhofft hatte.
„Versteh mich nicht falsch Keiko. Es ist nicht so, dass ich dir nicht helfen will – oder Miss Beatrix – es ist nur so, dass es entweder bereits ein sinnloses Unterfangen ist oder eines, dass einen ins Grab befördern würde.“ Erklärte sie ihr ruhig.
„Ich weiß nicht, ob Eric dir diese Lektion schon beigebracht hat, wenn nicht, werde ich es jetzt tun: Als Vampir lebt man am längsten, wenn man Venatoren grundsätzlich aus dem Weg geht. Sich in einen Kampf einzumischen, ohne die Gewissheit, dass man als Sieger hervorgeht und die Venatoren ausschaltet, ist Selbstmord. Egal in welcher Situation.“ Sprach die Vampirin ruhig.
„Alleine gegen zwei Venatoren kannst du nicht mit Sicherheit sagen, dass sie nicht bereits tot ist. Ich befürchte, dass sie es bereits war, als du zu mir gekommen bist. Selbst wenn sie es nicht ist, ist es absolut unmöglich sich an einer Feier wie dieser einzumischen, ohne dass es auffällt.“ Nahm sie dem Mädchen den Wind aus den Segeln.
„Deine Kleidung würde unweigerlich Kampfspuren und Blutflecken davon tragen. Wie willst du das jemandem erklären? Selbst wenn du davon ausgehst, dass du diese zwei Venatoren töten kannst, wie und wo willst du ihre Leichen entsorgen? Du hast an einem Ort wie diesen keine Möglichkeit das unbemerkt zu tun. Selbst wenn du behauptest, dass es Notwehr war, sind deine Chancen gering, dass man dir glauben wird. Das einzige was du damit erreichen würdest ist, dass die Polizei gegen jeden hier anwesenden als potentiellen Mörder ermittelt. Die Wahrscheinlichkeit ist sogar relativ groß, dass die Venatoren diesen Fall selbst übernehmen würden. Ich befürchte nämlich dass hier mindestens noch ein weiterer Venator ist.“ Sprach Lis ruhig.
„Sich in solche Kämpfe einzumischen, kann sinnvoll sein, wenn sie draußen auf der Straße stattfinden, ohne Zeugen in der Nähe …aber an einem Ort wie diesen, ist davon abzuraten.“ Sie legte ihr ruhig die Hand auf die Schulter. Lis war bewusst, dass das nicht das war, was Keiko sich erhofft hatte zu hören, aber es war wichtig dass das Mädchen lernte Risiken abzuwägen.
Desweiteren war es auch gut möglich, dass für Miss Beatrix die Todesstrafe ausgesprochen worden war. Allerdings war dieser Fall recht unwahrscheinlich. Lis hätte definitiv davon gehört, wenn die Oberen einen solchen Befehl ausgesprochen hätten. Und selbst wenn, hätten sie ihn nicht durch Venatoren vollstrecken lassen, sondern eher selbst ausgeführt. Venatoren bekamen nur die Todesaufträge für Neugeborene, die nicht lernten sich zu kontrollieren. Und Miss Beatrix wirkte nicht wie eine Neugeborene. Erstens wären ihre Augen dann viel Lichtempfindlicher gewesen und zweitens hätte es sonst bereits ein Massaker gegeben heute Abend…
Die Vampirin wurde aus ihren Überlegungen gerissen, als sie spürte wie Keiko sie etwas an ihrem Handgelenk zog.
„Du wirst nicht eher locker lassen, bis ich zustimme, habe ich recht?“ fragte sie einmal seufzend. Diese Sturheit hatte sie definitiv von Eric.
„Nun gut… aber nur weil du es bist, Keiko.“ Gab sie schließlich seufzend nach.
„Aber ich befürchte nach wie vor, dass es dafür schon längst zu spät sein wird.“ Erwähnte Lis noch einmal, bevor sie anschließend dem Mädchen hoch in die oberen Stockwerke folgte.
Als sie vor einer Tür zu stehen kam, lauschte die Vampirin einmal, bevor sie den Kopf schüttelte.
„Ich kann nichts hören.“ Sie drehte den Türknauf und die Tür ging ohne Gegenwehr auf. Als sie eintraten waren sie allein.
Lis sah sich einmal um. Auf den ersten Blick schien es unscheinbar aber wenn man genau hinsah, konnte man die Spuren eines Kampfes sehen, die provisorisch beseitigt worden waren.
Die Vampirin bückte sich und strich mit dem Finger kurz über einen größeren Rest Staub.
„Ich sagte dir, dass es schon zu spät sein wird, Keiko.“




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Mit Penelope

Weder John noch die Vampirin schenkten einander etwas. Die Frau vor ihm ging wie eine wildgewordenen Furie auf ihn los und offensichtlich war die Instandhaltung des Mobiliars mehr als nebensächlich für jene… Der Venator hatte nur gerade so einem Fausthieb ausweichen können, der ihn sonst sicherlich etwas zugesetzt hatte, da griff sie auch erneut bereits wieder an. Auch Wurfgeschosse wie Kommodenschubladen schienen sich bei ihr großer Beliebtheit zu erfreuen und John duckte sich weg, bevor jene ihm am Kopf erwischte. Kaum dass er wieder zu ihr sah stürzte sie sich auch schon auf ihn, dass er nach hinten flog und samt Ständer und Ballkleid auf dem Boden landete. Wo war bei Vampiren bloß die höfliche zurückhaltende Art englische Art geblieben…?
Der Venator hatte Mühe, sich gegen seine Angreiferin zu wehren. Glücklicherweise fing seine Kollegin den nächsten Angriff ab, sonst wäre das wohl böse für ihn ausgegangen… Dank ihres Eingreifens hatte er es auch endlich geschafft einen Schlag bei diesem Monster zu landen …leider jedoch nicht tödlich genug.
Mit Penelopes Hilfe, die die Vampirin fixierte, gelang es ihnen wenig später endlich dieses Monster zu töten. Übrig blieb nicht mehr als Staub …und ein demoliertes Zimmer.
„Himmel, diese Frau hat gekämpft wie eine Furie…“ John duhr sich mit der Hand durch sein Haar.
Wie von der Tarantel gestochen, warf Penelope plötzlich einen weiteren Ständer samt Kleid zu Boden und drückte ihn kurz danach gegen die Kommode, wobei sie ihm sehr nahe kam.
„He, was soll das denn auf einmal…?!“ Irritiert sah er sie an, als sie sich plötzlich so an ihn schmiegte. Hatte die Vampirin sie kurz vor ihrem Tod noch mit irgendetwas vergiftet?
„Da ist jemand an der Tür“, flüsterte sie leise und John war in diesem Moment innerlich erleichtert. Damit konnte er weit aus besser umgehen, als mit plötzlichen …Annährungen von seinen Kolleginnen aus heiterem Himmel.
Der Venator nickte einmal und spielte das Spiel mit, wobei er eine Hand auf ihren Rücken und eine auf ihren Hintern legte. Innerlich hoffte er einfach, dass Penelope ihm dafür keine Ohrfeige verpassen würde nachher…
So blieben die beiden eine kleine Weile bis John sich sicher war, dass wer auch immer draußen vor der Tür auf sie lauerte nicht mehr da war. Der Venator entfernte seine Hände wieder vom Hintern und Rücken seiner Kollegin bevor er sie den Abstand zwischen sich wieder vergrößerten.
„…will ich wissen, wie oft du das schon mit Alarik oder wem anders gemacht hast?“ mit hochgezogener Augenbraue sah er Penelope an. Das war definitiv nicht ihr erstes Mal gewesen.
„Lass uns schnell aufräumen und dann von hier verschwinden, bevor unser ungebetener Gast zurückkommt…“
John machte sich daran die Kommode wieder provisorisch zusammenzubauen, während der Penelope die Kleider überließ. Immerhin war das ihr Element.
Schnell richtete er auch das Bett wieder her, bevor er sogar an der Wand Kratzspuren sah.
„…Gott, diese Frau.“ An manchen Stellen waren mehrere Lange Krallenspuren, als hätten sie nicht mit einem Vampir sondern einem ausgewachsenem Bären gekämpft…
John befeuchtete seine Finger etwas mit Spucke bevor er versuchte die Tapete notdürftig damit zu flicken. Das Ergebnis war nicht perfekt aber ausreichend um für den Abend kein Aufsehen zu erregen.
„Los, lass uns verschwinden, Penelope.“ Schnell verließen die beiden unbemerkt das Zimmer und schlossen leise die Tür hinter sich.
Sie liefen durch die etwas ruhigeren Gänge wieder in Richtung Erdgeschoss. John sah einmal an seinem Anzug hinab, der mehrere Risse durch den Kampf aufwies
„…sag mal du hast nicht doch zufällig ne Nähmaschine dabei?“ fragend sah er seine Kollegin an und war dankbar, dass Penelope tatsächlich was dabei hatte. Allerdings würden sie das unten im großen Saal oder der Küche nicht reparieren können. John überprüfte mehrere kleine Zimmer, bevor sie eines fanden das nicht abgeschlossen war und wohl ebenfalls sowas wie ein Gästezimmer sein sollte.
Auf Penelopes Geheiß zog sich der Venator seine Hose und seinen Sakko aus, bevor er sich in Unterhose und Hemd auf das Bett setzte und Penelope beim Flicken zu sah.
„Ich fürchte meine Kaution für dieses Ding werde ich wohl nicht wieder zurückbekommen…“ seufzte John mit einem Grinsen.
„ach und danke fürs nähen Penelope. Deine Kleidung scheint zum Glück noch in Ordnung zu sein.“

Letzte Änderung durch Luce (Am 09.03.2022 um 17.54 Uhr)



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#13 Am 08.04.2022 um 00.27 Uhr

Absynthgarde
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im Kaminzimmer  |  mit Henry

„Nun, wie ich bemerkt habe, hangen ihre süßen Ohren an meinen Lippen. Ich hoffe, es hat sich für Sie gelohnt, dass sie all ihre Geduld aufgebracht haben, um sich mit mir abzugeben, aye?“
Das hatte es in der Tat.
Offenbar war dem Vampir auch klar, dass er mit seinen Avancen keine sonderlich hohen Chancen bei der Dämonin hatte.

Mit einem etwas ernsterem Blick erhob er sich und nickte Eireann zu. „Guten Abend, Miss Bolding“, sagte er zum Abschied und auch Eireann erhob sich.
„Guten Abend, Mr. Morris. Und vielen Dank für die erstaunlichen Neuigkeiten“, verabschiedete sich auch Eireann von dem Vampir und sah zu, wie er den Raum verließ. 
Dann war Eireann im Zimmer allein. Gelassen sah sie in das lodernde Feuer und begann bereits im Kopf, den Artikel zu verfassen.

Doch sie wurde jäh in ihrem Gedankengang unterbrochen, als plötzlich die Tür stürmisch aufgerissen wurde.
Instinktiv nahm Eireann eine Abwehrhaltung ein, entspannte sich aber sofort wieder, als sie Mr. Morris vor sich stehen sah.
„Venatoren. Such Mr. Percy und haut ab von hier.“
Es überraschte sie eigentlich recht wenig, dass Venatoren zugegen waren.
Sicherlich hatten sie in all den Jahrhunderten bemerkt, dass nicht wenige ihrer Jagdobjekte im Adel vertreten waren und sich eine solche Veranstaltung daher anbot, diese ausfindig zu machen.
Allerdings wäre es töricht, wenn man wusste, dass sie auch wirklich vor Ort waren, nicht Abstand zu suchen. Für Eireann stellten die Venatoren kein Problem dar. Aber wenn sie auf James aufmerksam würden und sie ihn allein anträfen, hatte er schlechte Karten.

„Ich danke Ihnen für Ihre Warnung, Mr. Morris.“ Mit Fassung trat sie näher an den Vampir heran. „Hätten Sie die Güte, mich zurück zum Ballsaal zu geleiten?“
Am besten blieben sie zusammen, solange nicht weitere Menschen um sie herum waren. Schließlich würden die Venatoren es sicherlich nicht wagen, einen potenziellen Menschen anzugreifen. Selbst, wenn sie in einem der Beiden einen Vampir vermuteten, konnten sie sich doch nicht sicher sein, dass sowohl Mr. Morris als auch Eireann keine Sterblichen waren.
Und mit Sicherheit wären sie nicht so dumm, ein jahrtausendaltes Geheimnis, einfach so zu offenbaren, ohne sich ihrer Sache sicher zu sein.

Eireanns Reaktion schien Mr. Morris etwas zu verwundern. Schließlich musste er grinsen, erinnerte sich aber wohl schnell wieder an die Situation, in der sie sich befanden und stimmte zu.
Eireann kannte nur hoffen, dass er ihr Angebot nicht falsch verstanden hatte. Sein Grinsen implizierte leider das Gegenteil.
Als sie den Raum hinter sich gelassen hatten, versuchte Eireann, dezent mehr über die Lage herauszufinden, ohne zu direkt zu werden, um nicht die Aufmerksamkeit etwaiger Mithörer auf sich zu lenken.
„Sagen Sie, haben Sie die Widrigkeiten gehört, in denen unser Freund steckt? Oder was genau hat Sie zu der Annahme veranlasst, zu glauben, er hätte Probleme mit seinen Partnern?“

Fassungslos sah der Vampir die Dämonin an.
Ist das jetzt sein Ernst?
Eireann rollte mit den Augen, ehe sie erklärte, dass die Widrigkeit sie erneut zusammengeführt hätte.
Sein Gesicht hellte sich etwas auf.
„Nun… die Flure haben einen ganz schönen Hall“, erklärte Mr. Morris vage und ergänzte, dass so selbst weiter entfernte Geräusche nah klangen.
Kurz deutete er in die Richtung, aus der er wohl besagte Geräusche gehört hatte.
„Ich verstehe“, antwortete die Dämonin. „Wollen Sie uns zu unserer Kutsche begleiten oder wollen Sie lieber schnellstmöglich selbst nach Hause fahren?“
Dankbar nahm der Vampir das Angebot an.
„Nun, dann gilt es nur noch, meinen Cousin ausfindig zu machen“, sagte Eireann, als sie schließlich wieder in Hörweite der anderen Gäste waren.

Suchend ließ sie ihre Augen über die Adligen gleiten, bis sie James schließlich am Rand der Tanzfläche ausmachen konnte.
„Da ist er ja“, verkündete Eireann und machte sich auf den Weg zu ihm. Während sie sich einen Weg durch die Menge bahnte, ließ die Dämonin James nicht aus den Augen und dabei entging ihr nicht, dass er wohl mit zwei Frauen zusammenstand, die jedoch fortgingen, als sich Mr. Morris und sie den Dreien näherten.
„Ich fürchte, wir müssen umgehend auf das Anwesen zurückkehren, James“, wand sie sich an den anderen Vampir, der kurz den beiden Frauen hinterher sah, ehe er sich mit einem Stirnrunzeln an seine vorgebliche Cousine wandte.
„Ist etwas vorgefallen?“, erkundigte er sich, schien aber nicht recht bei der Sache zu sein.
„In der Tat. Ich fürchte, es sind ein paar Gäste geladen, die nicht sonderlich gut auf uns zu sprechen sind. Gäste, der etwas aggressiveren Art. Ich habe Mr. Morris angeboten, uns noch ein Stück zu begleiten.“
James zögerte kurz, nickte dann aber.

Bis sie draußen waren, hatte Eireann das Gefühl, dass James noch immer mit etwas beschäftigt war. Während er in sich gekehrt war, schien Mr. Morris hingegen alles um sich herum aufzusaugen, damit ihm auch ja nichts entging.
Die einzige Person, die völlig gelassen blieb war die Dämonin selbst. 
Sie hatte genug Jahre gelebt, um nicht bei jedem Anflug von möglicher Gefahr, in Aufregung zu verfallen.
Während die Herren ganzauf beschäftigt waren, ließ Eireann einen Diener die Kutsche holen gehen.
Hoffentlich würden die Beiden etwas gesprächiger sein, wenn sie das Anwesen verlassen hatten.




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im Ballsaal  |  mit Elisabeth

Grinsend gestand Mrs. Smith, dass sie nicht aus Mitleid zurück zu James und den Crawfords gegangen war, sondern dass sie sich nicht sonderlich wohl gefühlt hatte.
Ein Umstand der James doch leicht überraschte, wirkte die Dame doch derart selbstsicher, dass er nicht auf den Gedanken gekommen wäre, sie fürchtete sich nachts an einem solchen Ort.
Allerdings stand es ihm mit Sicherheit nicht im Sinne, sich zu beschweren, bot ihre Rückkehr doch schließlich die lang ersehnte Gelegenheit, diesem sinnlosen Geschwätz zu entkommen.

„Und ich wür…“, begann Mrs. Smith, doch bevor der Vampir das Vergnügen bekam, mit seiner Gesprächspartnerin und Leidensgenossin den nächsten Tanz zu bestreiten, wurden sie von einem jungen, ausländisch aussehenden Mädchen unterbrochen.
Sie entschuldigte sich für die Unterbrechung und wollte scheinbar eine Neuigkeit mit Mrs. Smith teilen, die der Ausländerin äußerst wichtig schien.
Aus Höflichkeit versuchte sich James auf die Musikanten zu konzentrieren, doch bei dem Wort Vampir wurde er hellhörig.
Mrs. Smith kannte die Welt des Übernatürlichen?

„Sie haben die Tür verschlossen, deswegen konnte ich nicht helfen“, flüsterte das Mädchen leise, sodass es ein Mensch mit Sicherheit nicht hätte hören, erst recht nicht in einem solch belebten Saal, während Musik gespielt wurde.
Die Worte zeugten jedenfalls von keinen guten Aussichten. Vor allem, da sich James nicht sicher sein konnte, wem die Ausländerin und damit scheinbar auch Mrs. Smith helfen wollten.
Den offensichtlichen Venatoren oder dem Vampir, der gerade um sein Leben kämpfte.

„Sir Percy, bitte entschuldigen Sie mich für einen Moment. Es gibt erst etwas, um das ich mich kümmern muss“, vertröstete Mrs. Smith den Vampir, versicherte jedoch wiederzukommen und sein Tanzangebot anzunehmen.
Allerdings war sich James nicht sicher, ob das das Beste für ihn sein würde.
Dennoch lächelte James. „Selbstverständlich, ich werde auf Sie warten, Mylady.“
Kurz erwog er, den beiden Frauen heimlich zu folgen, allerdings machte seine Freundin Eireann ihm da einen Schnitt durch die Rechnung.
Mrs. Smith war mit ihrer Bekannten lediglich ein paar Schritte entfernt, als Eireann ihn von der Seite ansprach und verkündete, dass Sie gehen müssten.
James war sich nicht sicher, ob er auf sie hören sollte.
Hatte sie mitbekommen, dass Venatoren zugegen waren?
„Ist etwas vorgefallen?“, fragte James und rang immer noch mit sich, ob er Mrs. Smith folgen sollte.
„In der Tat. Ich fürchte, es sind ein paar Gäste geladen, die nicht sonderlich gut auf uns zu sprechen sind. Gäste, der etwas aggressiveren Art“, erklärte Eireann und ergänzte, dass Mr. Morris sie beide begleiten würde.“
Sie wusste also ebenfalls davon.

James zögerte. Wäre Mr. Morris nicht, hätte er Eireann vielleicht überreden können, Mrs. Smith näher auf den Zahn zu fühlen.
Aber wenn noch andere involviert waren, konnte er das schlecht erwarten.
Etwas widerwillig nickte er.
Es missfiel ihm zwar, dass er sein Wort gegenüber Mrs. Smith nicht würde halten können, allerdings gab ihm das genügend Zeit und Abstand, um ihre Beziehung zu den Venatoren zu überdenken.

Möglicherweise war ihr vorhin klar geworden, dass James ein Vampir war und sie war deswegen zurückgekehrt. Vielleicht hatte ein anderer Venator ihr diesen Tipp gegeben. Andererseits konnte sie auch einen Venator entdeckt und bei der Gruppe Schutz gesucht haben.
Angestrengt versuchte er sich an alles zu erinnern, was sie gesagt und getan hatte, doch ihm kam nichts sonderlich verdächtig vor, abgesehen von ihrer seltsamen Rückkehr von vorhin. Die auch keine eindeutigen Rückschlüsse ermöglichte.

„Nun, die Gefahr wäre demnach gebannt, meine Herren“, riss Eireann James aus seinen Gedanken.
Er hatte gar nicht mitbekommen, wie sie in die Kutsche eingestiegen waren, so sehr hatte ihn die Frage um Mrs. Smith‘ wahre Identität beschäftigt.
James nickte stumm. Für den Moment würde sie gebannt sein. Aber eine adlige Venatorin würde eine viel größere Gefahr darstellen.
Und er hatte keine Ahnung, wie er herausfinden sollte, ob dies auf Mrs. Smith zutraf.




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in einem Ankleidezimmer  |  mit John

John spielte Penelopes Spielchen etwas zu gut für Penelopes Geschmack mit. Allerdings schien ihm diese Situation fast genauso unangenehm zu sein, wie der Venatorin selbst.
„…will ich wissen, wie oft du das schon mit Alarik oder wem anders gemacht hast?“, erkundigte sich John nach einer Weile und Penelope lief hochrot an.
Sie hätte nichts dagegen gehabt, wenn sich der Boden unter ihr auftun und sie verschlucken würde.

„Lass uns schnell aufräumen und dann von hier verschwinden, bevor unser ungebetener Gast zurückkommt…“, schlug John vor, als klar wurde, dass die Person vor der Tür, zumindest vorerst, weggegangen war.
Schnell wich Penelope von ihrem Kollegen zurück und kümmerte sich darum, die mitgenommenen Kleider wieder herzurichten, während John sich um die Möbel kümmerte.
Nachdem sie die Schäden bestmöglich kaschiert und die Überreste der Vampirin aus dem Fenster verbannt hatten, verließen die Venatoren das Zimmer und machten sich wieder auf einem anderen Weg als den, den sie zuvor genommen hatten, nach unten.
Die Stille nagte unangenehm an Penelope. Nervös rieb sie sich die Handgelenke. John hielt sie gewiss für eine Dirne, nur weil ihr in dem Augenblick nichts anderes eingefallen war, um den Tumult zu erklären.
Warum war ihr auch nichts anderes eingefallen? Jetzt hätte sie noch zig Ideen, wie sie sich aus der Misere hätten retten können.
Und einfach durch die Fensterscheibe nach draußen zu springen war diejenige, die ihr im Moment am besten gefiel.

„…sag mal du hast nicht doch zufällig ‘ne Nähmaschine dabei?“, riss John sie aus ihren beschämten Gedanken.
„Gewissermaßen“, antwortete Penelope und nickte schüchtern. Ihr fiel erst jetzt auf, dass sein Anzug einige Blessuren davongetragen hatte. Nicht sonderlich verwunderlich nach einem solchen Kampf.
„Wenigstens ist die Krawatte noch heil“, meinte Penelope grinsend, sah dann aber wieder schnell zu Boden.
John unterdessen begann nach einem Zimmer zu suchen, in dem sie seine Kleidung würde flicken können.
Schließlich wurde er fündig und als Penelope nach ihm ins Zimmer getreten war, verschloss er die Tür.

Allein dieses Schlafzimmer war größer als die kleine Ein-Zimmer-Wohnung, in der Penelope lebte und eine geschlossene Nebentür führte in einen weiteren Raum.
Es war immer wieder erstaunlich, wie verschwenderisch die Reichen lebten.
Allerdings könnte er sich so wenigstens im Nebenraum umziehen.
„Du kannst mir dann ruhig die zerrissene Kleidung geben“, sagte die Venatorin, in der Annahme, dass er dazu zunächst in den Nebenraum gehen würde. Doch stattdessen zog er einfach so seinen Frack aus und begann auch, sich seiner Hose zu entledigen.
Schnell drehte sich Penelope um.
Was dachte er sich dabei?

Um nicht untätig herumzustehen, öffnete sie die kleine Tasche, die sie in ihre Schürze eingenäht hatte und zog daraus ihr kleines Nadeletui und ein dünnes Bündel schwarzen Faden heraus.
Ohne auf John auf dem Bett zu achten, nahm sie die Kleidung an sich und setzte sich auf einen Hocker am Fenster, um mehr Licht zu haben.
Der Frack hatte an den Ärmeln mehrere kleinere Risse. Die kleineren an den Ärmelsäumen könnte Penelope wie die an den Beinen etwas leichter kaschieren, allerdings würde der Anzug dadurch um einiges kürzer als vorher.
Mit etwas Glück wurde John nicht genau beobachtet, bevor er alles zurückgab und man würde diese Fehler nicht entdecken. Ein etwas längerer Riss am linken Ärmel stellte sich jedoch als eine größere Herausforderung dar.

„Ich fürchte, meine Kaution für dieses Ding werde ich wohl nicht wieder zurückbekommen…“, meinte John seufzend.
Penelope zuckte mit den Schultern. Das kam darauf an, wie genau sie die Kleidung inspizierten. Und natürlich hing es davon ab, ob es ihr gelang, den Ärmel etwas enger zu machen, um den Riss in der Ärmelnaht verschwinden zu lassen.
Dass der Frack nicht passgenau gesessen hatte, gab ihr etwas Spielraum, sodass John der Frack nicht allzu eng sitzen würde.

„Ach und danke fürs Nähen Penelope. Deine Kleidung scheint zum Glück noch in Ordnung zu sein.“
„Keine Ursache“, antwortete die Venatorin automatisch, ganz vertieft in ihre Näharbeit. „Und ich bin ja auch nicht auf Tuchfühlung mit dem Vampir gegangen, demnach habe ich auch nichts abbekommen.“
Sie krempelte den Ärmel wieder zurück, denn sie von innen nach außen geschlagen hatte, um den langen Schnitt vernähen zu können. Sie hatte oben angefangen, um zu sehen, wie der Übergang aussehen würde, doch das Ergebnis gefiel ihr nicht besonders.
Ihr blieb keine andere Wahl, wenn sie die entstandene Falte verschwinden lassen wollte.

Penelope nahm die Nadel mit dem Faden in den Mund, schob ihre rechte Socke etwas nach unten und zog dann aus dem schmalen Halfter, das sie dort trug, eine kleine Schere.
Sorgfältig trennte sie das bereits vernähte wieder auf, zog die Fadenrückstände heraus und klemmte dann den Ärmelsaum zwischen ihren Oberschenkeln ein.
Mit geübten Händen hielt sie den Ärmel straff nach oben und schnitt dann den Riss gerade weiter nach oben zum Schulterteil hin.
Das bedeutete zwar mehr Arbeit, aber es musste sorgfältig aussehen, wenn sie die Augen eines Butlers damit täuschen wollte.

Schmunzelnd meinte John, dass es wohl auch schwierig zu erklären wäre, wenn sie bei ihrem Nebenjob, mit allen möglichen Verletzungen auftauchen würde.
Penelope behielt lieber für sich, dass sie ihre Arbeit als Venatorin ehrlich gesagt eher als ihren Nebenjob ansah.
Allerdings stand sie wahrscheinlich unter den Venatoren mit dieser Meinung allein da. Zumal die wenigsten sich überhaupt mit etwas anderem beschäftigten als mit der Jagd auf übernatürliche Kreaturen.
„…und ich habe so meine Zweifel, dass die Furie dir gegenüber weniger aggressiv gewesen wäre.“

Die Venatorin steckte ihre Schere wieder zurück an ihren Platz und nahm Nadel und Faden wieder in die Hand.
„Solange ich keine Wunden im Gesicht oder an den Händen habe, sieht man ohnehin nichts“, antwortete sie achselzuckend und begann erneut den Ärmel zu vernähen. „Und sicher wäre sie mir gegenüber nicht zimperlicher gewesen.“
„Das ist gut“, meinte John und war erleichtert, dass sie eine Sorge weniger hatten. Dann fragte er Penelope, ob sie glaubte, dass Alarik in der Zwischenzeit ebenfalls auf einen Vampir gestoßen sein mochte.
Ohne Aufzusehen antwortete sie, dass dies gut möglich wäre.
„Ich hoffe, er macht sich keine Sorgen“, sagte sie. Immerhin hätten sie sich längst mit ihm treffen müssen.
„Dann solltest du dich wohl etwas beeilen mit dem Nähen“, entgegnete John grinsend. „Langsam wird es nämlich echt etwas kalt hier nur in Unterhose zu sitzen…“
„Wenn du es schneller kannst, tu dir keinen Zwang an“, antwortete Penelope mit einem Lächeln.
„…ja ja, schon verstanden“, sagte der Venator kleinlaut und fuhr sich durchs Haar.
„Abgesehen davon, hättest du dir die Hose jederzeit schon nehmen können.“
Penelope nahm die Hose, die sie neben sich gelegt hatte und warf sie ihm mit der rechten Hand zu, ehe sie mit dem Ärmel des Fracks weitermachte.
Ohne Maßband musste sie allerdings hoffen, dass er am Ende wirklich nicht zu eng sitzen würde.




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im Ballsaal  |  mit Belial & der Adligen

Damian erwartete, dass der Fremde ordentlich an die Decke gehen würde.
Besser gesagt, er hoffte es.
Der Abend war bis jetzt einfach nur langweilig und ein wenig Spannung käme ihm gerade recht.
Der Hund des Fremden knurrte bereits zornig, doch zu Damians Bedauern, verbot der Fremde dem Dobermann, sich einzumischen.
Allerdings ließ dessen glühender Blick, die Idee in Damian aufkeimen, sich selbst eines dieser stolzen Tiere zuzulegen.
Oder vielleicht gleich mehrere.
Das würde ihm sicherlich ganz neue Möglichkeiten eröffnen.

„Sie braucht Medikamente“, entgegnete der Fremde kühl, während er wieder seinen Koffer auflas.
Ein Fakt, dem Damian nur zustimmen konnte.
„Und Sie sollten in Erwägung ziehen, Sie in eine Geschlossene einzuweisen.“
Während die Adlige bestürzt den Mann anstarrte, konnte Damian sein erwartungsfrohes Grinsen nur schwerlich unterdrücken. Im weitesten Sinne würde er dieser Empfehlung später nachkommen, soviel war sicher.

Leider beließ der Mann es bei diesen Worten und verließ den Ballsaal.
Enttäuschend.
Damian hatte sich da ein deutlich interessanteres Spektakel gewünscht.
Der Fremde war allerdings noch keinen Meter gegangen, als die Adlige aus ihrer Schockstarre erwachte und sich lauthals über ihn beklagte.
Was ihm einfallen würde, sich derart unverschämt einer Dame und noch dazu ausgerechnet ihr gegenüber zu benehmen.
Bevor sie allerdings auf die Idee kommen konnte, zum nächsten Stundenmonolog anzusetzen, ging Damian dazwischen und setzte ein kokettes Lächeln auf.
„Möglicherweise wäre es besser, wenn wir uns an einen ruhigeren Ort zurückziehen, wo uns solche impertinenten Personen nicht stören können, was meinen Sie?“
Die Frau blinzelte erst verblüfft und lächelte dann erwartungsfroh, als sie glaubte, Damian verstanden zu haben.
„Ich nehme an, Ihnen schwebt da bereits etwas vor?“
„Nun, in meinem Anwesen hätte ich etwas, das ich Ihnen nur allzu gern zeigen würde“, antwortete Damian und reichte der Adligen seinen Arm.
Grinsend hakte sich die Dame unter und folgte Damian nach draußen.

Auf der Straße wartete Samuel bereits an der Kutsche auf Damian.
Da Damian selten lange auf solchen Veranstaltungen blieb, hatte der treue Diener die Kutsche wohlwissend schon am Straßenrand zur Abfahrt bereitgehalten und hielt nun wortlos seinem Herren und der fremden Adligen die Tür auf.
Ein Blick in Damians Augen genügte, um zu wissen, welcher Art der Besuch dieser Dame sein würde.
Und wenn er dem sinnlosen Geschwafel der Frau während der Fahrt zuhörte, konnte Samuel auch verstehen, weshalb.
Da fiel es ihm auch nicht sonderlich schwer, kein Mitleid mit ihr zu haben.

Als sie ankamen und die Frau zunächst die Größe des Anwesens bewunderte, beugte sich Samuel kurz zu seinem Herrn.
„Soll ich das Gewölbe vorbereiten, Miss?“
Damian rümpfte nur die Nase.
„Je eher, desto besser. Lange halte ich ihr loses Mundwerk nicht mehr aus.“
„Wie Sie wünschen, Mylady.“
Samuel überließ die Pferde dem Stallmeister und Damian führte die sorglose Frau ins Kaminzimmer im ersten Stockwerk.
Naiv nippte diese an dem Wein, den Damian ihr überreichte, nicht wissend, dass es das letzte wäre, das sie in ihrem Leben noch zu sich nehmen würde.


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#14 Am 24.05.2022 um 15.44 Uhr

Absynthgarde
MitsukiMizu
Recrute
MitsukiMizu
...
Nachrichten: 50

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In den Straßen von London | allein


Ich atmete tief durch, als ich versuchte die Erinnerungen an den gestrigen Abend abzuschütteln. Nicht nur, dass meine Frust sehr groß gewesen war, weil wir der Vampirin nicht hatte helfen können und es Mrs. Smith scheinbar überhaupt nichts ausgemacht hatte. Nein, ich hatte mir zu Hause natürlich die größte Predigt anhören müssen, die ich seit langem über mich ergehen lassen musste. Ich hatte mich wieder in mein kindliches Alter zurückgesetzt gefühlt, als man mich noch für mein schlechtes Verhalten rügen musste.
Natürlich hatte Eric jedes Recht dazu gehabt, sauer über meine Aktion zu sein und mir dies auch offen zur Schau zu stellen. Dennoch hätte ich mich gefreut, wenn er zumindest ein wenig Stolz auf mich gewesen wäre. Immerhin wollte ich nicht einfach einer der unseren zum Sterben zurück lassen.
Innerlich musste ich mich korrigieren. Nicht einer der unseren. Einer der Seinen. Aber auch Eric schien sich über mein selbstloses Verhalten mehr zu wundern, als zu freuen.
Und die wunderten sich, dass die Vampire umkippten, wie die Fliegen? Wenn man den Venatoren ständig nur klein bei gab und nicht auch mal die Stirn bot, würde man nie aus diesem Teufelskreis ausbrechen und wieder in Frieden und Ruhe leben können!
Ich biss mir leicht verärgert auf die Unterlippe.
Und war ich nicht genau für diese Fälle ausgebildet worden? Um die Venatoren in die Schranken zu weisen und Vampiren zu helfen? Nun, speziell natürlich Eric, das stand außer Frage.
Aber ich hätte mir wahrlich mehr Verständnis für mein Tun gewünscht.
Ich bog immernoch Gedankenverloren immer wieder ab. Meine Füße trugen mich beinahe schon automatisch zu den Geschäften, die ich aufsuchen wollte, um für mich und für den Haushalt zu Hause einige Besorgungen zu machen.
Ein Vampir brauchte generell nicht viel menschliche Dinge, aber auch sie konnten sich nicht ganz von den irdischen Besitztümern freisprechen. Immerhin war mittlerweile die Tinte alle. Und Rechnungen mussten geschrieben, sowie Checks ausgestellt werden.
Und auch wenn ich mir wünschen würde, dass auch ich mich aus den menschlichen Treiben heraushalten konnte, musste ich mir Nahrung besorgen. Eric hatte schon einmal Essen bei einem der Marktstände bestellt. Jedoch war nie etwas dabei gewesen, was mir wirklich schmeckte. Genau aus diesem Grund suchte ich mir meine Mahlzeiten lieber selber aus.
Warum ich schon so „früh“ wieder auf den Beinen war? Ich hatte aufgrund der Predigt von Eric nicht wirklich schlafen können. In den frühen Mittagsstunden war ich erwacht und hatte es zu Hause in dem stillen Gebäude nicht länger aushalten können. Eric besaß nicht wirklich Bedienstete. Er war gerade erst dabei, sich sein Reichtum aufzubauen. So langsam klappte das ganz gut, wenn ihm die Bar „Zum Wikinger“ gänzlich gehören würde. Aber die Räumlichkeiten gehörten Mrs. Smiths Mann. Also war jeden Monat eine nicht gerade kleine Summe an Miete fällig, die meinen Ziehvater in gewisser Weise zurückwarf. Deswegen hatte er ja eigentlich mit Mr. Pearce einen Kredit abhandeln wollen, um die Räumlichkeiten zu kaufen. Natürlich war er dann nicht sofort geldlich unabhängig. Aber ein Vampir hatte Zeit und so ein Kredit war irgendwann abbezahlt.
Als ich um die nächste Ecke trat, bot sich mir der Anblick des größten Markplatzes von London. Der Markt, der dort aufgebaut war, befand sich zeitlich in den letzten Zügen. Viele Güter waren entweder schon verkauft oder schon wieder sicher in die Kisten hinterm Thresen verstaut. Ich war mir jedoch sicher, dass ich noch das eine oder andere abstauben konnte.
Als ich gerade meine Schritte beschleunigen wollte, fiel mir eine Frau mit einem kleinen Tisch vor sich ins Auge. Vermutlich war mir ihr flammendes rotes Haar als Erstes aufgefallen, dass sich wie Lavawellen über ihre Schultern ergoss und ihr sicherlich bis zum Po reichte.
So verharrte ich in meiner Bewegung und ließ das Bild auf mich wirken. Lange fragte ich mich, ob sie schon immer dort ihren Stand besaß oder, ob sie mir zuvor nur noch nie aufgefallen war. Ich sah zum Markt hinüber. Normalerweise kam ich auch aus einem ganz anderen Winkel der Stadt, da ich normalerweise zuvor die Erledigungen für Eric machte, bevor ich mich meinen Wünschen widmete. Heute war es ausnahmsweise anders herum gewesen.
Ich zögerte kurz, entschloss mich aber schließlich, dass ich noch ein wenig Zeit hatte, um mir das Ganze etwas näher anzuschauen. Das Tuch, das über den Tisch fiel, war auffällig bunt bestickt, trug Symbole, die ich zuvor noch nie gesehen hatte und wirkte allgemein sehr mysteriös auf mich. Die Frau selbst war jedoch in recht normalen Kleidungen unterwegs, zumindest soweit ich das beurteilen konnte.
Vor ihr lag ein Pack Karten, die etwas größer waren, als die normalen Spielkarten, wie ich sie aus der Bar kannte. Der Kartenrücken, der sich mir zeigte, war mit aufwendigen Symbolen verziert. Ich fragte mich, was sich auf der Vorderseite zeigen würde.
Ohne es zu merken, trugen mich meine Beine zu der Frau hinüber, bis ich vor ihrem Stand zu stehen kam.
Mein Blick hob sich von den Karten hinauf zu ihrem Gesicht.
„Guten Tag. Ich hoffe, ich störe Sie nicht oder bin unhöflich. Ich war nur gerade sehr von ihrem Tuch und den Karten in den Bann gezogen. So etwas habe ich noch nie vorher gesehen. Was machen Sie genau damit?“
Ich deutete mit meinen Kopf zu den Karten hinüber.



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Auf den Weg zu Rhena Griffiths Geschäft | allein → Rhena Griffiths


Ich ließ mir Zeit während ich durch die Straßen Londons zog. Nach dem gestrigen Spektakel war Stress das letzte, worauf ich wirklich Lust hatte. Demnach war ich sogar beinahe zufrieden, dass mir gerade ein ganz normales geschäftliches Treffen bevorstand. Mit einer ganz – nun ja, fast – normalen Kundin. Zumindest verhielt sie sich normal, auch wenn sie nicht zu den normalen Menschen zählte.
Warum mir Miss Griffiths damals so schnell gestand, dass sie zu den Hexen zählte, wusste ich nicht und ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Ehrlich gesagt, war es mir aber auch egal. Ich hatte nie Diskrepanzen mit den Hexen gehabt, stattdessen waren sie mir auf meinem Lebensweg bisher immer mal wieder eine gute Hilfe gewesen. Es war für mich beinahe schmerzlich gewesen, als diese bei den großen Verbrennungen 1587 fast gänzlich ausgerottet worden waren. Umso erfreulicher war es für mich zu wissen, dass es noch welche gab. Nicht viele zwar, wie mir Miss Griffiths mitteilte, aber sie lebten noch.
Warum ich die Hexe dennoch als normal bezeichnete? Sie schleppte mich nicht auf irgendwelchen Bällen, Toiletten oder sonstigen fragwürdigen Orten, sondern unsere Treffen fanden stets bei ihr im Geschäft oder bei mir in der Bank statt. Zudem zahlte sie auch jedes Mal ihre Rate und bettelte nicht um irgendwelche Aufschübe, wie manch andere Menschen.
Miss Griffiths zählte also wirklich zu einem meiner angenehmeren Geschäftspartnerinnen.
Ich wählte meinen Weg durch London extra so, dass mir möglichst wenig Menschen begegneten, ich aber die möglichst längste Route aussuchte. London war zu dieser Zeit wirklich schön anzusehen und auch wenn man es mir vielleicht nicht glauben mag, ich genoss die Zeit, wie ich beinahe schlendernd über die gepflasterten Wege wanderte, ganz für mich allein und in meinen Gedanken versunken.
Gut, ganz allein war ich nicht. Natürlich gab es nicht einen Moment, wo ich ohne meinen treueren Höllenhund irgendwohin ging. Aber dieser gehörte genauso zu mir, wie das Haar, das ich trug. Demnach war es beinahe so, als wäre ich „allein“.
Wenn ich mich genau darauf konzentrierte, hörte ich die tapsenden Geräusche der Pfoten hinter mir, wie er sich ohne Mühe meinem Tempo anpasste. Wenn ich schneller wurde, wurde er automatisch schneller. Wurde ich langsamer, dann auch er. Es hatte fast etwas beruhigendes an sich, wenn ich diesen Geräuschen lauschte, gepaart mit dem Anblick der Straßen Londons.
Schließlich sah ich das Geschäft von Miss Griffiths näher kommen. Es handelte sich dabei um ein Tintengeschäft. Sie stellte die Tinte her, die meist von Zeitungen abgekauft wurden. Aber auch für private Käufer hatte sie ein paar Fläschchen in ihrem Laden stehen. So kam es auch das eine oder andere Mal vor, dass auch ich mich ihrer Ware bediente.
Und man musste ihr lassen, dass sie wirklich ein qualitativ sehr hochwertiges Produkt an den Mann brachte. Kein Wunder, dass sie ihre Raten ohne Probleme bezahlen konnte. Für gute Qualität waren die Londoner bereit auch dementsprechend zu zahlen.
Ich öffnete die Tür, das wohlbekannte Klingeln der Eingangsglocke begrüßte mich als Erstes. Der Vorraum war sehr schlich gehalten. Neben einigen Regalen mit gefüllten Tintenfässern, vertrieb Miss Griffiths auch ein paar einzelne Pergamentrollen und Federn. Jedoch waren diese wahrlich zu vernachlässigen. Recht mittig gegenüber der Eingangstür befand sich ein Tresen mit einer Kasse.
Die Hexe war im Vorraum nirgendswo zu sehen, weswegen ich davon ausging, dass sie sich in den hinteren Räumen befinden musste. Jedoch würde ich mir nicht anmaßen, mich ungefragt selbst einzuladen, weswegen ich einfach meinen Aktenkoffer niederlegte und meinen Zylinder vom Kopf nahm, um diesen auf den Tresen niederzulegen.




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Hauptquartier → in den Straßen von London → vor Liz‘ Haus | allein


Schweiß lief mir in großen Bahnen über das Gesicht, den Hals und den Rücken hinab, während ich immer wieder meine Übungen wiederholte. Links. Rechts. Stich. Die Kurzklingen, die ich zu meinen liebsten Waffen zählte, schmiegten sich in meine Hände wie ein verlängerter Arm. Während die Zeit nicht mehr bedeutsam war, da ich kein Gefühl mehr für diese hatte, wirbelte ich wie ein Tänzer durch den Trainingsraum. Ein tödlicher Tanz für Puppe Nummer 1. Links. Links. Rechts. Stich. Auch Puppe Nummer 2 würde den Tag nicht mehr kommen sehen. Das Blut rauschte mir durch die Ohren, beflügelte meine Konzentration nur noch mehr, bis ich nur das Hier und Jetzt und die Bewegungen des Kampfes wahrnahm.
Erst als ich die letzte Puppe „besiegt“ und ich regungslos in meiner Bewegung verharrte, merkte ich, wie mein Herz angestrengt gegen meine Brust klopfte, wie ein Vogel, das panisch versuchte aus seinem Käfig zu entfliegen, und wie mein Atem stoßweise, beinahe japsend durch meine Lippen gepresst wurde.
Schlagartig fühlte ich mich müde.
Wie lange hatte ich nun trainiert?
Mein Blick glitt zu der einzigen mechanischen Uhr, die das Hauptquartier besaß. Es gab zwar schon seit ich denken konnte, Uhren, jedoch waren sie immer noch nicht sehr günstig zu erwerben. Und auch wenn die Venatoren von der Krone unterstützt wurden, hieß es nicht, dass Venatoren in Reichtum schwammen. Immerhin wäre es doch zu auffällig, wenn in regelmäßigen Abständen viel Geld von dem Königshaus auf ein bestimmtes Konto fließen würde.
3 Stunden.
Auch wenn ich realisierte, wie viel Zeit dies wirklich war, fühlte es sich für mich nur wie ein kleiner Moment an. Nur mein Körper signalisierte mir, dass es nun genug war und ich eine Pause einlegen musste.
Mir war sofort bewusst, warum ich beinahe exzessiv ins Training vertieft gewesen war. Ich ärgerte mich ein wenig darüber, dass ich mich gestern dagegen entschieden hatte, der Vampirin zu folgen, und stattdessen nach meinen Teamkollegen gesehen hatte. Meine Chancen, dass ich diese unbemerkt bis zu ihrem Versteck verfolgen konnte, hatte ich mir sehr gering ausgerechnet. Und da war mir das Wohl der anderen beiden Venatoren wichtiger gewesen. Wir waren sowieso schon viel zu wenige. Da musste man ein wenig gegenseitig auf sich Acht geben.
Während ich die restlichen Anstrengungen ausschwitzte, reinigte ich meine Waffe und hang sie in den Umkleiden an den Waffenständer, der für mich bestimmt war.
Neben meinem Waffenständer, befanden sich noch zwei weitere. Von Penelope und John. Wir verbrachten zwar nicht alle Missionen miteinander, aber soweit ich mich erinnere, war ich am Meisten mit den Beiden unterwegs. Demnach war es klug, dass ihre Waffenständer nahe bei meinem waren. Falls man recht spontan und schnell aufbrechen müsste, könnte ich die ersten Waffen, die mir ins Auge fielen mitnehmen.
Nachdem ich das Gefühl hatte, dass ich mit dem Schwitzen aufgehört hatte, trat ich meinen Weg zu den Duschen an, um die leicht eingetrocknete, salzige Flüssigkeit von meinen Körper zu waschen. Dabei liebte ich es, wenn das Wasser möglichst heiß über meine Muskeln floss. Immerhin half Wärme, mögliche Verspannungen zu lösen, die man in einem echten Kampf wahrlich nicht gebrauchen konnte. Ich wusste, dass es auch pflanzliche Salben gab, die dagegen helfen konnten, aber auch diese kosteten Geld, das ich meist nicht besaß.
Wie viele andere hier hatte ich auch einen Job. Nur ging ich dem eher als Nebentätigkeit nach, als dass ich mich über Tag hauptsächlich damit beschäftigte.
Es war nun auch keine wirkliche spannende Tätigkeit. Ich bot vielfältige Dienste an, je nachdem für was man mich engagierte: Hausarbeiten, Botengänge, Leibwächter. All das hatte ich schon das eine oder andere Mal durchgeführt.
Heute würde mich mein Weg ebenfalls wieder zu einem Botengang führen.
Es war ein simpler Job. Ich musste lediglich ein Paket abholen und dieses zu einer Poststation bringen. Es war wohl ein etwas schwereres Päckchen, weswegen männliche Unterstützung gefragt war. Nun, der Grund war mir letztendlich gleich. Hauptsache ich konnte ein wenig Geld verdienen, damit ich mir später noch etwas zu Essen kaufen konnte.
Nach der Dusche zog ich mir annähernd annehmbare Kleidung an, versteckte meine Vis Bulla wie immer unter meinem Oberteil und machte mich schließlich auf den Weg. Gänzlich unbewaffnet verließ ich das Hauptquartier zwar nie, aber man konnte auch schlecht mit großen Schwertern oder Bögen durch die Straßen von London streifen. Die hiesige Bevölkerung reagierte meist sehr empfindlich auf so einen Anblick.
Mein Weg führte mich zu einen der besseren Viertel in London, wo selbst die eingepflanzten Bäume Zäune besaßen. Ich musste glaube ich nicht erwähnen, dass ich von den Passanten auf den Wegen ein wenig argwöhnisch beäugt wurde, da ich rein von der Kleidung her schon überhaupt nicht in diese Gegend passte. Sicherlich wurde ich schon als neuer Dieb der Straßen abgestempelt.
Ich grinste leicht bei den Gedanken, was einen jungen Mann sogar dazu bewegte die Straßenseite zu wechseln. Mit meiner bulligen 1,80m großen Gestalt machte ich sicherlich einen einschüchternden Eindruck.
Schließlich hatte ich die Adresse erreicht, die mir einer der Dienerin gegeben hatte, die mich für ihre Herrin engagiert hatte. Das Haus war rein äußerlich kaum von den anderen Häusern der Straße zu unterscheiden. Es sah genauso wohlhabend und überteuert aus, wie der Rest von hier. Manchmal fragte ich mich, wie ich mich mit so viel Geld fühlen würde. Ein ruhigeres Leben hätte ich mit Garantie. Aber wollte ich das wirklich?
Ich atmete noch einmal tief durch, bevor ich den Türklopfer suchte. Jedoch schien diese Tür über keinen zu verfügen. Irritiert ließ ich meinen Blick über das Stück Holz gleiten. So ein teures Haus und dann keinen Türklopfer? Ich konnte doch schlecht dagegen hämmern… nun, konnte schon, aber das würde sicherlich einen Anblick herzaubern, der die Polizei auf den Plan rufen würde.
Schließlich entdeckte ich an der Seite der Tür eine Art Kasten mit einem Knopf. Als ich dagegen drückte, ertönte ein Ton, der an eine Turmglocke erinnerte.
Ich runzelte die Stirn. Das war ja mal was ganz Neues.

Letzte Änderung durch MitsukiMizu (Am 24.05.2022 um 19.44 Uhr)


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#15 Am 27.05.2022 um 07.58 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
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Auf dem Ball mit Keiko -> Weg nach Hause -> zuhause

Nachdem auch Keiko einsehen musste, dass sie zu spät kamen und der Vampirin nicht mehr helfen konnten – wie vorausgesagt – machte sich die Schwarzhaarige wieder auf den Weg zurück in den Ballsaal. Immerhin hatte sie Sir Piercy zugesagt einen Tanz zu tanzen. Des Weiteren wäre sie dort weniger positioniert wie hier.
Zurück im Saal angekommen, konnte Lis Sir Piercy allerdings nirgends erblicken. Nun, nach der Menge an verfügbarem Alkohol wäre es wohl nicht verwunderlich, wenn jener seiner Notdurft nachging und die Toilette aufgesucht hatte.
Aus diesem Grund blieb die Vampirin im Saal und mischte sich etwas unter die Leute, solange bis Sir Piercy zurückkäme.
Immer wieder blickte sie sich prüfend im Saal um. Nach wie vor, war sie sich sicher, dass hier irgendwo ein weiterer Venator sein musste. Nur wo?
Während Lis einem älteren Adeligen mit schütterem Haar einen Tanz gewährte – Sir Piercy brauchte wirklich ausgesprochen lange auf der Toilette – kreuzte sich ihr Blick plötzlich mit dem eines Kellners. Schnell wisch er ihrem Blick aus. Gefunden. Das war kein Blick eines einfachen Kellners, der die Gäste beobachtete. Dieser Blick war zu fixierend gewesen.
Jetzt hatte die Vampirin zwar gefunden, wonach sie gesucht hatte. Etwas tun konnte Lis jedoch nicht. Hier waren zu viele Gäste und weitere Venatoren. Sie tat so, als hätte sie seinen Blick auf sie nicht mitbekommen, während sie ihn leicht aus den Augenwinkeln beobachtete. Wenn sie sich richtig erinnerte, war er jener Kellner an der Tür zum Garten gewesen… Die schlechte Qualität seines Anzugs und die zu kleine Größe blieb einem einfach hängen. Ansonsten jedoch, kannte sie diesen Mann nicht.
Nachdem sie ihren Tanz beendet hatte – und ihrem Tanzpartner in dieser Zeit gefühlt 10 weitere Haare ausgefallen waren – beschloss Lis, dass es Zeit war zu gehen.
Sie sammelte Eriks Schützling ein, bevor sie das Gebäude verließ und draußen in die Kutsche stieg. Wie immer begrüßte sie ihr Kutscher freundlich.
„Madam.“ Er verneigte sich und öffnete die Türe.
„Nach Hause bitte …und nimm den langen weg.“ Nur für alle Fälle.
Nach einer einstündigen Fahrt durch ganz London – und den Schlaglöchern in Ost-London – erreichte die Kutsche endlich ihr Ziel bei Lis zuhause.
„Mein Kutscher wird dich nach Hause bringen, Keiko.“ Erik würde ihr vermutlich den Hals rumdrehen, wenn sie es nicht täte, nachdem sie wusste, dass gerade Venatoren unterwegs waren.
„Und richte deinem Vater aus, dass ich morgen gegen Morgendämmerung mal vorbeikomme.“ Lächelte Lis. Erik hatte erwähnt, dass er irgendetwas mit ihr besprechen wollte. Zudem war die Miete wieder fällig und Lis interessiert an etwas …angenehmer Zeit. Und warum sollte man das praktische nicht mit dem angenehmen verbinden?
Lis betrat das Haus und wurde sogleich von einer ihrer Angestellten begrüßt.
„Ist das Paket für morgen fertig?“ fragend sah die Vampirin sie an.
„Ja, Herrin. Und der Paketbote bereits bestellt.“ Nickte sie.
„Sehr gut. Hier ist das Geld für die Post und für seine Dienste.“ Lis legte zwei kleine Geldstapel auf einen Silberteller in den Flur, damit ihre Angestellte, das morgen Mittag alleine regeln konnte, ohne sie während ihrer Lethargie zu stören.
Als am Mittag schließlich die Klingel ertönte, machte jene sich kurz die Haare zurecht, bevor sie die Tür öffnete.
Da sie lediglich anwesend sein musste, hatte sie die restliche Zeit von Schichtende um sechs Uhr morgens bis jetzt im Gästezimmer im Erdgeschoss schlafen können.
Vor der zierlichen Frau mit gerade einmal 1,60m Größer stand ein Koloss und stämmiger Bär, der sie abwartend ansah.
„Sind Sie der Bote, der für das Paket angeheuert wurde?“ fragend sah sie ihn an und nachdem er dies bestätigt hatte, ließ sie ihn ins Haus hinein.
„Folgen Sie mir bitte. Das Paket steht im Wohnzimmer. Es ist etwas größer, deswegen brauchen wir jemand kräftigen dafür.
Im Wohnzimmer angekommen stellte sie sich daneben.
„Das ist es.“
Dem Blick ihres Gegenübers nach zu urteilen, war das wohl nicht gerade das, was er sich unter dem Paket vorgestellt hatte. Neben der zierlichen Angestellten thronte ein Paket mit einer Kantenlänge von jeweils 1.10m, dass sie im Vergleich dazu noch kleiner erscheinen ließ.
„Es wiegt ungefähr 27 Kilo. Wir sind Ihnen wirklich dankbar, dass sie uns die Arbeit damit abnehmen!“ lächelte sie.
Als er das Paket in den Hausflur zur Tür getragen hatte, gab sie ihm das Geld für die Post.
„Das ist für die Portogebühren. Kommen Sie danach noch einmal wieder mit der Quittung und Sie bekommen Ihren Lohn ausgezahlt.“ Lächelte sie.
Sie öffnete ihm die Tür und ließ ihn das Paket die paar Stufen runterschleppen.
„Oh, das hätte ich fast vergessen! Die Postfiliale die Straße runter ist leider wegen Umbau geschlossen. Die nächste ist in ungefähr zweieinhalb Kilometern Entfernung diese Richtung.“
Sie deutete mit dem Arm einmal nach links und gab ihm dann eine Karte mit der eingekreisten nächsten Poststelle.
„Sie finden das sicher recht schnell.“ Lächelte sie und schloss danach die Tür.
Als jener nach knapp zwei Stunden zurückkam ließ sie sich die Quittung und die Karte geben und reichte ihm dafür seinen Lohn.
„Vielen Dank, Sie haben uns wirklich sehr geholfen.“




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In ihrem Geschäft mit Belial -> Bei der Golden Times.

Rhena sah aus dem Fenster, während sie ein Omlette und etwas Brot zum Frühstück aß. Ihr Kater streifte ihr unterm Tisch um die Beine und sah sie mit seinem Bettelblick an.
Im Grunde war er eine Straßenkatze, die Rhena von Zeit zu Zeit gefüttert hatte und nun war es ihre Katze. Und der schwarze Kater schien auch kein Interesse daran zu haben, sein neues Zuhause wieder zu verlassen.
Rhena strich ihm einmal über den Rücken, dass er sich streckte und gab ihm dann die Reste ihres Frühstücks. Die Hexe hatte noch ein paar Vorbereitungen in ihrem Geschäft zutreffen.
Ganz in diese versunken, wurde sie erst herausgerissen, als sie die Glocke ihrer Eingangstür hörte. Der erste Kunde heute.
Sie strich sie die Haare etwas nach hinten und ging lächelnd mit einer kleinen Kiste ihrer Tintenbestände für Privatkunden nach vorne zum Verkaufstresen.
„Guten Morgen, wie kann ich Ihnen behilflich sein?“ Als sie den Dämon sah erübrigte sich diese Frage. Als ihr Kater den Hund ihres Besuchers sah, verschwand er sogleich nach hinten wieder.
„Guten Morgen, Sir Pearce. Ich nehme an, Sie sind wegen der Ratenzahlung hier?“ wie zu erwarten, bestätigte er ihr dies.
„Einen Moment bitte.“ Die Hexe ging zurück in die hinteren Räumlichkeiten.
Kurze Zeit später kam die Hexe auch wieder nach vorne zum kleinen Tresen im Verkaufsraum mit dem üblichen Umschlag in der Hand.
"Bitte sehr, Sir Pearce" Die Hexe reicht ihm dem Umschlag.
"Allerdings ...fehlt ein dreiviertel Pfund." Sprach sie. Der Dämon würde den Betrag ohnehin nachprüfen und es merken.
"Das Geschäft lief diesen Monat etwas schlechter." Nun genau genommen tat es das nicht. Es lag lediglich an der neuen Ratenhöhe seit diesem Monat und der Unterhaltszahlung an ihren Mann letzte Woche. Aber das würde sie dem Dämon nicht sagen. Und interessieren täte es ihn wohl ohnehin nicht.
"Wenn Sie so gütig wären, mir zwei bis drei Tage Zeit zu geben, könnte ich Ihnen den restlichen dreiviertel Pfund zurückzahlen." Bat sie.
"Ansonsten bin ich sicher, dass man sich anderweitig einigen kann." Die Hexe wusste immerhin, dass auch der Dämon gelegentlich ihre Produkte kaufte und bisher immer zufrieden gewesen war.
Momentan allerdings sah er alles andere als Glücklich aus. Eher, als hätte er bei einer wichtigen Auktion den Zuschlag verloren…
"Nun gut, Miss Griffiths. Ich gewähre Ihnen den Aufschub." Sprach er
"Unter einer Bedingung. Sie sind mir dann zur richtigen Zeit... einen Gefallen schuldig." Fügte er eine Bedingung hinzu.
Die Hexe nickte einmal.
"Vielen Dank. Ich werde das Geld in zwei Tagen bei Ihnen in der Bank vorbeibringen, Sir Pearce. Ich arbeite bereits an einer Erweiterung meines Kundenstammes. Dann werden die zukünftigen Raten wieder pünktlich eintreffen." Versicherte Sie ihm.
"...Darf ich fragen, an welche Art von Gefallen Sie denken?" schließlich war bei so etwas immer eine gewisse Skepsis angebracht. Seine ausschweifende Antwort interpretierte sie jedoch einfach als ein ‚nein‘.
„Nun gut, wie Sie meinen Sir Pearce.“ Nickte sie einmal.
„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Sir Pearce?“ Allerdings schien dem nicht so zu sein.
„Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Tag. Ich werde in zwei Tagen zu Ihnen kommen.“ Verabschiedete sie sich von dem Dämon.
Kaum, dass die Tür ins Schloss gefallen war, seufzte sie einmal und ließ den Kopf hängen. Sie musste definitiv einen Vertrag mit der Golden Times bekommen.
Als der Dämon ihr damals vor einem Jahr einen Kredit gewährt hatte – als einziger Bänker ganz Londons! – hatte er in ihren Vertrag eine Staffelung der Ratenhöhe eingebaut. Alle drei Monate erhöhte sie sich etwas. Der Dämon hatte es damals damit begründet, dass es ihr den Aufbau ihres Geschäfts erleichtern würde. So wären die Raten gering zu Beginn, wenn sie noch nicht viele Kunden hatte. Mittlerweile war sie bei der 5. Ratenhöhe und zusammen mit dem Unterhalt an ihren Mann würde das auf Dauer zum Problem werden, wenn sie nicht neue Kunden gewann. Genau deswegen hatte sie heute einen Termin mit der Golden Times. Wenn alles glatt lief und die Hexe sie von ihrer Tinter überzeugen konnte, würde sie sich für einige Zeit keine Sorgen mehr um die zukünftigen Raten machen müssen.
Die Hexe stellte die restlichen Proben her, richtete den Laden etwas her und bediente drei Privatkunden, bevor sie sich auf den Weg zum Gebäude der Golden Times machte.
Am Empfang stellte sie sich vor und wurde gebeten, kurz etwas Platz zu nehmen.
Nach ungefähr fünf Minuten, kam eine Frau mit feuerroten Haaren. Ihr Auftreten war sehr selbstsicher, dennoch war sie freundlich und stellte sich als persönliche Sekretärin vor.
„Bitte verzeihen Sie, Miss Bolding, ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber ich habe angenommen, dass Sir Piercy für dieses Treffen anwesend sein würde.“ Sprach sie etwas überrascht, bevor die Dame ihr erklärte, dass jener gerade mit firmeninternen Problemen zutun hatte, die überraschend eingetreten waren.
„Ich verstehe.“ Nickte sie einmal, bevor sie Miss Bolding in einen Raum folgte und sie über das Geschäft reden konnten.
„Ich würde gerne eine Partnerschaft mit der Golden Times eingehen.“ Begann Rhena ohne Umschweife.
„Mir ist bekannt, dass Ihre Zeitung die Auflagenreichste der ganzen Stadt ist. Für eine solche tägliche Produktion müssen erhebliche Mengen Tinte gebraucht werden. Ich würde gerne eine der Zulieferer für die Golden Times werden.“ Sie reichte ihrem Gegenüber eine ihrer Tintenproben, welche jene eingehend prüfte bevor sie sagte, dass sie bereits mehrere große Tintenzulieferer in hervorragender Qualität hatten. Das wusste die Hexe. Sie hatte die Tinte der Golden Times Zeitung schon ein paar Mal begutachtet und sie war wirklich sehr hochwertig. Verglichen zu anderen Zeitungen, schmierte diese Tinte nicht irgendwo ab.
„Das ist mir bewusst.“ Rhena hatte schon mit diesem Einwand gerechnet.
„Die Golden Times wird viel mit schwarzer Tinte versorgt …aber wie sieht es mit farbiger Tinte aus?“ sie reichte ihrem Gegenüber vier weitere Proben. Dunkelrot, Gold, Hellblau und Smaragdgrün. In der Regel kauften die Leute diese Tinten nur für spezielle Anlässe hin und wieder. Dennoch hatte die Hexe sie immer in ihrem Sortiment.
„Die Herstellung erfolgt nach den Selben Schritten wie die Tintenherstellung im Mittelalter in Klöstern für Bilder in Büchern. Lediglich die Macken wurden verbessert.“ Erklärte sie, während ihr Gegenüber die vier Proben eingehend studierte.
„Ich habe noch weitere in meinem Sortiment. Die Golden Times könnte die erste Zeitung sein, die farbige Illustrationen in ihren Ausgaben hat. Oder auch nur farbige Headlines. Das bleibt Ihnen überlassen.“

Letzte Änderung durch Luce (Am 27.05.2022 um 08.00 Uhr)



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#16 Am 20.06.2022 um 01.12 Uhr

Absynthgarde
Panthea
Rookie
Panthea
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in der Kutsche  |  mit Henry & James

Während die Herren der Runde weiterhin ihren Gedanken nachgingen, sah die Dämonin aus dem Fenster. Aber es hatte nicht den Anschein, als würde ihnen jemand folgen. Dennoch hatte sie ihrem Kutscher die Anweisung gegeben, sicherheitshalber nicht auf direktem Wege zum Anwesen von Mr. Morris zu fahren.
Vorsicht war die Mutter der Porzellankiste.

Ohne Zwischenfälle setzten wir Mr. Morris ab und machten uns auf den Rückweg zu unserem Anwesen.
James war noch immer nicht sehr gesprächig und Eireann beschloss, abzuwarten, bis sie zuhause angekommen waren, bevor sie nachhaken würde, was ihn beschäftigte.
Nachdem sie aus der Kutsche ausgestiegen waren, bat Eireann den Kutscher, seinen Kollegen damit zu beauftragen, dass er sie kurz vor Sonnenaufgang erneut aufsuchen sollte, damit sie rechtzeitig vor dem Druck der neuen Ausgabe in der Druckerei ankamen.
Dann betrat sie mit dem noch immer schweigsamen Vampir das Anwesen.

Im Innern kam ihr sogleich ein aufgeregtes Fellknäuel entgegengesprungen. Mit einem Satz sprang Aidan der Dämonin in die Arme, die ihn lachend herumwirbelte.
„Ich hab dich auf vermisst, Schatz.“ Überschwänglich drückte sie dem Dämonenhund einen Kuss auf die Stirn. Wild schwänzelnd presste sich der Rüde an sie und schleckte ihr übers Gesicht.
In der Zwischenzeit war die Dienerin angerannt kommen, die an diesem Abend auf Aidan aufgepasst hatte.
Er brauchte nicht wirklich Schutz oder stellte etwas an, aber er war ungern allein und wenn Eireann ihn nicht mitnehmen konnte, weil sie an einen belebten Ort ging, bat sie immer eines der Dienstmädchen, Aidan Gesellschaft zu leisten.

„Verzeihen Sie, Miss. Als Aidan gehört hat, dass Sie wieder zurück sind, ist er sofort losgerannt“, entschuldigte sich das Mädchen und war sichtlich nervös.
Sie war noch recht neu angestellt und recht schüchtern. Eireann versicherte dem Dienstmädchen, dass sie nichts falsch gemacht habe und Aidan schwer zu bremsen sei, wenn er sich erst etwas in den Kopf gesetzt hatte.
Die Dämonin dankte ihr, dass sie so lange auf ihn aufgepasst hatte und entließ das Mädchen in den wohlverdienten Feierabend.

Als Eireann endlich mit ihrem Freund allein war, drehte sie sich zu ihm um und setzte eine ernstere Miene auf.
„Also. Willst du mir verraten, was dich die ganze Zeit über so beschäftigt?“
Unentschlossen sah der Vampir zu Boden.
„Oder hat es mit deiner ominösen Investition zu tun, von der du mir ja nichts verraten willst.“
James schüttelte den Kopf. „Ich bin auf der Gesellschaft jemandem begegnet.“ „Das haben Gesellschaften wohl so an sich“, meinte Eireann grinsend.
James rollte mit den Augen. „Mrs. Smith, die Gattin von Sir Alastor.“ Eireann nickte wissend. „Das Ehepaar, das wohl mit den meisten Gerüchten behaftet ist“, entgegnete sie und erzählte ihrem Freund von dem Gerücht, dass die Beiden wohl nicht einmal vor dem Traualtar zusammen gesehen wurden.
Dem Vampir entlockte es zwar ein kleines Schmunzeln, aber blieb weiterhin ernst und meinte, dass sie eine Gefahr sein könnte.

Die Dämonin folgte dem Vampir in dessen Arbeitszimmer und setzte sich dort, immer noch mit Aidan auf dem Arm, auf den Diwan. James hingegen tigerte unruhig im Raum herum. „Ich habe mitbekommen, wie sie mit jemand anderem über die Venatoren gesprochen hat. Diese waren wohl dabei, einen Vampir zu töten und haben die Bekannte von Mrs. Smith ausgesperrt, sodass sie nicht helfen konnte.“ „Wem wollte sie denn helfen?“ „Das ist eine gute Frage, Eireann. Wenn ich das wüsste, bräuchte ich mir nicht so viele Gedanken zu machen. Vielleicht wollten die Beiden dem Vampir helfen. Vielleicht auch den Venatoren.“
Eireann dachte nach. „Möglicherweise sieht man ihren Mann so selten, weil er ein Vampir ist?“, mutmaßte sie. „Vielleicht ist er aber auch zu beschäftigt damit, sie zu jagen“, meinte James pessimistisch.
Eireann nickte. „Das ist natürlich auch möglich.“
Sie dachte kurz nach. „So oder so sollten wir herausfinden, woran wir sind. Ein Venator bedeutet immer Gefahr und wir sollten sichergehen, dass sie dir nicht auf der Spur ist, sollte sie einer sein.“
„Und wie sollen wir das anstellen? Ich kann sie schlecht fragen. Abgesehen davon, dass sie ohnehin nur wenig preisgibt von ihrem Leben.“

Die Dämonin bat, dass er ihr alles erzählte, woran er sich erinnerte. Was sie gesagt und getan hatte. Wie sie gewirkt hatte. Nachdem James der Bitte nachgekommen war, nickte Eireann.
„Lad sie zur Entschuldigung ein“, schlug sie vor.
Zweifelnd hob James eine Augenbraue. „Ich soll sie einladen?“
„Natürlich. Du sagst, dass du wegen einem dringenden Fall mit deiner Cousine die Gesellschaft verlassen musstest und dass du sie zur Entschuldigung einlädst. Ein Coffeehouse wäre da doch eine schöne Idee. Irgendwann zur Mittagszeit.“ „Zur Mittagszeit? Damit sie mich gleich als Pulver unter ihren Kaffee mischen kann?“ „Wenn sie ein Vampir ist, wird sie auf jeden Fall ausschlagen. Wenn sie ein Venator und dir auf die Schliche gekommen ist, wird sie zusagen. Dann brauchst du nur in letzter Sekunde einen Rückzieher machen, weil es einen angeblichen Notfall in der Zeitung gegeben hat und du verschiebst es auf ein Abendessen.“ „Und wenn sie eine Venatorin ist und kein Interesse hat, sich mit mir zu treffen? Oder eine Dämonin?“ „Natürlich ist es kein sicherer Beweis. Aber aus Höflichkeit müsste sie zusagen, wenn es ihr irgendwie möglich ist. Und wir werden sie genauer beobachten, bis wir Gewissheit haben. Ich werde versuchen herauszufinden, zu welcher Gesellschaft sie als nächstes geht. Wir werden dann auch erscheinen und sie in ein Gespräch verwickeln.“

Immer noch zweifelnd nagte James an seiner Unterlippe. Allerdings hatte er auch keine bessere Idee, wie er herausfinden sollte, ob Mrs. Smith eine Gefahr war oder nicht. Schließlich nickte er. „Es ist wohl die beste Option, die wir momentan haben.“
Nachdem das entschieden war, besprachen die Zwei noch ein paar Dinge bezüglich der Vorgehensweise und regelten noch ein paar Angelegenheiten mit der Zeitung.
Danach setzte sich die Dämonin an den Artikel über die neue Welt, während Aidan sich an ihre Füße kuschelte.
Eireann wollte sich beeilen, damit der Artikel es vielleicht noch in den Druck für die Morgenausgabe schaffte und eilte ein paar Stunden später mit dem neuen Artikel und Aidan im Gepäck zur Druckerei, um den Arbeitern dort die neuen Instruktionen weiterzugeben.
Der Vorarbeiter war zwar alles andere als begeistert, dass die Einstellungen der Presse nochmal abgeändert werden mussten, aber eine Neuheit war es für die Druckerei auch nicht. Es war nicht das erste Mal, dass sich kurzfristig noch eine Neuigkeit ergeben hatte. Und ein Journalist mit Verstand würde niemals abwarten, bis eine andere Zeitung ihm vielleicht zuvorkommen würde.

Als alles geklärt war, ging die Sonne bereits auf.
Normalerweise würde James jetzt schon im Bett liegen und schlafen.
Aber sie hatten ausgemacht, dass er sich demnächst wieder auf der Arbeit würde blicken lassen und dafür musste er seinen Schlafrhythmus etwas anpassen.
Allerdings lohnte es sich nicht wirklich, wieder zurück zum Anwesen zu fahren. Sonderlich lange würde es nicht mehr dauern, ehe Eireann ein Treffen mit einer Händlerin hätte und wenn James wieder vor Ort sein würde, musste sie noch einige Vorbereitungen treffen. Vorbereitungen, die die menschlichen Mitarbeiter besser nicht mitbekämen.
Also ließ sie sich von ihrem Kutscher zur Golden Times fahren und gab ihm dann für den Rest des Tages frei.

Wann immer James beabsichtige, sich ein paar Tage lang auf der Arbeit blicken zu lassen, sorgte sie dafür, dass es in den Innenräumen schrittweise dunkler wurde, damit es nicht allzu sehr auffiel.
Die Räume, die James überhaupt betreten würde, waren ohnehin allesamt besonders lang, sodass er am Rand entlanglaufen konnte, ohne dass die Sonnenstrahlen ihn direkt berühren würden, gleich wo die Sonne zu der Zeit stand. Allerdings machte es das für einen Vampir noch lange nicht angenehm, sich in einem solchen Raum aufzuhalten.
Aber wozu war man ein Dämon, wenn man sich in der Welt nicht etwas auskannte.

In all ihren Jahren hatte Eireann häufiger die Freundschaft zu Vampiren, genauso wie zu Hexen gepflegt. Und nicht selten waren diese Freundschaften hilfreich gewesen.
Ebenso für diese Situation.
Eireann betrat das Gebäude durch den Hintereingang, der im überdachten Innenhof lag. Von dort aus führte ein breiter Gang nach vorne in die Eingangshalle. Der Gang zweigte noch in die Lagerräume und die öffentlichen Toiletten ab, allerdings waren die Türen nicht  verglast, weshalb der Gang für James kein Problem darstellen würde. Die Eingangshalle war zwar deckenhoch mit Buntglas verglast, aber die Sonnenstrahlen reichten nie bis zur großen Treppe, die direkt neben dem Gang lag.
Zumal er das Gebäude auch nicht zur Mittagszeit betreten würde.
Die Treppe selbst war ebenfalls kein Problem, dafür das Podest, auf dem man im ersten und zweiten Stockwerk ankam. Die Fenster waren zwar ebenfalls Buntglasfenster, aber das Licht war deutlich intensiver als im Erdgeschoss.
Aus einem Beutel zog Eireann eine flache, goldene Münze und schob diese links in den Rahmen des Fensters, wo eigens eine Vertiefung eingelassen war, sodass die Münze nicht auffiel.

Ein leicht nebliger Schleier, für menschliche Augen nicht zu erkennen, breitete sich von der Münze aus über das Glas aus, sodass es nur unmerklich dunkler wurde. Die Münzen hatte sie vor ein paar Jahrhunderten von einer Hexe gefertigt bekommen, die sie mit einem Nebelzauber belegt hatte. Diese hatte den Zauber für Vampire entwickelt, damit diese besser mit der Sonne zurechtkamen.
Mit jeder zusätzlichen Münze, die sie in den nächsten Tagen platzieren würde, würde sich der Zauber verstärken und wenn jede Ecke der Wand mit einer Münze abgedeckt wäre, würde sich das Fenster genug verdunkelt haben, dass sich ein Vampir kurzzeitig dort aufhalten konnte.
Dasselbe tat die Dämonin mit den Räumen der Journalisten, ihrem eigenen Büro, das sie ohnehin stets ziemlich dunkel hielt und sämtlichen anderen Podesten an den Treppen.

Nach getaner Arbeit zog sie sich in ihr Büro zurück und kümmerte sich um ein paar organisatorische Arbeiten, bis die Zeitung offiziell öffnete.
Nach einer Weile ging Eireann nach unten, um Ms. Walker und Mrs. Porter, die Empfangsdamen in der Eingangshalle zu begrüßen. Nach einer kurzen Unterhaltung überreichte Ms. Walker Eireann die neuste Ausgabe der Golden Times und Eireann sah in den verschiedenen Abteilungen nach dem Rechten.
Sie wollte gerade wieder zurück in ihr Büro, als Mrs. Porter sie darüber informierte, dass die Tintenhändlerin eingetroffen war, mit der sie eine Verabredung hatte.

Zusammen mit der Empfangsdame ging die Dämonin nach unten, wo Rhena Griffiths bereits saß und wartete.
„Guten Morgen, Miss Griffiths. Es ist mir eine Freude Sie kennenzulernen. Mein Name ist Eireann Bolding, ich bin die persönliche Sekretärin von Sir Percy.“ Die Dame schien etwas verwundert und meinte, dass sie davon ausgegangen war, mit James direkt zu sprechen.
„Sir Percy muss sich momentan um eine dringende Angelegenheit kümmern, die plötzlich dazwischengekommen ist, daher werde ich mir Ihr Angebot anhören. Aber seien Sie versichert, dass ich mich ebenfalls mit der Materie auskenne und die volle Befugnis von Sir Percy habe.“
„Ich verstehe“, entgegnete sie nickend. „Dann lassen Sie uns in mein Büro gehen, dort können wir ungestört sprechen.“

Kaum hatten die beiden Frauen Platz genommen, verkündete Miss Griffiths, dass Sie an einer Partnerschaft mit der Zeitung interessiert war.
Sie überreichte Eireann ein kleines Tintenfässchen, das die Dämonin prüfend in die Hand nahm und gegen das Licht hielt.
Auf den ersten Blick wirkte es ausgesprochen rein und intensiv.
„Ihnen ist sicherlich bewusst, dass wir bereits herausragende Lieferanten haben“, sagte Eireann, ohne den Blick von der Tinte zu nehmen.
„Das ist mir bewusst. Die Golden Times wird viel mit schwarzer Tinte versorgt… aber wie sieht es mit farbiger Tinte aus?“
Die Händlerin zog vier weitere Fläschchen hervor und stellte sie auf den Tisch zwischen sich und Eireann.

Bunte Tinte war wahrlich eine Seltenheit, da sie in der Regel recht kostspielig war. Deshalb hatten James und ich bisher davon abgesehen, welche zu verwenden.
Diese Tinte wirkte auf jeden Fall sehr intensiv und ebenso qualitativ hochwertig wie die schwarze Tinte.
Miss Griffiths erklärte, dass das Verfahren dasselbe war, wie es bereits im Mittelalter durchgeführt wurde, dass sie allerdings einige Fehler behoben hatte.
Während Eireann zuhörte, zog sie aus einer Schublade einen Füllfederhalter, um die Tinte auszuprobieren. Auf dem Papier sah es wirklich gut aus, sowohl die schwarze als auch die farbige Tinte.

„Die Golden Times könnte die erste Zeitung sein, die farbige Illustrationen in ihren Ausgaben hat. Oder auch nur farbige Headlines. Das bleibt Ihnen überlassen“, endete schließlich die Händlerin und wartete ab, was Eireann dazu sagen würde.
Die Verwendung farbiger Tinte würde sicherlich für einen gesteigerten Verkauf sorgen.
Doch die Frage war, ob es sich schlussendlich auch rechnen würde.

„Auf den ersten Blick, scheint Ihre Ware durchaus akzeptabel“, meinte Eireann und zog dabei die Stirn etwas kraus.
Ein alter Babylonier, mit dem sie einst gehandelt hatte, hatte dies stets gemacht, wenn sie einen Vorschlag entgegengebracht hatte.
Im Nachhinein hatte er ihr dann erklärt, dass es nie klug war, zu begeistert von etwas zu sein, von dem man im Begriff war, zu kaufen. Denn das würde schließlich den Preis nur in die Höhe treiben. Er war ein Halunke vor dem Herrn gewesen, aber damit hatte er eindeutig Recht behalten.

„aber schon damals hatte es einen Grund, weshalb lediglich die Bibeln mit solcher Tinte geschrieben wurden“, führte Eireann fort. „Die Herstellung ist gewiss um einiges kostspieliger als einfache Tinte und Sie haben selbst gesagt, dass Sie einige Fehler ausmerzen mussten. Da stellt sich mir die Frage, ob das Ganze nicht etwas den Rahmen sprengen würde, den wir für Tinte zur Verfügung haben. Von welchem Preis sprechen wir also?“




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in der Kutsche  |  mit Eireann und Henry

Während der ganzen Fahrt über versuchte der Vampir den Abend wieder und wieder zu rekapitulieren. Irgendeinen Hinweis darauf zu finden, ob es sich bei Mrs. Smith um einen Vampir oder einen Venator handelte. Möglicherweise war sie auch ein Dämon. Aber er wurde einfach nicht schlau aus dieser Frau.
Gedankenverloren folgte James Eireann in ihr Anwesen.
Er wurde erst wieder zurück in die Realität gezogen, als Eireanns Dämonenhund freudig bellend auf die Beiden zu gerannt kam und der Dämonin in die Arme sprang.

Lächelnd beobachtete James wie der Hund sein Frauchen begrüßte.
Er wusste, dass Eireann ihren Gefährten nur ungern allein lies und dies eigentlich auch nur auf Abendgesellschaften mit vielen Gästen tat, weil Aidan so klein war.
Umso größer war die Freude des Wiedersehens, wenn die Beiden wieder aufeinandertrafen.

Während Eireann mit dem Dienstmädchen sprach, das auf Aidan aufgepasst hatte, wanderten James Gedanken jedoch wieder zurück zu der Adligen.
„Also. Willst du mir verraten, was dich die ganze Zeit über so beschäftigt?“ Eireanns Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen.
„Oder hat es mit deiner ominösen Investition zu tun, von der du mir ja nichts verraten willst.“
„Ich bin auf der Gesellschaft jemandem begegnet“, meinte der Vampir kopfschüttelnd. Eireann grinste und antwortete, dass dies wohl normal auf einer Abendgesellschaft sei. James rollte mit den Augen und entgegnete, dass es Mrs. Smith war, der er begegnet war.
„Das Ehepaar, das wohl mit den meisten Gerüchten behaftet ist“, sagte Eireann nickend und musste grinsen. „Man munkelt, da man sie nie zusammen sieht, dass sie nicht einmal gemeinsam vor dem Traualtar gestanden haben.“ James musste unweigerlich schmunzeln. „Ein interessanter Gedanke. Aber ich fürchte, sie könnte eine Gefahr darstellen. Wir sollten in meinem Arbeitszimmer in Ruhe darüber sprechen.“ Augenblicklich wurde Eireann wieder ernst und nickte.

Zusammen gingen sie in das erste Stockwerk in James Zimmer.
Während Eireann sich hinsetzte, blieb James stehen und setzte seine Freundin über die Geschehnisse auf der Feier in Kenntnis.
Eireann mutmaßte nach einer kurzen Denkpause, dass der Gatte von Mrs. Smith vielleicht ein Vampir sei und man ihn deshalb so selten antraf. „Vielleicht ist er aber auch zu beschäftigt damit, sie zu jagen“, erwiderte James nicht gerade optimistisch.
Die Dämonin stimmte zu, dass dies natürlich ebenfalls eine Möglichkeit war. Sie war jedenfalls genauso der Meinung, dass sie herausfinden mussten, was schlussendlich der Fall war.

„Und wie sollen wir das anstellen? Ich kann sie schlecht fragen. Abgesehen davon, dass sie ohnehin nur wenig preisgibt von ihrem Leben“, meinte James und in seiner Stimme klang ein leichtes Verzweifeln mit.
„Erzähl mir doch erst einmal alles von Beginn an. Wie ihr euch begegnet seid und was sie anschließend gesagt und getan hat. Dann sind wir vielleicht schon schlauer und können besser überlegen, wie wir die Wahrheit herausfinden können.
Er begann mit der Erzählung, ließ auch ihr seltsames Verhalten im Garten nicht aus und endete schließlich mit dem Verschwinden der Adligen.
Eireann hörte aufmerksam zu, konnte von ihrem Verhalten allerdings ebenso wenig wie James eine Schlussfolgerung ziehen.
Allerdings hatte sie eine Idee, wie sie die Optionen etwas eingrenzen konnten.
Nachdem sie alles besprochen hatten, verabschiedete sich Eireann und überließ den Vampir wieder sich selbst.

Seufzend setzte er sich an seinen Schreibtisch, legte Briefpapier und Tintenfass bereit und nahm sich zuletzt den Füllfederhalter, den Eireann ihm vor einigen Jahren geschenkt hatte.
Mit ihm ließ es sich deutlich leichter schreiben als mit einer Feder, auf die James seitdem vollends verzichtete.
Den Kopf in die Hand gestützt brütete über dem Papier und sann über die rechten Worte nach.
Immer wieder fing er an, nur um dann den Papierbogen zu zerknüllen und wieder neu anzusetzen.

Die Sonne war kurz davor aufzugehen, als er endlich einen Entwurf hatte, mit dem er zwar nicht sonderlich zufrieden war, von dem er aber einsah, dass er es besser nicht hinbekommen würde.

Brief

Er faltete das Papier zusammen, schob es in den Briefumschlag und verschloss diesen dann mit Wachs und seinem Familiensiegel.
Zusammen mit der Anweisung, es persönlich zu Mrs. Smith’s Anwesen zu bringen, legte James das Schreiben unten in den Salon, wo er häufiger Anweisungen für die Angestellten hinlegte, wenn er irgendetwas am Tag erledigt haben musste.
Dann zog er sich in sein Schlafzimmer zurück, zog alle Vorhänge zu und legte sich mit einem Roman ins Bett.




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am Straßenrand des Londoner Marktes  |  allein

Lächelnd verabschiedete sich Fiona von der älteren Dame, der sie eben die Karten gelegt hatte. Es gab leider nicht viele, die Interesse an Tarot hatten. Die meisten hielten es vermutlich für Lug und Betrug oder zumindest für reine Zeit- und Geldverschwendung.
Aber mit ihren Heilmitteln verdienten Fiona und ihre Tante leider nicht genügend, um über die Runden zu kommen. Abgesehen davon, liebte Fiona das Kartenlesen. Es war eine besondere Art der Magie und konnte ganze Lebensgeschichten erzählen.
Und das war das Faszinierende daran.

Nach einer Weile fiel der Hexe eine junge, fremdländische Frau auf, die interessiert auf den Tisch starrte, den Fiona vor sich aufgebaut hatte. Wie die Rothaarige die Fremde einschätzte, würde sie sie vermutlich eher verscheuchen, würde die Hexe sie direkt ansprechen. Es war besser, wenn sie ihre Neugier weiter ausreizen würde, bis sich die Ausländerin selbst dazu entschließen würde, sich an die Hexe zu wenden.
Also mischte Fiona ihre Karten neu, legte langsam ein einfaches Legemuster auf den Tisch, las die Karten wieder auf und mischte sie erneut.
Schließlich gab sich die Fremde einen Ruck und kam auf Fiona zu.

Nachdem sie Fiona gegrüßt hatte, erklärte die Fremde, dass sie Interesse an dem Tischtuch und den Karten hatte. „So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen. Was machen Sie genau damit?“
Lächelnd sah Fiona zu der Frau hoch.
„Das Tischtuch selbst ist nichts Besonderes“, erklärte Fiona. Was allerdings nur teilweise stimmte. Das Tuch hatte einst ihrer Mutter gehört und war von dieser selbst genäht und mit keltischen Symbolen bestickt worden. Es war wohl der kostbarste Gegenstand, den Fiona besaß. Ein Erbstück, das die Ursprünge ihrer Familie wiedergab.

„Die Karten jedoch sind keine gewöhnlichen Karten.“ Fiona drehe eine Karte auf die Vorderseite. Auf dem schwarz-weiß-melierten Hintergrund war ein Schlüssel abgebildet. Innerlich musste sie grinsen.
Es waren in der Tat keine gewöhnlichen Karten. Es waren auch keine gewöhnlichen Tarotkarten, wie sie die Menschen nutzten.
Sie selbst hatte die Karten gefertigt. Jede einzelne Faser des Papiers und jeder Tropfen Tinte, war angereichert mit ihrer Magie.
Das Tarot der Menschen mochte der Unterhaltung und des Zeitvertreibs dienen.
Doch das Tarot einer Hexe würde stets die Wahrheit zeigen.
Und der Schlüssel stand für die neue Gelegenheit, die sich Fiona gerade ergeben hatte.

„Vielleicht haben Sie schon von Tarot gehört. Es ist eine Kunst, die einem ermöglicht, Dinge über die Vergangenheit, die Gegenwart und sogar die Zukunft zu erfahren. In England ist diese Kunst noch nicht weit verbreitet, aber immer öfter wenden sich die Menschen an das Tarot, wenn sie eine wichtige Entscheidung zu treffen haben oder vor einem besonderen Ereignis stehen. Wenn Sie wissen wollen, was sie erwarten wird oder wenn Sie Hilfe bei einer Entscheidung brauchen, so stehe ich Ihnen mit dem Tarot gerne zur Verfügung. Es kostet Sie nur 3 Schilling, werte Dame.“
Die Augen der Fremden weiteten sich vor Staunen und Fiona konnte nicht umhin breiter zu lächeln. Die Ausländerin schien kurz zu überlegen und dann erkundigte sie sich, ob sie ihre Frage laut würde aussprechen müssen.
„Nun, laut müssen Sie es nicht sagen“, antwortete Fiona lachend. „Aber je genauer ich weiß, wonach ich Ausschau halten muss, umso präziser werde ich Ihnen auch eine Antwort geben können.“

Erneut dachte die Fremde nach. Wahrscheinlich erwog sie, ob sie ihre Frage preisgeben wollte oder nicht. Fiona hatte schon öfters erlebt, dass es den Menschen peinlich war, ihre Probleme offen auszusprechen. Im Prinzip gehörte es auch zur Aufgabe der Hexe, ihnen bei diesen Sorgen weiterzuhelfen. Nicht zuletzt wollten die Menschen die Zukunft nicht nur aus reiner Neugier wissen. Es war die Angst vor dem was sie erwartete.
Selbst wenn sie keine guten Nachrichten überbringen konnte, war ein Teil der Menschen doch erleichtert, dass sie nicht mehr im Ungewissen waren.

Schließlich verkündete die Fremde ihre Frage. „Wird mein Vater mir meinen Wunsch erfüllen?“ Fiona nickte. „Lassen Sie es uns gemeinsam herausfinden. Darf ich Sie zuerst um meinen Lohn bitten?“, fragte sie ruhig und lächelnd. Nickend kramte die Ausländerin einen Schilling hervor und legte die Münze auf den Tisch. „Haben Sie dank, meine Dame.“ Die Hexe nahm die Münze und ließ sie unter dem Tisch verschwinden.
„Nun denn“, begann Fiona, während sie die Karten neu mischte. „Die meisten der Tarotkundigen würden die Karten für Sie selbst legen. Ich bin jedoch der Meinung, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat und andere es nicht für einen übernehmen sollten.“

Mit einer flüssigen Bewegung fächerte sie die Karten verdeckt vor sich auf dem Tisch auf und sah zu der Fremden hoch.
„Bitte wählen Sie darum die erste Karte. Denken Sie dabei an die Vergangenheit ihres Vaters. An das, was ihn ausmacht. Wählen Sie intuitiv und legen Sie die Karte bitte hier an das Tischende.“ Die Hexe deutete auf die linke, obere Ecke und wartete ab, bis die andere Frau ihre Entscheidung getroffen hatte. Diese nahm eine Karte von der linken Seite und legte sie an die entsprechende Stelle.
Auch bei der nächsten Karte ließ sie die Fremde an ihren Vater und seine Vergangenheit denken. Diese fand rechts unterhalb der vorherigen Karte ihren Platz.
Bei den nächsten beiden Karten sollte die Ausländerin an ihre eigene Vergangenheit denken. Diese sollten an den linken unteren Tischrand und rechts darübergelegt werden. Zwischen den beiden rechten Karten sollte die Fremde anschließend eine weitere Karte platzieren, dabei sollte sie an das denken, was sie mit ihrem Vater verband.
Bei den nächsten vier Karten sollte die Fremde an den Alltag mit ihrem Vater und ihre Gefühle für ihn denken.
Zuletzt folgten weitere vier Karten, bei denen sie intensiv an ihren Wunsch denken sollte und die die Formation Saighead vervollständigten. Schlussendlich lagen alle Karten als Pfeil angeordnet auf dem Tisch.

Fiona begann mit den ersten beiden Karten, die aus der Sicht der Ausländerin oben links lagen und die diese als erstes gewählt hatte. „Wie Sie sich vielleicht denken können, spiegeln diese beide Karten ihren Vater wider. Sie zeigen seine Vergangenheit und sind ein Teil der Antwort auf Ihre Frage.“
Fiona deckte die beiden Karten auf. Die erste zeigte ein Schwert, dessen Klinge nach oben wies. „Das aufrechte Schwert“, verkündete Fiona und deckte anschließend die zweite Karte auf. Einen umgedrehten Schädel.

Formation Saighead


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