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#1 Am 30.10.2021 um 14.42 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
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Nachrichten: 591

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Die Vampirin griff nach einem Glas Sekt, das einer der Bediensteten ihr anbot, während die Musik des Streichorchesters im Hintergrund spielte.
Das war die erste Veranstaltung die Lis seit zwei Monaten besuchte. Auch wenn sie solche Anlässe liebte, weil sie ihren Schmuck zur Schau stellen konnte, so war sie doch immer achtsam. Große gesellschaftliche Ereignisse bedeuteten in der Regel auch immer Venatoren… Dieser Ball war etwas kleiner gehalten, wenn auch nicht weniger unterhaltsam. Und da ihr Ehemann nun einmal nicht an derartigen Anlässen teilnehmen konnte, musste sie es von Zeit zu Zeit, um einen guten Eindruck in der Öffentlichkeit Londons zu wahren. …außerdem lag dieses Anwesen nicht allzu weit entfernt, von ein paar Immobilien, die sich die Vampirin später in der Nacht noch ansehen wollte. Der Verkaufspreis war niedrig, der Gewinn dafür umso vielversprechender.
Lis nippte an ihrem Glas und hörte dabei aufmerksam ihrem Gesprächspartner zu. Es war ein älterer Herr, der Inhaber eines Transportunternehmens war, welches Güter aus Schottland nach Südengland transportierte. Viel Auf seine Erzählungen schien er sich jedoch nicht zu konzentrieren, sondern stattdessen viel mehr auf ihren Busen vor ihm. Vermutlich lag es an der Goldkette, deren Anhänger ihr Dekolté perfekt betonte und die sie erst vor einer Nacht bei ihrem Lieblingsjuwelier erworben hatte. Einer der wenigen, von dem die Vampirin wusste, dass er nicht menschlich war… Leider war er heute Abend nicht da, sonst hätte sie eine interessantere Unterhaltung führen können…
Ihr Blick durch den großen Saal ließ viele vertraute aber auch viele fremde Gesichter zu Tage kommen. Einer der Nachteile ihres Wesens war es, dass sie selten wusste, wem sie vertrauen konnte und wem nicht …wer war Mensch und wer nicht?
Höflich verabschiedete sich Lis einmal von ihrem Gesprächspartner der immer noch über schottischen Alkohol sprach, sein Blick dabei auf ihrer Oberweite statt ihrem Gesicht, und machte sich durch die Menge mit ihrem Glas auf den Weg zum Buffet. Sie nahm sich ein paar der Schokopralinen, die sie auch jetzt noch liebte und machte sich damit und ihrem Sekt auf den Weg nach draußen in den kleinen Garten. Etwas weg von der Musik und dem Kerzenlicht. Ihre Augen begannen langsam zu schmerzen und brauchten etwas Erholung
Die Vampirin lief ein paar Schritte, bevor sie sich auf eine kleine steinerne Bank setze, die Augen schloss und lausche. Sie war alleine, keine Schritte. Gut. Sie nahm eine der Pralinen auf ihrem kleinen Teller und begann sie zu essen.





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John stellte gerade eine neue Schale Snacks auf einen der Tische. Zusammen mit Adalrik und Penelope hatte er sich als Servicekräfte für diesen Abend engagieren lassen. …nun, eigentlich hatte er nur Glück gehabt. Sein Dienstplan hatte ihn ursprünglich für die Jagd im Ostbezirk Londons vorgesehen – dem schlimmsten und verdrecktesten Ort der ganzen Stadt. Dank einer Wette mit seinem Vater, die er gewonnen hatte, hatte er tauschen können und nun war er hier im warmen und hellen Saal, der Oberschicht Londons Häppchen und Sekt servieren zusammen mit Aldarik und Penelope, während sein Vater durch die tristen Gassen Ostlondons laufen musste.
Außerdem war Adalrik bereits solange fertig mit seiner Ausbildung zum Venator, dass er durch aus als Erfahren galt und die Verantwortung, die ursprünglich sein Vater heute übernehmen sollte, meistern würde. Zumindest wusste John nicht, warum Adalrik es nicht können sollte. So ziemlich jeder hielt hohe Stück auf den Venator.
John sah zu Penelope und Adalrik, als sie einen ruhigen Moment hatten.
„Habt ihr schon was ausfindig gemacht?“ Das Vampire und Dämonen hier waren, war keine Frage, das sagte ihm das Kribbeln im Nacken schon den ganzen Abend. Er kratzte sich einmal unauffällig, aber es ging nicht weg. Wenn einem dieses Jucken nur auch die Anzahl der Vampire sagen würde! Bei gewöhnlichen Jagden war es in der Regel nie ein Problem, da Vampire ohnehin eher Einzelgänger waren …aber bei solchen Anlässen.
„Dieses Jucken macht mich noch verrückt!“ zischte er leise.
„Warum wollte ich nochmal mit meinem Vater tauschen?“ seufzte er.
„Für mich sind es zu viele. Ich kann sie nicht orten…“ Abwartend sah er zu Penelope, ob die Venatorin als Späherin vielleicht etwas entdeckt hatte.

Letzte Änderung durch Luce (Am 31.10.2021 um 20.37 Uhr)



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#2 Am 08.11.2021 um 13.55 Uhr

Absynthgarde
Panthea
Recrute
Panthea
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Nachrichten: 58

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Wenn Eireann eines nicht leiden konnte, dann war es Arroganz. Und die versprühte der Mann vor ihr mehr als für ihn gut war.
Er war nur hier, um einen Termin bei James zu ergattern. Eireanns bester Freund und Besitzer der Golden Times war immer ein begehrtes Ziel all derer, die nach der Aufmerksamkeit des Volkes gierten.
Und dieser Mann gierte ganz besonders danach.
„Hören Sie Miss. Ich bin mir ja sicher, dass Sie gute Arbeit leisten. Aber ich denke, dass eine solche Entscheidung nur von Sir Percy selbst getroffen werden kann.“ Die rothaarige Dämonin seufzte. „Da muss ich Sie leider vertrösten. Sir Percy ist längst gegangen und auf dem Weg zu einem wichtigen Treffen. Versuchen Sie es am besten nächste Woche wieder.“
Der Mann setzte erneut an, aber sie schnitt ihm gleich das Wort ab.
„Jetzt hören Sie mal. Die Zeitung hat geschlossen. Ich bin im Inbegriff zu gehen, denn ich habe heute noch etwas anderes vor, als mir von Ihnen sagen zu lassen, dass sie unbedingt mit Sir Percy sprechen müssen, obwohl er nicht da ist. Und wenn Sie es nicht endlich aufgeben, mich zu belästigen, dann werde ich Sie höchstpersönlich hier rauswerfen, haben Sie mich verstanden?“
Verblüfft zuckte der Mann zusammen. Er schien endlich zu begreifen, dass er heute keinen Erfolg mehr mit seinem Anliegen haben würde. Er rümpfte die Nase, drehte sich auf dem Absatz um und ohne ein Wort des Abschieds, verschwand er.

Wenn die Dämonin nicht falsch lag, war der Mann ein Angestellter der Kirche und was immer er zu sagen hatte, dürfte wohl kaum von Interesse sein. Erleichtert endlich gehen zu können, sammelte Eireann ihre letzten Sachen zusammen und schickte den Boten aus, der die letzten Artikel für die morgige Ausgabe in den Druck bringen würde.
Ein Blick zur Uhr verriet ihr, dass sie nicht mehr viel Zeit haben würde, um mich für die Feier zurecht zu machen. Und wie sie James kannte, konnte sie ihn ebenfalls zur Eile antreiben.
In letzter Zeit war er irgendwie mit den Gedanken woanders.
Aber aus irgendeinem Grund wollte er nicht mit ihr darüber reden.
Während sie in die Kutsche stieg, die sie nach Hause fuhr, grübelte sie weiter darüber nach, wann das Ganze begonnen hatte und was der Auslöser gewesen sein mochte.
Als sie vor ihrem Anwesen ankam, war sie zu dem Schluss gelangt, dass James‘ sonderbares Verhalten begonnen hatte, seit er vor zwei Wochen mit Onyx ausgeritten war.

„Miss Bolding, soll ich die Kutsche vor der Tür stehen lassen.“
Die Stimme des Kutschers riss sie aus ihren Gedanken.
„Ich bitte darum, Geoffrey. Sir Percy und ich werden heute noch einer Abendgesellschaft beiwohnen und werden in Kürze die Kutsche wieder benötigen“, entgegnete Eireann freundlich und stieg aus der Kutsche aus, nachdem Geoffrey ihr die Hand hinhielt.
Im Innern des Gebäudes war es ausgesprochen ruhig.
Die Bediensteten waren mit Ausnahme von Geoffrey längst zuhause und James lag wahrscheinlich noch in seinem Zimmer.
Kopfschüttelnd entzündete sie eine der Öllampen und nahm sie mit nach oben. Doch zu ihrer Überraschung war der Vampir längst wach und las grinsend einen Brief.
Hinter ihm fielen die letzten Sonnenstrahlen ins Zimmer, während er an seinem Schreibtisch geschützt im Schatten saß.
„Sag bloß, du bist schon auf?“, fragte sie neckend und stellte die Lampe auf einen Tisch vor James‘ Zimmer.
„Julia hat mir noch einen Brief gebracht, bevor sie gegangen ist und da habe ich beschlossen, dass ich gleich aufstehe.“ „Wer hat dir denn geschrieben?“ „Ein alter Freund“, antwortete James geheimnisvoll und stand auf.
„Fahren wir?“ „Heute hast du es wohl etwas eilig, kann das sein?“
„Heute ist einfach eine gute Nacht.“ „Das freut mich für dich, aber ich muss mich noch fertig machen. Übrigens, im Büro war ein gewisser Michael Norrington. Ich glaube er kommt von der Kirche und wollte unbedingt mit dir sprechen. Ich habe ihm gesagt, er soll es nächste Woche wieder versuchen, weil er mir gehörig auf die Nerven ging. Vielleicht solltest du mal wieder ein paar Tage im Büro verbringen, die Journalisten wundern sich auch schon, weil du dich so lange nicht hast blicken lassen.“
James sah kurz wieder zum Brief und nickte dann.
„Dann treffen wir uns gleich unten“, meinte Eireann, schnappte sich die Öllampe und ging in ihre eigenen Gemächer.

Vorausschauend hatte sie sich bereits ihre Garderobe für die Gesellschaft am Mittag zurechtgelegt und wechselte schnell ihr Tageskleid gegen ein extravagantes, dunkelgrünes Abendkleid.
Mit geübten Griffen frisierte sich die Dämonin schnell die Haare neu und ging frisch parfümiert nach unten. 
James stand unten an der Treppe und sah lächelnd nach oben.
„Du siehst fantastisch aus wie immer, meine Liebe“, schmeichelte James und bot seiner Freundin seinen Arm an. Grinsend hakte sich Eireann bei ihm unter. „Jahrelange Übung, mein Lieber. Danke für das Kompliment. Aber du siehst selbst nicht schlecht aus. Möchtest du heute jemanden beeindrucken?“
„Dich natürlich, wen denn sonst?“ James grinste Eireann zwinkernd an und sie musste herzhaft lachen.
Während der Kutschfahrt informierte Eireann James über alles, was in der Golden Times abgelaufen war, damit er Bescheid wusste und plante mit ihm ein paar grundlegende Dinge für die nächsten Ausgaben.
Mit gut Glück würde sich auf der Gesellschaft auch noch die eine oder andere Geschichte auftun.




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„Sir Percy, darf ich eintreten?“
Julias Stimme riss James aus seinem unruhigen Schlaf.
Julia war eines seiner Londoner Dienstmädchen und war bereits seit fünf Jahren im Dienst „seiner Familie“.
„Kommen Sie nur herein, Julia“, sagte er und setzte sich auf.
An seine… ungewöhnlichen Schlafgewohnheiten hatten sich die Angestellten längst gewöhnt, weshalb Julia nicht verwundert war, dass ihr Arbeitgeber noch im Bett lag, als sie die Tür öffnete.
„Guten Abend, Julia“, grüßte er das Dienstmädchen lächelnd. „Guten Abend, Sir. Es ist soeben ein Bote eingetroffen mit einem Brief für Sie, mit der Bitte ihn möglichst sofort an Sie zu überreichen. Es ist wohl eine dringende Angelegenheit, Sir Percy.“
„Vielen Dank, Julia. Sie können den Brief gerne auf meinen Schreibtisch legen. Seien Sie bitte so freundlich und öffnen Sie noch den Vorhang für mich. Danach können Sie gerne mit den anderen Bediensteten Feierabend machen.“ „Essen Sie heute nicht im Hause, Mylord?“ „Meine Cousine und ich werden heute auswärts sein, also zögern Sie nicht, früher zu gehen“, meinte James zwinkernd und Julia nickte erfreut. „Vielen Dank, Sir Percy“, entgegnete sie höflich und tat, worum er sie gebeten hatte.
Kurz darauf fielen die Sonnenstrahlen der bereits untergehenden Sonne in das Zimmer. Sehnsüchtig sah James auf das Licht, das er so sehr vermisste.
Wie sehr hatte er es früher geliebt, bei seinen Ausritten die warme Sonne im Gesicht zu spüren. Heute käme das einem Todesurteil gleich, sodass er nicht mehr tun konnte, als ihr Farbenspiel in der Dämmerung zu beobachten, wenn auch nur für wenige Augenblicke.

James beobachtete noch einige Minuten den hellen Schatten auf seinem Boden, ehe er aufstand und sich umzog. Seinen Pyjama tauschte er gegen ein einfaches Hemd und eine seiner feineren Hosen, dann schnappte er sich den Umschlag und öffnete ihn.
Beim Überfliegen der Zeilen musste er grinsen.
Er hat also tatsächlich angebissen, dachte er und schüttelte den Kopf.
Sicher war er sich nicht gewesen, dass sein Freund Wood ihn unterstützen würde. Noch weniger hätte er gedacht, dass er sogar direkt nach London aufbrechen würde. Da wird sich Eireann sicherlich freuen.
Und als hätte er sie heraufbeschworen stand plötzlich die Dämonin im Türrahmen und fragte grinsend, wie es sein konnte, dass er schon wach war.
„Julia hat mir noch einen Brief gebracht, bevor sie gegangen ist und da habe ich beschlossen, dass ich gleich aufstehe“, erklärte der Vampir.
„Wer hat dir denn geschrieben?“, erkundigte sich Eireann neugierig, doch James verriet nicht, um wen es sich genau handelte. Vielmehr wollte er sie überraschen, sobald Wood in London eintraf.
Also lenkte er schnell vom Thema ab und fragte, ob sie schon losfahren wollten.
„Heute hast du es wohl etwas eilig, kann das sein?“
„Heute ist einfach eine gute Nacht“, meinte James zwinkernd.
„Das freut mich für dich, aber ich muss mich noch fertig machen“, meinte Eireann und erzählte von einem Mann der Kirche, der in der Golden Times gewesen war.
Er war sich nicht sicher, ob das etwas Gutes bedeute, aber James würde wirklich eine Zeit lang wieder ins Büro zurückkommen müssen.
Normalerweise regelte er alles von seinem Anwesen aus und ließ sich nur ab und an mal blicken. Auch die Artikel, die er verfasste, schrieb er meist zuhause und selten im Büro, da er nicht in die normalen Büros der Journalisten konnte. Schließlich gab es in diesen genügend Fenster, die das Sonnenlicht hereinließen und damit eine Bedrohung für ihn darstellten.
„Dann treffen wir uns gleich unten“, schloss Eireann, nahm wieder die die Öllampe an sich, die sie vorhin vor dem Raum abgestellt hatte und ließ den Vampir allein zurück.

James legte den Brief in eine seiner Schreibtischschubladen und legte sicherheitshalber noch ein paar alte Artikel darüber, falls Eireann etwas aus seinem Schreibtisch brauchen sollte.
Anschließend suchte er sich ein dunkelblaues Seiden-Jabot aus und zog dieses mit einem dunkelblauen, fast schwarzen Gehrock an.
Während er unten auf Eireann wartete und die Sonne gänzlich unterging, dachte er über den Besuch von Wood nach.
Mit seiner Hilfe würde er sicherlich einiges bewegen können.
Als Eireann die Treppe herunterkam schob er sämtliche Gedanken an den Brief beiseite und lächelte sie an.
Sie sah wirklich atemberaubend aus.
„Du siehst fantastisch aus wie immer, meine Liebe“, begrüßte er sie und hielt ihr seinen Arm hin.
„Jahrelange Übung, mein Lieber“, erwiderte sie grinsend und bedankte sich. „Aber du siehst selbst nicht schlecht aus. Möchtest du heute jemanden beeindrucken?“ „Dich natürlich, wen denn sonst?“, antwortete der Vampir James und versuchte den Stich, den diese Aussage verursachte, dahinter zu verstecken.
Jedoch kreisten seine Gedanken immer wieder darum. Um das, was er mit seinem Tod verloren hatte. Trotzdem musste er sich immer wieder während der Kutschfahrt dazu ermahnen, den Berichten seiner Freundin zuzuhören.
Dabei fiel ihm auf, dass er wirklich schon lange nicht mehr im Büro gewesen war. Die „Entdeckung“, die er gemacht hatte, hatte einiges seiner Zeit gekostet und die Zeitung war dabei auf der Strecke geblieben.
Allerdings würde er ohnehin nicht mehr viel tun können, ehe Wood eintraf.
Und er konnte seine eigentliche Arbeit nicht so lange schleifen lassen.
Dieser Abend bot vielleicht die Gelegenheit, einen größeren Artikel zu schreiben und wieder zurück ins Spiel zu kommen.

Auf der Abendgesellschaft waren auch viele bekannte Gesichter und hohe Persönlichkeiten, welche sicher einige Neuigkeiten parat hielten.
Zu Eireanns und James‘ Pech wurden sie von Lord und Lady Donnegal sofort unter Beschlag genommen.
Lord Donnegal war Fabrikbesitzer und hatte sich eine goldene Nase mit der Kokerei verdient. Sein Herz hatte er aber wie viele Adlige gleich mit vergolden lassen. Ein Herz aus Gold – so kalt und so hart.
Und seine Frau war ganz genauso. Und zu allem Übel waren beide besonders geschwätzig und angeberisch.
Äußerst unangenehme Zeitgenossen.

„Wissen Sie, die Kokerei ist ein ausgesprochen interessantes Gebiet, Sir Percy“, begann Sir Donnegal wieder eine seiner ausschweifenden Erzählungen und seine Frau rollte schon genervt mit den Augen.
Beide hörten sich zwar selbst gerne reden, das traf jedoch nicht auf ihren Ehepartner zu.
„Ich denke es wird Sie interessieren, dass wir dabei sind, einige Neuerungen durchzuführen. Koks ist natürlich ein wichtiges Produkt, allerdings haben wir festgestellt, dass es möglich ist, die Abfallprodukte, die während der Produktion entstehen, weiter zu verwerten. Einige Substanzen können in der chemischen Industrie weiterverarbeitet werden, was natürlich von großem Vorteil ist. Sie ahnen nicht, wie viel Geld ich allein mit den Abfällen machen werde“, lachte Sir Donnegal und genehmigte sich noch ein tiefen Schluck aus seinem Weinglas.
„Ungeheuer interessant, Sir Donnegal“, gab James höflich zurück.
Vielleicht sollte er das genau so in einem Artikel veröffentlichen. Donnegal fabrications – aus Müll wird Geld.
„Wie ich Sie kenne, werden sie sicherlich einen interessanten Artikel darüber schreiben, darum werde ich Ihnen das genaue Verfahren nicht verraten. Schließlich möchte ich nicht, dass meine Konkurrenz leichtes Spiel hat. Wissen Sie, der interessante Aspekt ist ja eigentlich auch ein ganz anderer“, führte er fort und setzte zu einem Monolog an, der James seine eher pazifistische Art vergessen ließ.
„Oh entschuldigen Sie uns“, unterbrach Eireann ihn plötzlich und James atmete erleichtert auf. „Ich sehe dort hinten gerade jemanden, den ich unbedingt begrüßen muss, Sie entschuldigen uns.“ Freundlich lächelte Eireann das Ehepaar an, doch James kannte sie mehr als gut genug, um zu wissen, dass sie hochgradig geladen war.
Ohne auf die Reaktion der Donnegals abzuwarten, zog Eireann James von den Beiden weg und tauchte mit ihm in der Menge unter.
„Ich glaube er würde noch Jahre weiterreden“, meinte die Dämonin genervt und seufzte.
„Und wenn er mal ne Pause braucht, übernimmt seine Frau ein paar Monate“, ergänzte James lachend.
„Ich hoffe wirklich, dass wir die Beiden nie mehr zu Gesicht bekommen. Möchtest du vielleicht eine Runde tanzen?“ „Ich denke, in unseren jetzigen Rollen wäre das kaum angebracht, Cousinchen.“ Beleidigt schob Eireann ihre Unterlippe vor. „Du verdirbst einem aber auch wirklich jede Freude, James.“
„Von mir aus kannst du dir gerne einen Tanzpartner suchen. Ich glaube, nach dem Gespräch brauche ich ohnehin etwas frische Luft.“
Eireann grinste verständnisvoll und löste sich wieder von James.
„Dann erhol dich mal gut“, meinte sie zwinkernd.

Die kühle Nachtluft fühlte sich gut auf seiner Haut an.
Manchmal hatte er Phasen, in denen er der Gesellschaft überdrüssig war.
Zumindest seit er gestorben war.
Und er hatte das Gefühl, er war wieder auf dem besten Wege in eine solche.
Langsam ging durch den Garten und genoss die Stille, als er plötzlich um eine Hecke ging und vor einer jungen Frau stand, die wohl einen ähnlichen Gedanken gehabt hatte wie er und auf einer Bank saß.
„Verzeiht die Störung, Mylady. Ich hatte nicht erwartet hier draußen jemanden anzutreffen“, grüßte er freundlich und verneigte sich.




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Unglücklich sah Penelope auf das Kleid vor sich.
Der Schnitt war höchst unglücklich, der Stoff für eine Bedienstete ungeheuer billig und von der Verarbeitung wollte sie gar nicht erst reden.
Kurzum: sie hätte das ganze mit geschlossenen Augen besser hinbekommen als der Schneider, der diese Abscheulichkeit produziert hatte.
Wenn Mrs. Harris eine solche Arbeit von Penelope oder einer ihrer Kolleginnen sehen würde, könnte diese sich augenblicklich eine neue Arbeitsstelle suchen.
Aber leider gehörte es zu ihrer Arbeit als Venatorin dazu, dass sie dieses scheußliche Kleid anzog und sich als Dienerin ausgab.
Seufzend rang sie ihren Unwillen nieder und zog sich um.
Jeden Tag liefen Menschen in diesen Sachen herum, da würde sie sich auch für einige Stunden damit begnügen können.
Penelope fragte sich, ob alle Adligen ihre Diener derart schlecht kleideten oder ob diese Herren schlicht und einfach jedwede Kosten und Mühen scheuen wollten.
Schnell warf sie sich eine einfache Pelisse über, die zumindest auf ihrem Weg das Kleid verbergen würde. Dann stellte sie Eny und Net noch ihr Essen hin, ehe sie sich von den beiden verabschiedete und die kleine Dachkammer verließ, in der sie wohnte.
Leise, um nicht einen der anderen Hausbewohner zu wecken, ging sie die Treppe herunter, übersprang die knarzenden Stufen und eilte dann schnellen Schrittes zu dem Anwesen, auf dem sie heute Abend aushelfen würde.

Nachdem sie durch den Dienstboteneingang das Anwesen betreten hatte, wurde sie auch sofort schon mit Arbeit überhäuft. Man sollte meinen, dass bei einer solchen Festlichkeit die Vorbereitungen bereits zuvor alle getroffen wurden. Dennoch mussten Penelope und unzählige andere Bediensteten Geschirr hin- und hertragen, Möbelstücke arrangieren und schlussendlich Speisen und Getränke auftragen.
Irgendwann begann das Orchester zu spielen und schließlich trafen nach und nach Gäste ein, die Penelope mit den anderen Dienstmädchen und Dienern bediente.
Natürlich dauerte es auch nicht lange, bis ihr Nacken anfing zu kribbeln. Leider kamen viel zu schnell, viel zu viele Personen auf einmal in den Saal als dass Penelope hätte ausmachen können, welcher der Adligen ein Vampir war und welcher nicht. Und das Kribbeln war derart intensiv, dass es sicherlich einige vor Ort waren.
Ihre zwei Kollegen Alarik und John machten auch nicht unbedingt den Eindruck als hätten sie mehr Glück bei ihrer Suche.

Als die drei zusammenstießen erkundigte sich John, ob sie oder Alarik einen Vampir hatten finden können, und flüsterte irgendetwas, das klang als würde ihn das Kribbeln verrückt machen.
Eine Empfindung, die Penelope nur allzu gut nachempfinden konnte.
„Für mich sind es zu viele. Ich kann sie nicht orten…“, meinte John und sah zu Penelope.
Diese schüttelte nur den Kopf.
„Hier sind einfach viel zu viele Menschen. Und zu viele von ihnen. Es sind definitiv mehr als zwanzig. Ihre Präsenz kommt aus allen Richtungen, völlig unmöglich zu sagen, wer dazugehört und wer nicht. Ich bezweifle, dass wir eine Chance haben, einen zu identifizieren, solange er nicht allein ist. Oder zumindest in einer deutlich kleineren Gruppe. Ich befürchte sogar, dass wir es nicht einmal bemerken würden, wenn wir direkt neben einem stünden. Wahrscheinlich bleibt uns keine andere Wahl, als die Türen im Auge zu halten und diejenigen zu verfolgen, die den Saal verlassen.“


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#3 Am 11.11.2021 um 16.53 Uhr

Obsidiangarde
Luce
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Luce
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Nachrichten: 591

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Die Vampirin wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie plötzlich Schritte hörte und einen Augenblick später einen Mann vor sich stehen sah, der sie ebenso überrascht ansah wie sie ihn. Lis war noch am überlegen gewesen, ob diese Schritte einem Venator gehörten, da sie so leise waren, verglichen zu den üblichen menschlichen Schritten, aber wenn sie in das überraschte Gesicht ihres Gegenübers sah, konnte sie das definitiv ausschließen. Jener wirkte nicht, als wäre er auf der Jagd nach jemandem.
„Verzeiht die Störung, Mylady. Ich hatte nicht erwartet hier draußen jemanden anzutreffen“, grüßte er nach einem Augenblick freundlich und verneigte sich. Lis stellte den Teller mit ihren Pralinen ab, stand auf und tat es ihm gleich. Das allein gebot schon die Höflichkeit.
„Guten Abend, Sir. Nun, ich hatte auch nicht damit gerechnet, hier draußen anderen Gästen zu begegnen.“ Sprach sie höflich und setzte sich wieder. Sie nahm ihren Pralinenteller in die Hand und rutschte etwas zur Seite, dass ihr Gegenüber sich hinsetzen konnte. Immerhin wäre es zutiefst unhöflich, wenn er hätte stehen müssen, während sie saß.
Die Schwarzhaarige wusste nicht wieso, aber irgendwoher kam ihr dieser Mann bekannt vor… Nur woher…? Nun, ein Venator konnte er somit schon mal nicht sein. Bekannte Venatoren lebten nicht lange.
Gerade als die Vampirin ihr Gegenüber fragen wollte, wie dessen Name war, kam jener ihr zu vor.
„Elisabeth Smith. Sehr erfreut.“ Sprach sie höflich.
„Mit wem habe ich das Vergnügen, wenn ich fragen darf?“ stellte sie nun ihrerseits eine Frage und als sie seinen Namen hörte, wusste sie, woher sie diesen Mann ‚kannte‘.
„Wenn ich mich recht entsinne, seid ihr der Besitzer der Times nicht wahr?“ fragte sie höflich und wurde sogleich berichtet.
„Ich bitte um Entschuldigung. Ich meinte natürlich die Golden Times.“ Im Grunde war es Lis vollkommen egal, welche Zeitung ihm gehörte. Journalisten brachten immer eine Menge Probleme mit sich, wenn sie wollten. Genau deswegen mied sie jene auch. Wenn auch zugegeben wegen ihrer ‚Künstlerrolle‘. Umso weniger erfreut war sie, als er sie – oder besser gesagt ihren ‚Mann‘ scheinbar kannte.
„Ja, genau, Sir Alastor.“ Lächelte sie höflich.
„Wenn Sie allerdings hoffen, über mich an ein Interview mit meinem Gatten heranzukommen, muss ich Sie enttäuschen. Seine Haltung diesbezüglich ist unverändert und auch ich kann daran nichts ändern.“ Sprach Lis zwar höflich, aber auch deutlich, um ihm unmissverständlich klar zu machen, dass weder er noch irgendeine der anderen Zeitungen ein Interview bekommen würden. Mittlerweile ließ sie schon seit Jahren derartige Anfragen allerlei Zeitungen unbeantwortet.
„Aber wie ich höre, läuft Ihre Zeitung sehr gut. Viele meiner Bekannter lesen sie und auch ihre Verkaufszahlen sollen seht gut sein.“ Sprach die Schwarzhaarige und war froh, dass ihr Gesprächspartner ihre Haltung bzw. die ihres Mannes in Bezug auf Interviews akzeptierte. Jener antwortete höflich und erzählte von den Erfolgen und Inhalten seiner Zeitung bevor er erneut subtil nach dem Geschäft ihres Ehemannes fragte. Die Journalistische Ader kam durchaus zum Vorschein…
"Ja, die Sachlichkeit ihrer Artikel ist etwas, das stehts sehr gelobt wird." stimmte sie zu.
"Und soweit ich weiß, tut es das. Ich kenne mich mit dem Geschäft meines Mannes allerdings nicht sonderlich aus, als Frau." log sie und spielte die unwissende und unbedarfte Ehefrau. Die wenigsten Männer glaubten, dass es eine Frau in der Wirtschaft mit einem eigenen Unternehmen zu etwas bringen konnte. Die meisten Männer waren überzeugt, dass sich Frauen nicht mal für die Geschäfte ihrer Männer interessierten – oder sie gar verstanden, so war es immer leicht, diese Rolle zu spielen für sie. Der blonde Mann vor ihr schien es ihr ohne zu zögern zu glauben – Männer waren so einfach gestrickt – fragte stattdessen nach ihren Interessen, wobei Lis nicht absehen konnte, on diese Frage der Höflichkeit geschuldet war, tatsächlichem Interesse entsprach oder einfach ein Trick war um etwas zu bezwecken, von dem sie noch nicht wusste, was es war.
"Wohl wahr, ich interessiere mich eher für Schmuck und Geschmeide. Für die schönen Künste wie hochwertige Kleidung, gute Speisen wie diese Pralinen..." sie deutete auf ihren kleinen Teller "...Inneneinrichtung und Theater." Sprach sie höflich und naschte sogleich eine der Schokopralinen. Egal wie lange sie schon kein Mensch mehr war, auf Naschereien konnte die Vampirin nie verzichten…
"Welche Interessen verfolgt Ihr, nebst dem Journalismus?" stellte sie die Gegenfrage und jener erzählte sogleich von diesen, wobei das Reiten eine besondere Stellung einzunehmen schien. Gleichzeitig nutze der den Moment sofort um zu fragen, ob Lis ihrem Mann dann nicht unter die Arme griff, wenn sich ihre Interessen mit seinem Geschäft deckten? …Daher wehte also der Wind nach ihren Interessen.
"Nein, ich habe mit dem Geschäft meines Gatten nichts zutun. Er hat dafür seine Leute." Blockte Lis sofort ab. Dieser Mann war wirklich hartnäckig. Gewollt oder ungewollt. Aber das letzte was sie wollte, war ein skandalöser Artikel über ihr Geschäft in der Zeitung oder eine Flut an Interviewanfragen.
"Und ich bin erstaunt. Ich nahm nicht an, dass Ihr ein großer Freund des Reitens wärt. Ich selbst kann es nicht beurteilen, ich bin noch nie geritten." Lenkte die Vampirin das Gesprächsthema zurück auf ihn. Seine scheinbare Liebe zu Pferden und zum Reiten würde ihren Gesprächspartner vielleicht für eine Weile ablenken und darüber erzählen lassen. Männer hörten sich so gerne reden. …Leider funktionierte der Trick nur nicht sonderlich länger als für einen Satz, bevor er wieder beim Geschäft ihres Ehemannes war und seine Unverständlichkeit über ihr fehlendes zuhandgehen ansprach…
"Nun, wer weiß was seine Gründe sind. Eine arbeitende Frau der Oberschicht, würde wohl kaum ein gutes Licht auf ihn werfen." Zuckte sie mit den Schultern. Sie kannte eine Menge Frauen ihrer Gesellschaftlichen Klasse die sich dafür schämen würden. Geschweige denn überhaupt das Interesse hatten einen Finger zu krümmen.
"Sagt, seit wie vielen Jahren reitet Ihr bereits?“ versuchte Lis es erneut mit diesmal mehr Erfolg. So sprach er über seine lange Zeit im Sattel, die durchaus bemerkenswert war für einen Menschen.
"Nun, dann reitet Ihr bereits einige Jahrzehnte. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr dann gewiss Euer eigenes Pferd und Stallungen habt? Besonders wenn man bedenkt, wie gut Euer Geschäft floriert." Fragte sie interessiert. Immerhin wusste man nie wo man irgendwo einmal Geschäfte machen würde oder ob diese Info mal wichtig wäre …auch wenn die Chance doch recht gering war.
Aufmerksam hörte Lis zu, als er von seinem Pferd und den Stallungen sprach.
„Ich nehme an, mit Familienanwesen meint Ihr gewiss Euer Elternhaus. Ihr kommt wohl nicht aus London?“ fragte sie neugierig. Sein Londoner Akzent war perfekt. Nichts daran deutete darauf hin, dass dieser Mensch vor ihr aus einem anderen Teil Englands stammen könnte. Wenn die Vampirin stattdessen daran zurück dachte, wie lange es gedauert hatte, bis sie ihren Nordenglischen Akzent hatte verschwinden lassen können…



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#4 Am 16.11.2021 um 16.18 Uhr

Absynthgarde
MitsukiMizu
Recrute
MitsukiMizu
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Nachrichten: 37

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Auf dem Fest | Alleine → Eireann


Heute war wieder einer dieser glücklichen Tage. Eines dieser Tage, denen man Lieder widmen oder Bücher drüber verfassen konnte. Eines dieser Tage, wo alles, wirklich alles nahezu perfekt ablief und zu jeglicher Zufriedenheit beisteuerte.
Glückselig sah ich auf mein Glas Rum hinab und seufzte einmal zufrieden auf.
Nicht nur, dass ich gerade frisch von einer Reise mit einem meiner Handelsschiffe zurückgekehrt war und -mit Verlaub- eine ganz schön große Summe an Geld mitgebracht hatte, nein, ich war auch noch zu einem wundervollen Fest mit viel Alkohol eingeladen worden, um alles noch einmal bestens abzurunden.
Nun ja.
Wenn ich ganz ehrlich war, hatte man mich ursprünglich gar nicht eingeladen. Zumindest nicht aus freien Stücken heraus. Was sollte ich sagen? Ich hatte mich quasi selbst eingeladen, als ich dem Gastgeber beim Anlegen am Hafen über den Weg gelaufen bin und der sich gerade mit einem der Gäste unterhielt. Dabei hatte ich es zunächst gar nicht darauf angelegt. Wirklich nicht. Aber wie das nun einmal so war, man kommt von einem Thema aufs andere, erinnert den einen oder anderen daran, dass man mir noch etwas schuldig war und prompt kommt einem die stetige Herzlichkeit nur zu Gute.
Ich musste schmunzeln, während ich dem Gesöff dabei zu sah, wie es im Glas hin und her schwappte, als ich dieses zu schwenken begann. Für einen guten Rum tat ich fast alles. Und auf solchen Feten gab es so viel Rum, wie ich nur trinken konnte.
Schließlich ließ ich meinen Blick schweifen.
Trotz dessen, dass die Feier eher kleiner ausgelegt worden war, schien trotzdem jeder anwesend zu sein, der in London Rang und Namen hatte. Selbst die Presse war zugegen!
Ich legte kurz den Kopf schief, wodurch ein Schwall meiner Locken sich über meine Schulter ergoss, als ich den Inhaber der Golden Times erblickte. James Henry Percy. Es war nicht so, dass ich mich besonders gut mit diesem Gesellen verstand -irgendwie schien er immer ein Stock im Arsch zu haben-, aber es war auch nicht so, dass wir uns nicht ausstehen konnten -ich verdankte ihm auch ein paar gute Worte in seiner Zeitung über meine Handelsschiffe. Neben ihm stand seine treue Assistentin Eireann Bolding. Eine sehr hübsche Frau, nur verlor sie leider jegliche Attraktivität, wenn man bedachte, wie alt sie wohl als Dämonin sein musste, barg es dennoch eine Gefahr von Verwesung und Verfall, nur eben auf eine ganz andere Art und Weise.
Ich nahm einen großen Schluck von meinem Rum, während ich die beiden nicht aus den Augen ließ. Als sie sich schließlich von Mr. Und Mrs Donnegal losreißen konnten, drückte ich mich ebenfalls von der Wand ab, an der ich mich die ganze Zeit galant gelehnt hatte, und bahnte mir einen Weg zu den beiden hinüber.
Ich war eine ganze Zeit lang nicht in London gewesen, sicherlich gab es ein bisschen Klatsch und Tratsch, der selbst mich interessieren konnte. Informationen waren ein kostbares Gut in dieser Zeit. Man tat gut daran, welche zu besitzen.
Als ich schließlich beinahe in Rufweite war, löste sich James von seiner Begleitung und verschwand nach draußen. Nun, wenn ich mich zwischen Pech und Schwefel als Gesprächspartner hätte entscheiden müssen, wäre meine Wahl vermutlich sowieso bei Eireann gelandet.
Immerhin. Hübsch anzusehen war sie ja trotz alle dem.
Ich setzte ein galantes Lächeln auf die Lippen, was kurz meinen Goldzahn in Erscheinung treten ließ und deutete eine Verbeugung an, als ich vor der Dämonin zum Stehen kam.
Als dann noch ein Diener mit einem Tablett an uns vorbei ging, fischte ich ihr ein Sektglas von diesem und reichte es ihr.
„Einen wunderschönen guten Abend, Miss Bolding. Ich hoffe, Sie konnten ihn bisher gut genießen.“ Mein Blick schweifte einmal kurz über ihren Körper, bevor ich diesen wieder fest in ihre Augen richtete. „Sie sehen fabelhaft aus, wenn ich das so sagen darf.“


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Auf dem Fest | Alleine | Auf der Suche nach seinem Vertragspartner


Es war mir ein Rätsel, wieso mich meine Geschäftspartner immer an den unmöglichsten Orten treffen wollten. Man könnte meinen, dass ein Gang in meine Bank durchaus angemessen und ausreichend sein sollte, zumal ich auch extra für die Nachtschwärmer unter meinen Kunden bis 0 Uhr Nachts geöffnet hielt.
Nein, immer luden sie mich zu ihnen nach Hause ein, auf irgendwelche Feten, einmal hatte mich sogar jemand in die Gästetoilette verschleppt, um dort einen Vertrag zu unterzeichnen. Allein bei dem Gedanken schauderte es mich immer noch. Seltsamer Weise passierte mir dies ausschließlich nur mit diesen Vampiren. Als würden sie sich für etwas besseres halten, was sie definitiv nicht waren.
Mein Blick glitt zunächst an meine rechte Seite, wo ich den Aktenkoffer abgestellt hatte, da er mir auf Dauer zu schwer geworden war, und ich auch nicht das Interesse hatte, diesen die ganze Zeit des Wartens über in der Hand zu behalten, als würde ich hier wie bestellt und nicht abgeholt stehen. In diesem, so wusste ich, befand sich mein Vertrag. Ich schloss nie irgendwelche Kredite ab ohne diesem. Egal, wie sehr die Vampire darauf bestanden, dass sie doch einen Vertrauensbonus verdient hätten, da man doch der gleichen Sache diene. Nein. Vertrauen mag zwar gut sein, Kontrolle war meines Erachtens jedoch weitaus besser.
Vor allem für mich. Denn auch in den Verträgen der Vampire hatte ich die eine oder andere Anekdote versehen, falls mein Gegenüber nicht in der Lage sein sollte, mir das Geld wie vereinbart zurückzuzahlen. Und ich konnte weiß Gott alles in diese Verträge schreiben, was ich wollte, da die Vampire tendenziell eher nicht gewillt waren, sich die Seiten zu Gemüte zu führen.
Zu meinem Bedauern kam es bis zum jetzigen Tage nicht dazu, dass diese Klausel griff.
Nun glitt mein Blick an meine linke Seite, wo mein treuer Höllenhund neben mir saß und aufmerksam die Feiergesellschaft beobachtete. Mein Höllenhund sah aus wie ein Dobermann und war dementsprechend beeindruckend für manche der Gäste, weswegen ich bisher meine Ruhe genießen und von niemanden unnötig belästigt worden bin.
Ein energisches Seufzen ging über meine Lippen, während ich mir zum gefühlt tausenden Mal alle Gesichter der Gäste einzeln ansah. Sollte mich mein Vertragspartner etwa versetzen? Würde er gar nicht auftauchen? War er womöglich gar nicht eingeladen?
Meine Laune sank mit jeder Sekunde, die ich weiter mit Warten verbringen musste. Eine Tätigkeit, die ich zutiefst verabscheute. Was ich noch mehr hasste als Warten, war Unzuverlässigkeit.
Und gerade traf mich beides gleichermaßen und raubte mir den letzten Nerv.
Mein Blick glitt zu der Uhr an einer der Wände und notierte mir innerlich, dass ich spätestens in 10 Minuten die Feier wieder verlassen würde. Mein Kunde konnte sich wünschen, sich besser nicht mehr mit mir in Verbindung zu setzen, wenn er in dieser Zeit nicht auftauchte.


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Auf dem Fest | Alleine → mit John und Penelope


Was tat man nicht als Venator. In meinem Leben hatte ich schon viele Dinge über mich ergehen lassen müssen, um an wichtige Informationen zu kommen oder um gar eine gute Jagd vollbringen zu können. Viele grausame Dinge, viele nervige Dinge.
Aber nichts toppte das hier. Ich war schon öfter mal als angeblicher Angestellter auf eine Feier gegangen und hatte den Gästen Getränke und Essen serviert. Aber diese Feier war so schlecht organisiert, dass es wirklich alles in den Schatten stellte, was ich zuvor erlebt hatte. Ich war doch kein Lakai! Ich war als Kellner hier und nicht als Packesel.
Ich schloss kurz die Augen, als ich an den restlichen Tag zurückdachte. Es war wirklich nichts fertig gewesen. Alles wurde auf unsere Schultern abgeladen, dass wir die Dinge an die richtigen Plätze räumten, das Essen kochten -und ich konnte nicht behaupten, dass ich da wirklich bewandert drin war- und sowieso alles erledigten, was der gute Veranstalter dieser Feier nicht anders in Auftrag hatte geben können… oder wollen, in diesem Punkt war ich mir noch nicht so sicher.
Allein der Gedanke daran, dass wir hier einem Nest voller Vampire begegnen konnten, hielt meine Laune und meine Kräfte aufrecht. Und wie es schien, sollten wir nicht enttäuscht werden.
Mein Blick glitt zu John und Penelope hinüber, als wir einen kurzen Moment für uns nutzen konnten, in dem gerade alle Gäste zufrieden und versorgt waren.
„Dieses Jucken macht mich noch verrückt!“
Ich verkniff mir ein Augenrollen, wandte meinen Blick lieber wieder auf die Menge und versuchte irgendwelche Auffälligkeiten zu bemerken. Irgendetwas musste die Vampire doch verraten. Immerhin sollten diese doch ziemlich Leichtfüßig sein. Leider war es mir noch nicht vergönnt gewesen, einen Vampir lange genug zu studieren, um Verhaltensmuster reproduzieren zu können, um Übereinstimmungen bei dieser Gesellschaft zu bemerken.
Aber ich stimmte Penelope innerlich zu. Es waren viele. Und sie waren im ganzen Raum verteilt.
„Das ist eine gute Idee“, sagte ich schließlich und stimmte ihrem Plan zu. „Wir haben mehrere Türen, die aus diesem Saal führen. Einer führt direkt zu den Gärten…“
Ich nickte zu den verglasten Flügeltüren hinüber, die sich uns gerade direkt gegenüber befanden. „Dann noch Eine, der für die Bediensteten gedacht ist. Ich denke, die können wir zunächst außer Acht lassen, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass einer der Gäste diese Tür durchqueren wird.“
Mein Blick auf die letzte Tür. „Und wir haben eine, die in das Foyer führt, wo die Gäste zu den Toiletten gelangen können.“
Ich sah wieder zu meinen Venatoren-Kollegen. „Zwei Türen, wir sind zu dritt. Wie möchtet ihr vorgehen? Ich würde mir gerne die Tür zu den Gärten vornehmen.“
Vielleicht hatte ich so die Chance ein wenig meine Fliege zu lockern. Ich hatte das Gefühl, dass derjenige, der sie mir gebunden hatte, mich am Liebsten erdrosselt hätte, als mich fein hinaus zu putzen. Mein Anzug war auch nicht der Beste, wies sogar an einigen Stellen flicken auf. Davon abgesehen war er mir eigentlich eine Nummer zu klein, weswegen er mir vor allem am Brustkorb und an den Armen unfassbar spannte. Ehrlich gesagt hatte ich Sorge, dass die Nahte diesen Druck nicht lange standhalten würden. Aber dieser Anzug war der Einzige, den ich mir als Ausleihe hatte leisten können.
„Wenn wir etwas auffälliges bemerken, sollten wir uns gegenseitig Bescheid geben, deswegen ist es sehr wichtig, dass wir uns genau sagen, wo wir uns aufhalten werden. Falls wir nichts weiter herausfinden können, sollten wir uns in ungefähr 2 Stunden wieder hier treffen.“ Ich nickte kurz zu der Uhr an der Wand hinüber, die gerade 22 Uhr schlug.
Erwartungsvoll sah ich danach erst zu John und Penelope, wie sie weiter vorgehen wollten.


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#5 Am 02.01.2022 um 02.57 Uhr

Absynthgarde
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Recrute
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...
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„Guten Abend, Sir. Nun, ich hatte auch nicht damit gerechnet, hier draußen anderen Gästen zu begegnen“, erwiderte sie James‘ Begrüßung und erhob sich kurz, ehe sie dem Adligen einen Platz anbot.
„Elisabeth Smith, sehr erfreut. Mit wem habe ich das Vergnügen, wenn ich fragen darf?“ „James Percy, es ist mir ebenfalls eine Freude Sie kennenzulernen.“
Ihr Name war James vertraut.
Sie schien ihn ebenfalls zu kennen, denn Mrs. Smith sprach ihn sogleich auf seine Zeitung an. „Wenn ich mich recht entsinne, seid ihr der Besitzer der Times, nicht wahr?“ „Nicht ganz, Werteste. Mir gehört die Golden Times. Wenn auch nichts dagegen hätte, wenn ich die Einnahmen der Times hätte“, antwortete James lachend und die Adlige entschuldigte sich sogleich.

„Allerdings ist mir auch Ihr Name geläufig. Ihr Mann ist doch bekannt dafür, ein recht großer Gigant im Immobiliengeschäft zu sein, oder irre ich mich?“
„Ja genau, Sir Alastor“, antwortete sie reserviert und lächelte höflich.
Sie dachte wohl, dass der Adlige nun um ein Interview bitten würde, da er sich bislang jedem Reporter verweigert hatte.
Sicherlich würde der erste Artikel über ein Interview mit Sir Smith für horrendes Aufsehen sorgen und enorm die Verkäufe ankurbeln. Aber James war der Letzte, der andere zu etwas zwingen würde. Besonders wenn es um deren Privatsphäre ging. Er selbst schätzte seine Privatsphäre sehr, was nicht zuletzt auch daran lag, dass er als Vampir einiges zu verbergen hatte.
Weshalb also sollte er anderen die Rechte verweigern, die er selbst für sich beanspruchen wollte.

Darum versicherte der Adlige auch sogleich, dass sie sich deswegen keine Sorgen zu machen brauchte.
„Dennoch läuft das Geschäft in der Tat sehr gut. Sehr zum Missfallen meiner Konkurrenz. Ich lege eben noch Wert auf Qualität, Klatsch und Tratsch haben bei mir keinen besonders hohen Stellenwert.
Auch ihr Geschäft floriert recht gut, wenn ich recht informiert bin, nicht wahr Gnädigste?“
Die Bekanntheit ihres Mannes sprach da Bände und auch vom Hörensagen hatte er nur gutes über die Qualität seiner Immobilien gehört.

„Ja, die Sachlichkeit ihrer Artikel ist etwas, das stets sehr gelobt wird. Und soweit ich weiß, tut es das. Ich kenne mich mit dem Geschäft meines Mannes allerdings nicht sonderlich aus als Frau“, antwortete sie.
James nickte. Die wenigsten Frauen waren wie Eireann oder seine Mutter.
„Ihr habt sicherlich andere Interessen, nehme ich an.“
„Wohl wahr, ich interessiere mich eher für Schmuck und Geschmeide. Für die schönen Künste wie hochwertige Kleidung, gute Speisen wie diese Pralinen, Inneneinrichtung und Theater“, gab Lady Smith zur Antwort und erkundigte sich nach James Interessen.
Kleidung würde James nicht zwingend für Kunst halten.
Allerdings wunderte es James, dass Sir Alastor seine Frau nicht zurate zog, wenn sie ein Faible für Inneneinrichtung hatte.
Da bot es sich doch regelrecht an, wenn sie gemeinsam an eine seiner Immobilien arbeiten würden.

„Ihrer Liebe für gutes Essen kann ich hingegen nur beipflichten. Es bereitet mir ungemein Freude, neue Gerichte zu probieren. Das Einzige, das mir mehr Freude bereitet ist meine Liebe zu Pferden. Das Reiten ist eine unausgesprochen befreiende Tätigkeit, finden Sie nicht? Über weite Felder zu galoppieren - so muss es sich anfühlen, zu fliegen.“
„Nein, ich habe mit dem Geschäft meines Gatten nichts zu tun. Er hat dafür seine Leute.“
Erstaunt sah James die Frau an.
Er konnte sich ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie es war, wenn man regelrecht aneinander vorbeilebte.
Sein Vater hatte immer auf den guten Rat seiner Frau gehört und soweit James wusste, nie ein Geschäft abgeschlossen, ohne ihre Meinung dazu gehört zu haben. Allerdings musste James‘ Mutter auch ein rechtes Talent dafür besessen haben und sie beide waren glücklich miteinander verheiratet gewesen. Kaum eine Ehe wurde je aus eigenen Stücken geschlossen Mrs. Smith und ihr Mann hatten wahrscheinlich einfach nicht so viel Glück gehabt wie James Eltern.

„Und ich bin erstaunt“, sprach Mrs. Smith weiter. „Ich nahm nicht an, dass Ihr ein großer Freund des Reitens wärt. Ich selbst kann es nicht beurteilen, ich bin noch nie geritten.“
„Dann ist Ihnen etwas entgangen, Lady Smith. Ich kann Ihnen nur empfehlen, es einmal zu versuchen.“
Dass sie noch nie geritten war, verblüffte James. Allerdings war er immer noch mehr verwundert, dass Sir Alastor nicht die Interessen seiner Frau mit in sein Geschäft einband, selbst wenn die Beiden sich nicht liebten.

Dass er diesen Gedanken laut ausgesprochen hatte, bemerkte er jedoch erst, als seine Gesprächspartnerin darauf einging und gestand, dass sie nicht wusste, was seine Gründe waren und mutmaßte, dass er um seinen Ruf besorgt war, wenn seine Gattin arbeitete.
„Ein Gedankengang, den ich nicht nachvollziehen kann.“
Er wusste genau, dass Frauen einiges besser hinbekamen als Männer.
Allerdings hatte er ja versprochen, ihre Privatsphäre zu respektieren und er hatte das Gefühl, dass er sich etwas zu weit gewagt hatte.

„Ich reite seit ich zwei Jahre alt bin“, entgegnete er darum auf ihre Frage und ließ das Thema Ehe lieber fallen.
„Nun, dann reitet Ihr bereits einige Jahrzehnte.“.
Deutlich mehr als ihr ahnt, dachte James und grinste innerlich.
„Gehe ich richtig in der Annahme, dass Ihr dann gewiss Euer eigenes Pferd und Stallungen habt? Besonders wenn man bedenkt, wie gut Euer Geschäft floriert.“
„Einen schwarzen Traber. Ein wunderschöner Rappe, den ich habe, seit er ein Füllen war. Auf meinem Familienanwesen habe ich in der Tat eine Stallung, aber hier in der Stadt beziehungsweise in der Nähe habe ich keine größeren Anlagen.“
Neugierig hakte die Adlige nach, ob er mit er mit seinem Familienanwesen sein Elternhaus meinte und ob dies nicht in London lag.

„In der Tat stamme ich aus Alnwick. Die Percys haben schon seit vielen Generationen ihren Sitz auf Alnwick Castle. Mein Großvater hat allerdings vor einigen Jahren die Golden Times hier in London gegründet. Ich wollte in seine Fußstapfen treten und bin daher nach London gekommen. Ich fand es schade, dass die Zeitung der Familie nicht von einem Percy geleitet wird.“
„Euer Vater schien demnach kein Interesse am Geschäft Eures Großvaters zu haben?“, erkundigte sich Mrs. Smith interessiert.
„Er…“, begann James und stockte. Sein Vater  hatte nicht wirklich die Option besessen, seine Zeit in der Stadt zu verbringen.
„Mein Vater lebt eher zurückgezogen“, log James und erklärte, dass sein Vater einem Leben in der Großstadt einfach nichts abgewinnen konnte.
„Nun die Gewohnheiten alter Menschen kann man nicht mehr ändern. Eurer Ehefrau oder Verlobten graut es wohl auch vor dem Leben Londons?“, fragte die Adlige neugierig.
„Da ich völlig ungebunden bin, habe ich keinerlei Verpflichtung jemandem gegenüber“, gestand James. Nicht, dass es wirklich seine Entscheidung wäre.
Als Vampir würde er nur mehr als schwierig eine Frau finden, die ihr Leben mit ihm teilen wollen würde. Und selbst wenn, würde er es kaum ertragen, zusehen zu müssen, wie sie alt wurde und starb, während er sich nicht veränderte. Wie sollte er wieder und wieder miterleben, wie jemand, den er liebte vor seinen Augen starb. Der Schmerz von damals saß immer noch tief in ihm und bis heute hatte er ihn nicht überwinden können.
Er wollte und konnte das nicht erneut erleben.

„Allerdings kümmere ich mich um meine Cousine, die mir auch bei der Zeitung zur Hand geht“, führte James fort und musste innerlich über diese Lüge fast grinsen. Seine vermeintliche Cousine kümmerte sich eigentlich mehr um ihn als andersherum.
„Ich verstehe. Nun, zumindest habt Ihr auf diese Weise einen Teil Eurer Familie hier“, sagte Mrs. Smith verständnisvoll nickend.
Damit hatte sie allerdings Recht. Eireann war in all den Jahren wirklich zu seiner Familie geworden. Die einzige Familie, die ihm geblieben war.
„Das ist wahr, ich möchte sie nicht missen müssen.“

„Wenn Ihr diese unverblümte Frage gestattet: wie kommt es, dass Ihr bisher ungebunden geblieben seid? London ist groß, es gibt viele, edle Damen und an finanziellen Mitteln und Erfolg scheint es Euch nicht zu mangeln.“
Einen Mangel hatte James nun wirklich nicht in derlei Hinsicht. Doch diese Art, sein Leben an ein anderes zu knüpfen hatte ihm noch nie sonderlich gefallen. Seine Eltern hatten ihm früh beigebracht, dass es im Leben mehr gab als Macht und Geld.
„Das mag stimmen. Allerdings liegt es mir nicht besonders, mich um der Prestige, der Macht oder des Geldes wegen an jemanden zu binden. Die Frau, mit der ich den Rest meines Lebens verbringen möchte, soll keine Trophäe in meinem Schrank ein. Und bislang habe ich noch niemanden getroffen mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollen würde.“
Zumindest war das seine Einstellung vor etwa 150 Jahren gewesen.
„Ihr werdet sicher irgendwann die Richtige finden“, meinte James Gegenüber.
„Wer weiß“, entgegnete er trocken und sah wehmütig zum Boden.
Selbst wenn dem so wäre, würde er einen großen Bogen um sie machen müssen.

„Nun, wenn nicht in London, dann vielleicht in Eurer Heimat.“
„Alnwick ist nicht sonderlich groß, ich bezweifle, dass dort jemand lebt, den ich noch nicht kenne“, entgegnete James lachend.
Genauso wie er deren Großeltern schon gekannt hatte.
„Seid ihr eigentlich gebürtige Londonerin?“, versuchte James das Gespräch von seinem mehr als unglücklich laufendem Liebesleben abzulenken.
„Wenn es mir erlaubt ist zu fragen.“
Mrs. Smith verneinte. „Ich stamme aus dem Norden Englands, nahe der schottischen Grenze.“
Überrascht zog James die Augenbrauen hoch.
„Wirklich? Aus welcher Gegend?“, fragte er neugierig und hoffte, dass sie nicht aus der Nähe von Alnwick stammte und seine Familie kannte.
„Aus der Grafschaft Cumbria. Carlisle ist aber keine sonderlich große Stadt, verglichen zu London. Ich nehme an, sie wird Euch nichts sagen.“
Dunkel meinte er sich an einen Mann zu erinnern, der seinen Vater öfters besucht hatte als James noch klein war.
„Ich glaube, ein Freund meines Vaters stammte aus Carlisle, wenn ich es recht bedenke. Es liegt irgendwo an der Ostküste, wenn ich mich nicht irre, nicht wahr?“
„Ja, es befindet sich im Westen, aber die Küste ist ein ganzes Stück entfernt“, antwortete die Adlige.

James war erleichtert, dass sie noch ein gutes Stück von seinem Familiensitz entfernt war. Sicherlich brauchte es ein, zwei Tagesritte bis zu ihrem Heimatort. Genug Abstand, dass sie wirklich nichts über die Percys wusste.
„Gewiss ist die Landschaft dort so schön wie in Alnwick. Ich muss gestehen, dass ich die Wiesen und Berge des Nordens am meisten vermisse, wenn ich in der Stadt bin.“
„Soweit mir die Geografie vertraut ist, sollte es kaum einen Unterschied geben“, stimmte sie James zu und führte fort, dass die Landschaft durchaus ihren Reiz bot, ebenso aber auch das Leben in der Stadt.

„Wenn es Zerstreuungen betrifft, auf jeden Fall“, grinste James.
„Würdet ihr jederzeit die Gesellschaft Londons der Natur des Nordens vorziehen? Oder vermisst ihr manchmal eure Heimat?“
„Das würde ich“, gestand die Adlige und meinte, dass sie das Leben in London genoss. Ihre Heimat mochte ihren Charme haben, es wäre aber sehr kleingeistig.
„Von Zeit zu Zeit plagt mich durchaus das Heimweh, doch ich bin bereits lange genug in London, um diese Stadt als mein Zuhause zu betrachten. Wie steht es um Euch?“
„Ich muss gestehen, so sehr ich auch die Annehmlichkeiten der Stadt genieße, so oft zieht es mich zurück in meine Heimat.“
Nicht zuletzt, weil es auffallen würde, wenn er niemals alterte.

„Dann reist Ihr oft in Eure Heimatstadt? Und dennoch gab es keine Frau, weder hier noch dort, die Euch interessiert?“
Die Adlige wollte ihm eindeutig näher auf den Zahn fühlen. Vermutlich die Retourkutsche dafür, dass er vorhin sich nicht hatte zurückhalten können und sie über ihre Beziehung zu ihrem Mann gefragt hatte.
„Öfters in der Tat. Ich brauche einfach ab und an die frische Luft der Berge“, entgegnete James lachend.
„Ich würde nicht sagen, dass ich nie einer Frau begegnet wäre, die mich interessieren würde. Aber ich hatte noch nie ernsthafte Gefühle für jemanden“, antwortete er ehrlich und hoffte, dass Mrs. Smith es nun dabei belassen würde.
Doch sie hatte offensichtlich anderes im Sinn.

„Nun, wenn Ihr gerne den Reitsport pflegt, ist es wohl nicht überraschend, dass es Euch in die Natur zieht.“ Leider beließ sie es nicht bei dieser Entgegnung, sondern versicherte ihm erneut, dass er gewiss jemanden finden würde, da es in London mehr als genug, geeignete Kandidatinnen gab und James auch sicherlich an genug Veranstaltungen teilnahm, um ebensolche kennenzulernen.
„Das stimmt wohl. Allerdings bieten solche Orte selten die Gelegenheit, sich wirklich näher kennenzulernen, meint ihr nicht? In der Regel führt man hier eher oberflächliche Gespräche über Wetter und derlei Dinge.“
Selten ergab sich die Möglichkeit, seinem Gegenüber zu gestehen, dass er ein Vampir war. James bezweifelte stark, dass diese Information sonderlich gut ankommen würde.

„Nun, welche Gesprächsthemen Ihr anschneidet, liegt ganz bei Euch. Es gibt durchaus mehr als das Wetter Londons. Beispielsweise Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Tanz. Ihr müsst diese Themen nur anschneiden. Bisher ging es in diesem Gespräch, das wir führen, schließlich auch nicht um das Wetter“, entgegnete sie lächelnd.
Dennoch stimmte sie zu, dass aus solchen Veranstaltungen keine starke Bindungen entstanden, aber immerhin ein erster Eindruck vermittelt werden konnte, der im Nachhinein zu mehr führen konnte. Und dass man bei Gesprächen in den Salons Londons in einem ungezwungenerem Rahmen sich besser unterhalten konnte.
„Die wenigsten Damen, bei denen es mir vergönnt war, die Bekanntschaft mit ihnen zu machen, hatten sonderlich Interesse daran, ernsthaftere Gespräche zu führen. Wenn ich ehrlich sein muss, habe ich seit langem kein Gespräch mehr wie dieses geführt, wenn es nicht meine Cousine war.“
James gab zu, dass es stimmen mochte, dass man einen ersten Eindruck gewinnen konnte, aber bisher hatte sich daraus eben nie mehr ergeben.

„Verstehen Sie mich nicht falsch, aber auch wenn ich gerne eine Partnerin hätte, bin ich nicht gewillt nach ihr zu jagen als wäre sie ein Reh im Wald. Aus Respekt zu ihr nicht, aber auch nicht zuletzt, weil es sämtliche Bekanntschaften, die ich bislang machen durfte, zu zwecksdienlichen Werkzeugen machen würde und das fände ich äußerst bedauerlich. Ich würde Sie ungern als eine von vielen Möglichkeiten betrachten, mit denen sich leider nichts ergeben hat, sondern eher als eine junge Dame, mit der ich das Vergnügen hatte, ein anregendes Gespräch zu führen."
„Wenn Ihr mir einen Rat gestattet: ich maße mir nicht an, mich in Eure zwischenmenschlichen Beziehungen einzumischen, aber ohne nach einer Dame Ausschau zu halten und die Initiative zu ergreifen, fürchte ich, wird sich an Eurem gegenwertigen Zustand nichts ändern.“
Wenn es wirklich zwischenmenschliche Beziehungen wären, hätte James deutlich weniger Probleme, dessen war er sich sicher.
Doch das konnte er nur schlecht entgegnen.

„Ich bezweifle, dass Euch Gott plötzlich Eure zukünftige Ehefrau in Euer Büro laufen lässt, zumal ein Mann der keinerlei Bemühungen zeigt, in den Augen einer Frau stets sehr desinteressiert wirkt“, sagte sie ernsthaft.
James konnte sich denken, dass sein fehlendes Engagement in dieser Beziehung, in der Gesellschaft nicht sonderlich gut ankam.
Und angesichts dieses Gespräches wäre es wohl besser gewesen, James und Eireann hätten sich erneut als Ehepaar ausgegeben anstelle von Cousin und Cousine.
Sobald sie wieder in ihrem Anwesen wären, würde er mit ihr darüber sprechen.

„Eure Einstellung scheint sehr negativ zu sein. Vielleicht solltet Ihr diese Dinge nicht als zweckdienliche Werkzeuge, sondern glückliche Begebenheiten betrachten, wenn sich durch Eure Anwesenheit auf Festen neue Kontakte knüpfen und Tore öffnen. Sonst müsstet Ihr folglich auch jede Begegnung mit einem zukünftigen Freund nur als zweckdienliches Werkzeug betrachten. Ein sehr einsames Leben, findet Ihr nicht?“
Letzterem konnte er nur zustimmen.
Und was seine negative Einstellung betraf konnte er ebenfalls nur schlecht etwas einwenden. Als Vampir fiel es ihm aber äußerst schwer, positiv zu bleiben.
„Vielleicht ist es negativ. Vielleicht bin ich auch einfach zu idealistisch“, versuchte er sich an einer Antwort. „Und natürlich bin ich über die meisten Bekanntschaften glücklich, die ich hier in London machen durfte.“ Wenn es nicht gerade jemand wie die Donnegals war.
„Nichtsdestotrotz kämen sie mir wie Werkzeuge vor, wenn ich sie einzig und allein getroffen hätte, um meinem Ziel einen Schritt näher zu kommen.
Und mag sein, dass es mich auf eine Art einsam macht, dass ich mein Leben nicht auf diese Weise mit jemandem teilen kann. Doch ich habe Freunde, die mein Leben deutlich weniger einsam machen.“

Kurz war James versucht, sie zu fragen, wie es um sie bestellt war. Wenn sie derart entfremdet mit ihrem Mann war, musste auch sie sich einsam fühlen.
Eine Einsamkeit, die sie vielleicht genauso wie ihn hierher in den Garten geführt hatte.
Doch er hatte das Gefühl, dass es ihr ebenso unangenehm sein würde, wie ihm, darüber zu sprechen. Und so wollte er es lieber dabei belassen.
„Aber da die adligen Bindungen scheinbar sehr Euer Interesse wecken, dürfte es euch ebenfalls interessieren, dass Sir Leopold Ascot morgen seine Verlobung mit Elisabeth Beaufort bekanntgibt.“


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#6 Am 03.01.2022 um 14.50 Uhr

Obsidiangarde
Luce
Soldier of the Guard
Luce
...
Nachrichten: 591

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Auf dem Fest, im Garten.

Ihr Gegenüber bestätigte, dass er nicht aus London kam. Tatsächlich lag der Sitz seiner Familie recht weit weg. Wenn sich die Vampirin recht entsann, befand sich Alnwick in der Nähe von NewCastle. Ebenfalls im Norden englands. Lis hatte nur einmal für kurze Zeit in NewCastle gelebt, als sie ihren zweiten ehemann geheiratet hatte. Also etwa 6 Monate. Das ganze war bereits so viele Jahrzehnte her, dass sie sich kaum noch an die Stadt erinnerte…
Ihr Gegenüber riss sie aus ihren Überlegungen, als er erwähnte, was ihn nach London verschlagen hatte.
"Euer Vater schien demnach kein Interesse am Geschäft Eures Großvaters zu haben?" fragte sie interessiert. Es war nicht gerade üblich, dass bei der Geschäftsübernahme eine Generation übersprungen wurde… Aber wie es schien, mochte jener das Leben im Norden lieber, als das in London.
"Nun, die Gewohnheiten alter Menschen kann man nicht mehr ändern." Sprach sie schlicht. Menschen waren unglaublich sturköpfig. Und waren sie erst einmal in einer Gewohnheit festgefahren, war es im Grunde unmöglich sie wieder abzulegen…
"Eurer Ehefrau oder Verlobten graut es wohl auch vor dem Leben Londons?" fragte sie neugierig. Immerhin konnte sie sich nicht vorstellen, dass ein Mann mit seinen finanziellen Mitteln unverheiratet war. Es gäbe sicher allein in London viele menschliche Frauen, die ihn sofort nehmen würden.
"Da ich völlig ungebunden bin, habe ich keinerlei Verpflichtung jemanden gegenüber. Allerdings kümmere ich mich um meine Cousine, die mir auch bei der Zeitung zur Hand geht." Widerlegte er jedoch und die Vampirin sah ihn einen Moment erstaunt an, bevor sie an ihrem Sekt nippte.
"Ich verstehe. Nun, zumindest habt Ihr auf diese Weise einen Teil Eurer Familie hier." Nickte Lis. Sie selbst hatte ihre Familie sehr vermisst zu Beginn ihres Vampirwesens. Allerdings stellte sich ihr eine Frage:
"Wenn Ihr diese unverblümte Frage gestattet: wie kommt es, dass Ihr bisher ungebunden geblieben seid? London ist groß, es gibt viele edle Damen und an finanziellen Mitteln und Erfolg scheint es  mangelt Euch nicht zu mangeln." Ruhig sah sie ihr Gegenüber an.
Scheinbar schien jener jedoch sehr wählerisch zu sein, wenn sie seinen Ausführungen zuhörte… Ein häufigeres Problem, bei Männern, die sich viel auf sich einbilden…
"Ihr werdet sicher irgendwann die richtige finden" sprach sie deswegen nur schlicht, ihr Gesprächspartner schien jedoch weniger optimistisch.
"Nun, wenn nicht in London, dann vielleicht in Eurer Heimat." Versuchte sie es auf diesem Weg, was er jedoch ebenfalls bezweifelte, bevor er sich nach ihrer Herkunft erkundigte.
"Nein, ich stamme aus dem Norden Englands, nahe der schottischen Grenze." Gab sie zu. Sie war bereits zu lange in London und hatte zu oft ihren Nachnamen gewechselt, als dass er sie so hätte finden können.
"Wirklich? Aus welcher Gegend?", fragte er neugierig. Die Vampirin zögerte einen Moment, bevor sie antwortete.
"Aus der Grafschaft Cumbria. Carlisle ist aber keine sonderlich große Stadt, verglichen zu London. Ich nehme an, sie wird Euch nichts sagen" antwortete sie freundlich und wurde innerlich leicht panisch, als er meinte, dass ein Freund seines Vaters aus ihrer Stadt stammte, bevor er begann über die Schönheit des Nordens zu schwärmen.
"Und stimmt, die Landschaft des Nordens bietet ihren Reiz, aber auch das Leben in London hat viele Reize." Stimmte sie zu. Bevor jener sie nach ihrer Präferenz fragte, ob sie London vorziehen würde.
"Das würde ich. Ich genieße das pulsierende Leben Londons. Carlisle hat seinen Scharm, doch es ist doch sehr kleingeistlich" Sprach Sie ehrlich. Das hate sie schon damals gemerkt, als sie noch als Mensch dort gelebt hatte und auch jedes Weihnachten, wenn sie ihre jüngere Schwester und ihren Schwager in Carlisle besucht hatte, bis zu ihrem Tod. War man anders, gehörte man nicht dazu. Bunte Vögel waren nur in London willkommen.
"Von Zeit zu Zeit plagt mich durchaus das Heimweh, doch ich bin bereits lange genug in London, um diese Stadt als mein Zuhause zu betrachten." Sprach sie ehrlich. Immerhin lebte sie seit 30 Jahren in dieser Stadt.
"Wie steht es um Euch?" stellte sie ihm die selbe Frage und anders als sie selbst mochte er das Leben in Norden wohl ein Stückweit mehr.
"Dann reist Ihr oft in Eure Heimatstadt? Und dennoch gab es keine Frau weder hier noch dort, die Euch interessiert?" fragte sie. Wenn er sie zuvor, über ihren Ehemann ausgefragt hatte, konnte die Vampirin den Spieß durchaus ein wenig rumdrehen.
Scheinbar gab es aber tatsächlich keine Dame, die den Ansprüchen des Zeitungsbesitzers vor ihr gerecht wurde.
"Nun, sicher werdet Ihr irgendwann jemanden finden. London verfügt über viele edle Damen und ich nehme an, dass Ihr oft Veranstaltungen wie diesen bewohnt?“ Allein des Klatsch und Trasches wegen oder anderer interessanter Infos für die Golden Times, sollte er doch sicher öfters auf Veranstaltungen sein.
"Das stimmt wohl. Allerdings bieten solche Orte selten die Gelegenheit, sich wirklich näher kennenzulernen, meint ihr nicht? In der Regel führt man hier eher oberflächliche Gespräche über Wetter und derlei Dinge." Sprach er schlicht.
"Nun, welche Gesprächsthemen Ihr anschneidet, liegt ganz bei Euch. Es gibt durchaus mehr als das Wetter Londons. Beispielsweise Politik, Wirtschaft, Literatur, Kunst, Tanz. Ihr müsst diese Themen nur anschneiden. Bisher ging es in diesem Gespräch, das wir führen, schließlich auch nicht um das Wetter." Lächelte sie. Er musste nur die Initiative ergreifen.
„Wenn Ihr mich bitte für einen Moment entschuldigen würdet. Ich würde mir gerne noch etwas zutrinken holen.“ Damit stand die Vampirin höflich auf, bevor sie wieder kurz nach drinnen ging und das Licht ihre Augen leicht schmerzen ließ. Scheinbar war die Vampirin noch nicht lange genug draußen gewesen. Sie nah sich ein Sektglas und ein paar Pralinen und wollte bereits wieder nach draußen gehen, als sie Keiko erblickte. Den Schützling von Eric. In der Regel sah sie das Mädchen nicht auf solchen Veranstaltungen. Lächelnd lief sie zu ihr hin. Alleine weil sie ihren Ziehvater kannte und das Mädchen, seid sie klein war.
„Keiko, wie schön dich hier zu sehen, was führt dich hier her?“ fragte sie freundlich. Sie hatte keine tiefe Bindung zu der Asiatin. Sie hatte ihr öfters mal ein paar Süßigkeiten mitgebracht als Kind, wenn sie ihren Vater für ein paar Stunden besuchte, oder ihr ein Spielzeug zu ihrem Geburtstag geschenkt, aber außer das, und dass jene wusste, was sie war, hatte sie keine tiefere Bindung zu ihr.
Das Mädchen sprach, dass sie nur ihren Vater entschuldigen wollte beim Gastgeber und gleich wieder gehen, als Lis ihr eine Hand auf die Schulter legte.
„Bleib ruhig hier. Du solltest auch Zeit mit anderen Menschen in solchen Kreisen verbringen und dich etwas amüsieren.“ Lächelte sie.
„Sag einfach, du bist stellvertretend für deinen Vater hier, aus Höflichkeit dem Gastgeber gegenüber, dann wird schon keiner etwas sagen. Und sollte es doch Probleme geben, dann komm einfach zu mir und ich lege ein gutes Wort für dich ein, Keiko.“ Zwinkerte die Vampirin, bevor sie der jungen Frau ihr Glas in die Hand drückte und sich wieder in den Garten begab. An der Tür nahm sie ein Glas von einem der Bediensteten, der dort stand und einen ziemlich schlechten Anzug trug, bevor wieder nach draußen ging um ihr Gespräch fortzusetzen.
„Verzeiht bitte, es hat etwas länger gedauert.“ Entschuldigte sie sich und setzte sich wieder hin.
"Ich stimme zu, dass Veranstaltungen wie diese keine innigen Bindungen entstehen lassen, aber sind sinnvoll für einen ersten Eindruck, um später zu Nachmittagsgesprächen in den Salons Londons eingeladen zu werden. Und von diesen gibt es schließlich nicht gerade wenige." Lächelte die Vampirin. Sie schob beispielhaft eine Praline auf die andere Seite ihres Tellers.
"Dort in ungezwungenerem Rahmen lernt man wieder neue Damen kennen und kann sich unterhalten." Sie schob eine weitere auf die Seite.
Bisher schien jedoch kein Gespräch ihn überzeugt zu haben, zumindest empfand er dieses als eines der angenehmsten seit langer Zeit.
"Wenn Ihr mir einen Rat gestattet: ich maße mir nicht an, mich in Eure zwischenmenschlichen Beziehungen einzumischen, aber ohne nach einer Dame ausschau zu halten und Initiative zu ergreifen, fürchte ich, wird sich an Eurem gegenwertigen Zustand nichts ändern. Ich bezweifle, dass Euch Gott plötzlich Eure zukünftige Ehefrau in Euer Büro laufen lässt ...zumal ein Mann der keinerlei Bemühungen zeigt, in den Augen einer Frau stets sehr desinteressiert wirkt." Sprach sie ehrlich aber sehr höflich. Immerhin würde keine perfekte Frau plötzlich vor ihm aus dem Himmel fallen.
"Eure Einstellung scheint sehr negativ zu sein. Vielleicht solltet Ihr diese Dinge nicht als zweckdienliche Werkzeuge sondern Glückliche Begebenheiten betrachten, wenn sich durch Eure Anwesenheit auf Festen neue Kontakte knüpfen und Tore öffnen." Lächelte sie. Sie betrachtete zumindest die meisten Begegnungen als solche glücklichen Momente, wenn auch meist eher geschäftlich.
"Sonst müsstet Ihr folglich auch jede Begegnung mit einem zukünftigen Freund nur als zweckdienliches Werkzeug betrachten. Ein sehr einsames Leben, findet Ihr nicht?" fragte sie lächelnd.
Ihr Gegenüber versuchte das Gespräch dann auch schnell in eine andere Richtung zu lenken.
„Aber da die adligen Bindungen scheinbar sehr Euer Interesse wecken, dürfte es euch ebenfalls interessieren, dass Sir Leopold Ascot morgen seine Verlobung mit Elisabeth Beaufort bekanntgibt.“ Sprach er freundlich.
„Ja, ich habe davon gehört und wünsche den beiden alles Gute. Allerdings werde ich morgen Nachmittag nicht daran teilnehmen können.“ Stimmte sie zu.
„Sicher werdet ihr dort sein als Besitzer der Golden Times?“



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Im Ballsaal mit Aldarik und Penelope.

Adalrik und Penelope schien es nicht anders zu gehen als ihm. Auch die zwei konnten keine Vampire ausfindig machen. Penelope meinte sogar, dass man sie wohl kaum ausfindig machen konnte, wenn sie nicht alleine waren oder in einer kleineren Gruppe. Ganz toll! Warum sich die Mühe dieses Kellnerjobs machen, wenn nichts dabei raus kam? Seufzte er innlich.
adalrik schlug vor, dass sie sich am besten aufteilen sollten auf die Türen und nahm sich bereits die Gartentür vor.
„Dann bleib ich bei Penelope und kümmere mich mit um die große Ballsaaltür.“ Der Venator würde die Tür zum Garten auch alleine schaffen.
In zwei Stunden würden sie sich wieder treffen. John positionierte sich an seiner Seite der Tür mit einem Tablett Sekt während er die Gäste beobachtete.
„Sag mal, Penelope… warum arbeitest du eigentlich nur Teilzeit? Die Bezahlung deiner Arbeit kann es ja schlecht sein…“ fragte er sie. Innerlich bewunderte er sie dafür, dass ihr Körper diesen Ständigen Wechselrhytmus mitmachte.
Er nickte einmal freundlich und reichte einem Gast ein Glas. Schade, kein Vampir…
Es war furchtbar, wenn man sie spürte, aber nicht orten konnte!
Nach einer Weile tauchte allerdings ein ihm sehr bekanntes Gesicht auf: Der Dämonische Bänker, mit dem er ein Abkommen hatte… Das ganze war er zufällig entstanden, aber bisher profitierten beide davon. Seine Arbeitskollegen wussten, zwar, dass er einen Informanten hatte, aber nicht mehr. Nur sein Vater und sein Chef wussten es, sollte er plötzlich eines Tages im Dienst versterben.
Der Dämon warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu, bevor er scheinbar auf jemanden wartete. Sein Hund neben ihm.
„Verzeihen Sie, Sir …aber Hunde sind auf dieser Veranstaltung nicht gestattet.“ Sprach er den Dämon an.
Am Ende verfiel er in eine halbe Diskussion über diesen Hund …warum waren Hundebesitzer immer so vernarrt in ihre Vierbeiner?
Bevor eine junge Asiatin den Raum betrat und sich dem Dämon zuwandte. Scheinbar, verstimmte das, was das Mädchen ihm sagte, den Dämon deutlich.
Johns Interesse blieb aber eher bei der jungen Frau. Es war äußerst selten, dass man so exotische Menschen sah, aber ihr englisch war perfekt. Vermutlich stammte sie aus einer der Kolonien.
Sein Blick glitt wieder zurück in den Raum, sich weiteren Gästen zuwenden, während die Frau an ihnen vorbei lief. Auch kein Vampir…
Fragend sah er zu Penelope, ob jene schon was entdeckte hatte. Seine Ausbeute war bisher ziemlich mau…



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Online

#7 Am 12.01.2022 um 23.09 Uhr

Absynthgarde
Panthea
Recrute
Panthea
...
Nachrichten: 58

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im Ballsaal mit Henry

Die Donnegals waren natürlich wie immer unermüdlich, wenn es darum ging, einem den letzten Nerv zu rauben.
Und mit ihrer herablassenden Art hatten sie schnell den Punkt erreicht, der Eireanns Höflichkeit überschritt.
Darum hatte sie keinerlei Problem damit, eine einfache Ausrede zu benutzen, um James und sich aus dieser Situation herauszubugsieren.
„Ich glaube, er würde noch Jahre weiterreden“, seufzte Eireann genervt, als sie außerhalb der Hör- und Sichtweite der Donnegals waren.
„Und wenn er mal eine Pause braucht, übernimmt seine Frau ein paar Monate“, stimmte James lachend zu.
Wenigstens konnte er noch lachen.
„Möchtest du vielleicht eine Runde tanzen?“, schlug sie vor, doch James wehrte sogleich ab und meinte, dass es durch ihre vorgebliche Vetternschaft etwas ungewöhnlich wäre.
Leider hatte er da nicht ganz unrecht. Das nächste Mal sollten sie sich besser eine andere Tarnung ausdenken.

„Du verdirbst einem aber auch wirklich jede Freude, James“, sagte Eireann und schob schmollend die Unterlippe vor. Grinsend meinte der Vampir, dass sie sich gerne einen Tanzpartner suchen könnte, während er sich erst einmal von dem Gespräch erholen würde.
„Dann erhol dich mal gut“, meinte die Dämonin zwinkernd und sah zu, wie ihr Freund nach draußen verschwand.

Sonderlich lange blieb sie jedoch nicht allein, denn kurz nach James‘ verschwinden, gesellte sich der Vampir Henry Morris zu ihr und wünschte ihr einen schönen Abend.
„Ich hoffe, Sie konnten ihn bisher gut genießen.“
Bislang war sie nicht wirklich dazu gekommen. Und die Alkoholfahne, die der Händler verströmte, sollte es nicht sonderlich besser werden, wie es aussah.
Seine Augen glitten über ihren Körper und sie war dankbar über jede Lage Stoff, die sie von seinem Blick trennte. Dennoch setzte sie ein höfliches Lächeln auf
„Sie sehen fabelhaft aus, wenn ich das so sagen darf.“
„Vielen Dank für das Kompliment, Mr. Morris. Ich hatte nicht erwartet, Sie heute hier anzutreffen. Ich nahm an, sie seien noch unterwegs mit ihrem Handelsschiff.“ „Die Winde waren mir wohl hold, Verehrteste“, antwortete er  breit lächelnd. „und haben meine Schiffe und mich schnell in den sicheren Hafen von London getragen. Und mit mir auch ein paar interessante Geschichten, oh ja.“

Wenngleich ihr der Mann nicht sonderlich sympathisch war, so musste Eireann zugeben, dass er von seinen Reisen allerhand zu berichten hatte.
Das war wiederum ein Gewinn für die Golden Times. Und für ihn gleich noch ein perfektes Aushängeschild, um Werbung für sein Geschäft zu machen.
„Nun, ich bin gespannt sie zu hören“, entgegnete Eireann, doch der Vampir schnalzte nur mit der Zunge und schüttelte den Kopf.
„Nun, nicht hier, Liebes. Zu viele Ohren, für die diese Geschichten nicht bestimmt sind. Und wir wollen doch, dass sie bei euch in der Zeitung landen, aye? Ich habe natürlich nichts dagegen, wenn Sie sich mit mir zurückziehen möchten, versteht sich“, meinte Mr. Morris zwinkernd und grinste sie an.

Eireann lächelte zurück, auch wenn sie am liebsten auf dem Absatz kehrtmachen würde. Wenn er sich jedoch mehr erhoffte als ein geschäftliches Gespräch, dann würde er sich allerdings auf etwas gefasst machen können.
„Selbstverständlich ist hier wohl kaum der geeignete Ort, für ein derartiges Gespräch. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass der Herr des Hauses ein guter Freund von Lord Percy ist. Wenn Sie mir folgen wollen, dann zeige ich Ihnen einen Raum, in dem wir ungestört reden können.“
Ohne auf seine Reaktion zu warten, steuerte Eireann auf eine der Treppen zu, die nach oben führte.

Bei einigen Gesellschaften hatte James stets ein Zimmer zur Verfügung gestellt bekommen, damit er oder Eireann bei einer interessanten Story direkt ein persönliches Gespräch führen konnten. Heute Abend war es nicht anders.
Im ersten Stockwerk war der Gastgeber so freundlich gewesen, eines der Kaminzimmer vorzubereiten, in welches Eireann nun den vampirischen Händler führte.
Nachdem der Vampir das Zimmer betreten hatte, schloss Eireann hinter ihm die Tür und bat ihn Platz zu nehmen.
Bevor er jedoch auf falsche Gedanken kommen konnte, setzte sich die Dämonin auf den einzigen Sessel im Raum und überließ dem Vampir das Sofa gegenüber, der sich bei ihr erkundigte, ob sie auch genügend Zeit mitgebracht hatte, da es eine etwas längere Geschichte werden würde.
„Wenn ein Dämon eines hat, dann ist da wohl Zeit, würde ich sagen“, erwiderte Eireann grinsend.
Mr. Morris lachte kurz auf stimmte ihr zu.

Dann begann er von seiner Reise aus Übersee zu erzählen.
Seine Reise hatte ihn nach Mexiko geführt, ein Land in der neuen Welt, das seit neuestem seine Unabhängigkeit von Spanien erfolgreich erkämpft hatte. Erst vor wenigen Monaten hatten die Kriege scheinbar dort ein Ende gefunden und die Einheimischen begannen nun damit, eine neue Ordnung zu etablieren.
Das waren wirklich wichtige Neuigkeiten, die die Leser der Golden Times sicher brennend interessieren würden.
Diese Nachricht sollten sie so schnell wie möglich herausbringen.
Am besten schon in der Mittagsausgabe am nächsten Tag.
Diese Geschichte war es definitiv Wert, sich den zweideutigen Andeutungen von Mr. Morris auszusetzen.
Sobald sie nach Hause kam, würde sich Eireann sogleich an den Artikel setzen, bevor diese Nachricht jemand herausbringen konnte.




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Im Ballsaal mit John

Die Venatoren beschlossen, an den Türen Posten zu beziehen, um die Vampire besser ausfindig machen zu können.
Während Alarik an einer Tür aufpasste, die zum Garten hinaus führte,
blieben John und Penelope zusammen an der großen Eingangstür.
Der Venator nutzte die Gelegenheit, nicht mehr permanent auf Achse zu sein und erkundigte sich bei seiner Kollegin, weshalb sie nicht nur als Venatorin arbeiten würde, sondern auch tagsüber mit Menschen zusammenarbeitete.

„Nein, über die Bezahlung mache ich mir keine Gedanken“, bestätigte Penelope und verstummte kurz, als ein Gast an ihr vorbei ging.
Freundlich lächelnd reichte sie ihm ein Glas mit Sekt und führte ihre Erklärung fort, als der Adlige wieder außer Hörweite war.
„Ich möchte einfach selbstständig sein. Ich wollte mir einfach ein eigenes Leben aufbauen, das - wie soll ich sagen – normal – ist. Nicht nur Kampf und Tod. Außerdem macht mir meine andere Arbeit Spaß, deswegen würde ich sie auf keinen Fall missen wollen“, gestand die Venatorin und konzentrierte sich kurz, um zwei weitere Adlige, die gerade durch die Tür gingen, genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber eindeutig ausmachen konnte sie nichts.

John schien ebenfalls abgelenkt, denn er hatte eine Unterhaltung mit einem der Gäste begonnen.
Penelope indes behielt weiter die Gäste im Auge, allerdings, solange keiner den Saal betrat oder verließ, war es ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen. Und selbst dann, war es noch fraglich, ob sie etwas bei ihren überreizten Sinnen spüren würde.
Kurz rang sie mit sich, ob sie es wagen konnte, für einen Moment die Augen zu schließen.
Mit geschlossenen Augen konnte sich die Venatorin deutlich besser auf das Kribbeln in ihrem Nacken konzentrieren. Wenn sie ihre Konzentration darauf richtete, spürte sie in der Regel, in welche Richtung das Kribbeln zog.
Momentan war es natürlich in alle Richtungen, was es ihr unmöglich machte, einen einzelnen Vampir auszumachen.

Ehe sie sich versah, hatte Penelope die Augen geschlossen. Durch ihren Fokus auf die Empfindung, war das Kribbeln deutlich unangenehmer als wenige Sekunden zuvor, doch dafür stellte sie etwas anderes fest.
Sie hatte geglaubt, dass das Kribbeln in alle Richtungen führen würde. Doch nun, war sie sich sicher, dass hinter ihr mit Sicherheit kein Vampir war.
Zumindest in keiner Entfernung, in der sie einen ausmachen konnte.

„Glaubst du, man bezahlt dich hier zum Schlafen?“, riss eine hochnäsige Stimme Penelope aus ihrer Trance.
„Verzeihung“, stammelte sie sofort und machte einen Knicks vor der Adligen, die sich empört Luft mit ihrem Fächer zufächelte.
„Ich werde deinem Herren Bericht erstatten“, warnte sie die Venatorin vor und sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. „Wie ist dein Name?“
„Janette, Mylady“, log Penelope und versank erneut in einer Referenz.
„Du wirst dir noch wünschen, deine Arbeit besser gemacht zu haben Janetta“, versprach die Adlige und ergriff energisch eines der Sektgläser ehe sie zur Saaltür hinausspazierte.

Seufzend schloss Penelope die Augen. Mit Adligen war wirklich nicht gut Kirschen essen.
Allerdings mit dieser war es das umso weniger.
Penelopes Blick kreuzte sich mit Johns, welcher sie fragend ansah.
Wortlos stellte Penelope das Tablett auf einen Sims in der Wand.
„Es gibt Arbeit“, eröffnete sie und folgte sofort der Adligen, die sie angesprochen hatte.
Denn als sie den Saal verließ, hatte ihr Kribbeln, sie eindeutig sacht nach hinten gezogen.



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bei sich zuhause mit ihrer Tante

Müde rieb sich Róisín den Nacken. „Du warst heute echt lange unterwegs, Róisín“, empfing Fionúir ihre Tante, während sie den Tisch deckte.
„Du sollst mich doch nicht mehr so nennen“, entgegnete Róisín vorwurfsvoll und sah ihre Nichte ernst an. „Entschuldigung. Tante Rose“, antwortete Fionúir und betonte jedes Wort.
„Es gefällt mir nicht, dass wir uns nicht mit unseren richtigen Namen ansprechen dürfen. Auf der Straße mag es ja noch seinen Sinn haben, aber hier…“
„Man kann nie wissen, ob jemand mithört, Fiona. Wir müssen vorsichtig sein. Es sind schon lange keine guten Zeiten mehr für unsere Art. Wir müssen aufpassen, wem wir vertrauen und was wir tun. Die Menschen mögen uns vergessen haben und unsere Bräuche für Unterhaltung und Humbug abtun, aber da draußen sind immer noch Menschen, die um uns wissen und uns tot sehen wollen. Sie könnten überall sein und alles, was uns mit unserer Vergangenheit verbindet ist gefährlich.“
„Ich weiß“, murmelte Fiona niedergeschlagen.
Trotz allem wollte sie sich nicht verstellen müssen.
Sie war Fionúir. Nicht Fiona. Nicht Burgel, nicht Franziska.
Sie hasste es, dass sie sich verstellen musste. Sie hasste es jeden Tag.

„Vielleicht sollten wir wieder die Zeit befragen“, schlug Rose vor und setzte sich an den Tisch. „Wir müssen im Auge behalten, ob sie wieder auf unsere Spur kommen.“
„Ich dachte, wir sollen uns auch hier drin versteckt halten?“
Rose sah Fiona streng an.
„Hören kann man uns wohlmöglich. Sehen jedoch nicht. Außerdem ist das Wissen, das wir dadurch gewinnen wichtig.“
Fiona nickte und stellte alles, was sie aufgedeckt hatte, auf das Regal hinter ihr. Dann hob sie das lose Brett im Fußboden hoch und zog daraus ihre Utensilien hervor.
Zum einen ihre Tarotkarten, die sie selbst gefertigt hatte, zum anderen die vier Elemente höchstselbst.

Für Hexen gab es viele Arten, die Zukunft zu sehen. Das Kartenlegen war nur eine Möglichkeit und auch dort gab es unzählige Variationen, das Schicksal zu befragen.
Angefangen mit besonders gewirkten Karten, hinweg über verschiedene Legetechniken bis hin zu elementarem Tarot.
Verknüpfte man all diese Variablen miteinander, konnte man genauere Voraussagen treffen.
Für ihr alltägliches Geschäft auf der Straße war jedoch nichts davon möglich. Ernsthafte Magie würde die Aufmerksamkeit der Jäger auf sie ziehen.
Darum waren ihre Taschenspielereien auf der Straße, die sie hin und wieder mit ihrer Tante betrieb, nicht sonderlich viel mehr als das Tarot, das bei den  Menschen neuerdings in Mode kam.

Aufmerksam sah Rose ihrer Nichte zu, wie sie die fünf kleinen Schalen aus Kupfer auf dem Tisch ausrichtete. Vier davon platzierte sie an den Ecken des Tisches, während die fünfte in der Mitte ihren Platz fand.
Nacheinander füllte sie nun die vier Schalen an den Ecken mit Erde, mit Wasser und einem Blatt, welches sie flüsternd mit dem magischen Befehl dóigh aighre uile* in Brand setzte.
In das letzte der vier Gefäße blies sie hinein, ehe sie sich der Schale in der Mitte widmete. Mit einem kurzen Messer stach sie sich in den Finger und ließ ein paar Tropfen in die Mitte der Schale fallen. Dann reichte sie das Messer ihrer Tante, die es ihr gleichtat und ihr eigenes Blut dazugab.
Nachdem sie das Messer weggelegt hatte, beobachtete Rose nun stumm, wie ihre Nichte die Karten aus dem Beutel zog, in dem Fiona sie verwahrte und mischte.

Schließlich legte sie die Karten in einer doppelten Pyramidenformation auf dem Tisch ab.
Eine zwischen Feuer und Erde, gefolgt von zwei Karten, dann von dreien. Eine weitere Karte legte sie über und eine zweite unter die Schale mit dem Blut.
Und auf der anderen Seite folgten dann wieder drei, zwei und eine Karte zwischen Luft und Wasser.
Dann begann sie, eine nach der anderen von links nach rechts aufzudecken.

Die erste Karte war der Dolch.
Darüber lagen das Schwert und der Mond.
Diese Konstellation hatte sich Fiona schon fest in die Augen gebrannt. Es gab keine Voraussagung, die sie für ihre Tante oder sich selbst gelegt hatte, die nicht mit diesen drei Karten begann.
Auch die nächsten drei Karten waren keine Seltenheit.
Der Tod. Das Spinnennetz. Und das umgekehrte Gesicht.
Jede Karte, ein schmerzhafter Stich aus ihrer Vergangenheit.
Nichts, das ihnen selbst fremd war.

Die beiden Karten über und unter der mittleren Schale waren deutlich interessanter.
Die Sanduhr und die Sterne.
Sterne standen im Allgemeinen für Hoffnung, während die Sanduhr die Zeit oder auch Geduld repräsentierte. Sonderlich schwer war dies eigentlich nicht zu deuten, denn die Karten sprachen für sich.
Auch wenn sie wie so oft recht vage waren.

Erwartungsvoll wand sich Fiona den letzten Karten zu.
Zunächst deckte sie die Feder, die Ringe und den Wegweiser auf.
Danach kamen die Hand und das Seil und zum Schluss das linke Auge.
Unschlüssig sah Rose auf die Karten.
„Was glaubst du, hat das zu bedeuten?“
Fiona studierte genau die Konstellation vor ihr.
„Bald wird sich etwas ereignen. Vielleicht wird jemand verletzt werden. Es wäre möglich, dass es einer von uns beiden ist, wenn man die Ringkarte in Betracht zieht. Auf jeden Fall wird der Verletzte Hilfe erhalten, da bin ich mir sicher. Entweder von einer Person, mit der er in Verbindung steht oder mit der derjenige dadurch in Verbindung tritt. Und dadurch werden wir irgendetwas finden. Vage, aber immerhin sieht es so aus, als wären sie uns nicht auf der Spur.“
Zweifelnd nagte Rose an ihrer Unterlippe.
„Ich habe dennoch ein ungutes Gefühl. Vielleicht wäre es doch besser, wenn wir in die neue Welt gehen.“ „Und dann was? Wahrscheinlich sind längst welche von ihnen dort, denn mit Sicherheit werden sich einige unserer Schwestern bereits dorthin geflüchtet haben.“
„Aber es heißt, dass das Land viel größer ist, mit unendlichen Ebenen, die man in einem Monat bereisen könnte, ohne auch nur auf eine Menschenseele zu stoßen. In dieser Abgeschiedenheit könnten sie uns überhaupt nicht finden."
Fiona sah auf die Mitte des Tisches.
„Sie würden uns überall finden. Es ist nur eine Frage der Zeit.“


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